Das moderne Konzept betrachtet Fettleibigkeit als eine chronische, fortschreitende und rezidivierende Erkrankung, die die Lebensqualität und -erwartung verringert.

Klassifikation der Fettleibigkeit und Zusammenhang mit dem Risiko vorzeitiger Sterblichkeit
Die klassische WHO-Klassifikation basiert auf dem Body-Mass-Index (BMI):
- Normal: <25 kg/m²
- Übergewicht: 25–29,9 kg/m²
- Fettleibigkeit: ≥30 kg/m²

Bei älteren Menschen überschätzt der BMI jedoch die Muskelmasse und unterschätzt die Fettmasse, was die Diagnosegenauigkeit verringert. In einer Studie mit 4800 Erwachsenen im Alter von 40–80 Jahren lag der optimale Schwellenwert für die Diagnose von Fettleibigkeit bei einem BMI ≥27,3 kg/m², was die tatsächliche Fettmasse und das Risiko altersbedingter Erkrankungen besser widerspiegelt.

Haupttypen und Kriterien:
Allgemeine Fettleibigkeit – definiert durch einen BMI ≥30 kg/m², spiegelt allgemeines Übergewicht wider, ist aber nicht immer mit metabolischen Risiken verbunden.

Abdominelle Fettleibigkeit – wird mit einem Maßband anhand des Taillenumfangs und des Taille-Hüft-Verhältnisses (WHR) bewertet und spiegelt die Fettansammlung in der Bauchhöhle wider.
Normen:
Frauen >0,85; Männer >0,9

Viszerale Fettleibigkeit – der wichtigste pathogenetische Typ, gekennzeichnet durch eine viszerale Fettfläche (VFA) ≥100 cm² laut CT oder Bioimpedanzanalyse.

Die moderne Klassifikation stützt sich auf funktionelle und morphologische Kriterien:
1️⃣ Nach Fettlokalisation:
- Subkutan, viszeral, ektopisch (Leber, Bauchspeicheldrüse, Muskeln).
2️⃣ Nach metabolischem Profil:
- Metabolisch gesunde Fettleibigkeit und ungesunde Fettleibigkeit.
3️⃣ Nach Kombination mit anderen Gewebestörungen:
- Viszerale Fettleibigkeit + Muskelschwäche (sarkopenische Fettleibigkeit);
- Viszerale Fettleibigkeit + Myosteatose (Fettinfiltration der Muskeln).

Praktische Bedeutung
- Die BMI-Bewertung ist die Grundlage, aber für die Risikobewertung unzureichend: Patienten mit Normalgewicht, aber einem hohen Anteil an viszeralem Fett, haben ein hohes Risiko für metabolische und vaskuläre Komplikationen.
- Die Messung des viszeralen Fetts (VFA ≥100 cm²) ist das wichtigste diagnostische Kriterium für viszerale Fettleibigkeit.
- Eine umfassende Bewertung von Gewichtsproblemen sollte das Lipidprofil im Blut, die Diagnose von Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen, Arteriosklerose, Muskelvolumen sowie Funktionstests (Handgriffstärke) umfassen.

@drakarasev