Post image

Project Hail Mary handelt eigentlich gar nicht von der Rettung der Erde. Genauer gesagt, formal geht es genau darum, aber das Ende wirkt auf einer ganz anderen Ebene. Es ist die Geschichte eines Mannes, der sein ganzes Leben lang Verantwortung, echte Nähe und jede Situation vermieden hat, in der er sich wirklich für andere hätte riskieren müssen.

Ryland Grace ist zu Beginn des Films kein Held. Und der Film zeigt das ziemlich deutlich. Er drängt sich nicht danach, die Menschheit zu retten, trifft keine pathetischen Entscheidungen und ähnelt überhaupt nicht einer typischen Science-Fiction-Figur. Im Gegenteil, er versucht ständig, sich vor schwierigen Entscheidungen zu drücken. Selbst in den Rückblenden sieht man, dass er lieber Schullehrer geblieben wäre, in einer sicheren und verständlichen Umgebung leben und sich nicht dem realen Druck der Welt aussetzen würde. Als ihm die Mission angeboten wird, nimmt er sie nicht als Berufung an. Er wird buchstäblich zur Teilnahme gezwungen.

Und genau deshalb funktioniert das Finale so gut. Seine gesamte Transformation geschieht nicht, weil er plötzlich zum „auserwählten Helden“ wird, sondern weil die Umstände sein gewohntes Verhaltensmuster langsam aufbrechen. In völliger Isolation ist er zum ersten Mal gezwungen, echten Kontakt zu einem anderen Wesen aufzubauen. Und zwar zu einem Wesen, das überhaupt nicht wie ein Mensch aussieht. Rocky wird für ihn nicht nur zum Partner, sondern zum ersten wirklich nahen Wesen, um das er sich aufrichtig zu kümmern beginnt.

Post image

Das Wichtigste am Ende ist der Moment, in dem Grace erkennt, dass er nach Hause zurückkehren könnte, aber dafür Rocky sterben lassen müsste. Zu Beginn der Geschichte hätte er sich wahrscheinlich für sich selbst entschieden. Und der Film führt direkt zu diesem Gedanken. Aber am Ende ist er bereits ein anderer Mensch. Zum ersten Mal trifft er eine Entscheidung nicht aus Angst, nicht aus dem Wunsch, sich zu verstecken, sondern aus Empathie und Verantwortung. Und es ist kein schönes heldenhaftes Selbstopfer für die Menschheit. Es ist eine viel persönlichere Handlung. Er rettet einen bestimmten Freund.

Und dass er letztlich nicht zurück zur Erde strebt, wirkt wie ein sehr wichtiges Detail. Es fühlt sich nicht wie eine Niederlage oder eine Abkehr von der Heimat an. Eher im Gegenteil. Zum ersten Mal im gesamten Film hört er auf, in einem Modus ständiger Flucht vor dem Leben zu leben. Auf Erid wird er unerwartet ruhiger, offener und sogar glücklicher, als er es unter Menschen war. Er beginnt wieder zu lehren, kümmert sich wieder um andere, aber ohne Angst und innere Verschlossenheit. Für einen Menschen, der sich zu Beginn der Geschichte emotional vor der ganzen Welt versteckt hat, ist das vielleicht das wichtigste Zeichen dafür, dass er endlich über sich hinausgewachsen ist.