Ein kleiner Freitags-Langtext, bitte habt Geduld.

Wieder ausgegraben wurde der bereits vergessene Gesetzesentwurf zum Online-Verkauf von Wein über die Infrastruktur der Russischen Post.

Wichtig zu verstehen ist, dass es neben der Unterstützung der Winzer (insbesondere der kleinen) einen Sinn gibt, über den kaum jemand schreibt, nämlich „indirekt der ewig bedürftigen Russischen Post etwas Geld zuzustecken, um nicht wieder Geld für direkte Subventionen suchen zu müssen“.

Der Gesetzesentwurf sieht auf den ersten Blick ganz okay aus, wenn man nicht die sogenannten Marktplätze in diese Kette eingebaut hätte.
Der Markt riskiert eine weitere Marktverzerrung, der Staat reguliert und kontrolliert Marktplätze nicht einmal zu 20 % von dem, was im Einzelhandel passiert.
Eine Situation vorzustellen, in der ein bundesweiter Einzelhändler offen mit Fälschungen handelt oder für 500 Rubel pro Tag das Recht verkauft, ein „Original“-Symbol in der Produktkarte zu setzen, können wir nicht.
Auf den Marktplätzen – voilà, bitte sehr, hier gibt es Fälschungen und einfach Garagen-Waschpulver unter bekannten Marken, und das ist nur das, was in die Nachrichten kommt, tatsächlich wissen wir alle, was für ein Basar-Bahnhof in diesem Teil der Wirtschaft abgeht.
Dabei tragen die Marktplätze keine Verantwortung, sie geben sich im entscheidenden Moment einfach als „Schaufenster“ aus (die allerdings 40-70 % Provision nehmen), während das Handelsgesetz (ziemlich streng und reguliert) nur für Einzelhändler gilt.

Und noch etwas zur „Logik des Moments“: Derzeit haben wir eine gesetzliche Lieferverbotssituation, aber alle verstehen es und sowohl kleine und mittlere Winzer als auch Importeure betreiben Lieferungen.
Alle außer den Einzelhändlern.

Jetzt werden vielleicht Winzer, Importeure und Marktplätze Lieferungen betreiben, wieder alle außer den Einzelhändlern.

Eigentlich ist die einzige und logischste Online-Lieferung von russischem Wein, die in Russland benötigt wird, die vom Winzer direkt zum Kunden und über die Infrastruktur der Russischen Post lässt sich das durchaus einrichten, derzeit kommen sie damit gut zurecht, nur schreiben die Winzer beim Versand der „Ware“, dass sich in der Sendung eine Vase oder etwas Glasernes befindet.
Mit dem Verkauf des gesamten restlichen Alkohols kommen alle derzeitigen Marktteilnehmer gut zurecht, zumal die Einzelhandelsdichte in Russland wohl eine der höchsten der Welt ist.

Als Bonus zum Gesetzesentwurf möchte man Werbung für Weingüter und Terroirs auf Werbetafeln in den Regionen ihres Standorts (entlang der Straßen) erlauben, jedoch ohne konkrete Handelsmarken von Wein und Abbildungen von Flaschen.
Hier ein eindeutiges Like, wir warten auf die Weinbau-Ästhetik entlang der Straßen 🍾