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In den Kinos funkelt das von Überarbeitungen und Kritik geplagte, aber vom Publikum wohlwollend aufgenommene Biopic „Michael“ in Gold und Lurex, in dem kein Schatten auf das strahlende Antlitz des Künstlers fällt, dafür der Puls der Musik keine Minut...

„Michael“ beginnt mit einem kurzen Prolog, in dem Michael Jackson selbst (Jaafar Jackson) sich darauf vorbereitet, die Bühne des überfüllten Wembley-Stadions zu betreten, und beim Aufwärmen auf der Stelle hüpft – ganz wie Rami Malek als Freddie Mercury im ähnlich gestrickten Biopic „Bohemian Rhapsody“. Die Ähnlichkeit wird durch die Produzentenhand von Graham King deutlich, der an beiden Projekten beteiligt war.

Dann erscheinen auf dem Bildschirm riesige Zahlen 1966, die den Beginn der kreativen Reise des noch sehr jungen Jackson als Teil des Familienensembles The Jacksons 5 markieren. Der begabte Junge beeindruckt seine Umgebung mit Beweglichkeit und stimmlichen Fähigkeiten, und alle sind überzeugt, dass ihm eine große Zukunft bevorsteht, die wir zwei Stunden lang beobachten dürfen.

„Michael“: Tribute-Biopic statt Drama
Szene aus dem Film „Michael“

Alle modernen Biopics eint eines – rhythmisches Mitwippen im Takt der Musik, während man im Kinosaal sitzt. „Michael“ ist keine Ausnahme. Wenn es bisher kein Subgenre „Karaoke-Biopic“ oder „Tribute-Biopic“ gibt, dann sollte es längst eingeführt werden. In diese Liste kann man getrost „Bohemian Rhapsody“, „Rocketman“ und „Elvis“ aufnehmen, sowie ein paar kleinere Hits wie den Film über Bob Dylan.

Die von Graham King leichtfertig präsentierte Formel hat einen fruchtbaren Boden gefunden, auf dem noch ein Dutzend ähnlicher Filme wachsen werden: gefällig, verfeinert, Konflikte vermeidend und nicht hinter die schönen Kulissen blickend. Sie werden sich höchstens durch die Playlist unterscheiden. Das ist im Prinzip auch nicht schlecht, aber dann sollte man in den Kinos lieber eine Tanzfläche einrichten.

Da denkt man wehmütig an Oliver Stone und seinen „The Doors“ oder „Sid & Nancy“ von Alex Cox, wo Platz für harte Fakten und künstlerische Freiheit war. Aber das ist nicht einmal das Wichtigste, sondern dass die Autoren vor allem daran interessiert waren, was im Kopf des Helden vorgeht, und nicht nur im Zeitplan der Welttourneen oder in den Beziehungen zu Fans oder Kritikern.

„Michael“: Tribute-Biopic statt Drama
Szene aus dem Film „Michael“

Für die „Kritik“ ist in „Michael“ übrigens der Vater des Popstars zuständig – Joseph (Colman Domingo), und der Versuch, ihn als dämonische Figur darzustellen, war ebenfalls nicht besonders erfolgreich. Ja, er verprügelte den kleinen Michael gelegentlich und zwang ihn, bis zum Umfallen zu arbeiten, aber das wird nur angedeutet, und man kann Joseph nicht wirklich hassen, auch weil der Film wiederum taktvoll die Fakten verschweigt, die ihn zu einem echten Monster gemacht hätten.

Joseph, gespielt vom überzeugenden Domingo, rollt wild mit den Augen, thront wie ein Fels über der Familie, aber er flößt keine Angst ein: Es entsteht der Eindruck, dass er irgendwann gegen eine unsichtbare Wand stößt, die ihn von seinem Sohn trennt. Ihm „Nein“ zu sagen, scheint kinderleicht, und dann ist unklar, warum der Film-Michael so lange zögert, diesen einfachen Schritt zu tun. Die Macher haben dies wohl als „inneren Konflikt“ bezeichnet.

Noch bedauerlicher ist es für den Regisseur des Films, Antoine Fuqua. Der Regisseur von „The Equalizer“ und „Training Day“, mit einem etablierten Stil und einer bestimmten Filmsprache, wird in „Michael“ zum Unsichtbaren. Seine gesamte Arbeit besteht hauptsächlich darin, die populärsten Videos des Künstlers detailgetreu nachzubilden, wenn auch aus verschiedenen, manchmal unerwarteten Blickwinkeln, was natürlich Neuheit und Originalität verleiht. Aber dabei löst sich seine Handschrift buchstäblich im glänzenden Mischen der im Schnitt zusammengeschnittenen Bilder auf und macht den Regisseur zu einer bloßen Aufsichtsfunktion in einer Handlung aus der Reihe „Das Leben berühmter Menschen“.

„Michael“: Tribute-Biopic statt Drama
Szene aus dem Film „Michael“

Trotzdem sprechen die Einspielergebnisse (derzeit über 800 Millionen Dollar) für sich. Zuschauer, die am Pop-Phänomen nicht vorbeigekommen sind, und eingefleischte Fans des Sängers stimmen lautstark mit klingender Münze ab und singen begeistert die größten Hits von Jackson mit, deren Auswahl die Macher mit snipersicherer Präzision getroffen haben. Da sind „Billie Jean“ vom legendären Auftritt zum 25-jährigen Jubiläum von Motown Records, der bis heute unübertroffene „Thriller“, der Moonwalk und der Stadionchor zu „Bad“. Jacksons Neffe Jaafar ging die Rolle verantwortungsvoll und sogar rührend an: Das ewig lächelnde Kind, das zum King of Pop heranwuchs, gelang ihm geschmeidig, ohne Übertreibungen und stellenweise erschreckend ähnlich, besonders auf der Bühne.

Und alles andere ist, wie man so sagt, nicht mehr wichtig. Wichtig ist, dass der Fuß selbstständig den Rhythmus im Einklang mit dem Künstler klopft, dass die vertrauten Akkorde Gänsehaut hervorrufen und auf der Leinwand das bekannte Bild im mit Lurex besetzten Handschuh aufblitzt. „Michael“ versucht weder zu überraschen noch zu verletzen noch umzudrehen. Es versucht einfach, uns zu erfreuen – und das gelingt ihm ganz gut. Aber gleichzeitig ist es ein wenig schade, dass von einem großen Film über einen großen Künstler am Ende nur ein großes Konzert übrig bleibt. Und das auch noch im Format einer Cover-Party. Wenn auch einer sehr teuren.