
„Die Berührung“, der Kult-Horror direkt aus den 90ern, kommt erneut in die Kinos. Was diesen Film nach über 30 Jahren immer noch erschreckend macht, analysieren wir in unserem Artikel.
Einer der Kult-Horrorfilme der 90er Jahre aus Russland, „Die Berührung“, hat unerwartet ein zweites Leben erhalten: Der Film wurde in 4K digitalisiert und in einem zwar begrenzten, aber dennoch breiten Kinostart veröffentlicht, der am 12. März begann. Zum Kult wurde er natürlich erst viel später nach seiner offiziellen Veröffentlichung im Jahr 1992, im Zeitalter der Blüte von Blogs und Videoportalen, als Informationen über ihn mit Lichtgeschwindigkeit verbreitet wurden und viel mehr Menschen den Film sahen als im ersten Jahrzehnt nach seinem Erscheinen. Regie führte Albert Mkrtchyan, und für den heimischen Horror war dies ein anschauliches Beispiel dafür, wie man mit minimalen Mitteln ein beeindruckendes Ergebnis erzielen kann. Damals, in den Neunzigern, wirkte es wie ein Experiment, heute ist es ein Artefakt.
Die Handlung von „Die Berührung“ erinnert auf den ersten Blick an einen typischen Detektivfilm der 90er: Der MUR-Ermittler Andrei Krutitsky (Alexander Zuev) untersucht den mysteriösen Tod einer jungen Frau (Marina Polteva) und ihres kleinen Sohnes. Bei der Suche nach Beweisen verliebt er sich in ihre Schwester und wird mit übernatürlichen Kräften konfrontiert – insbesondere mit dem längst verstorbenen Vater der Toten (Andrei Dudarenko), der ihn regelmäßig mit schrecklichen Augen von einem Porträt aus anstarrt. Was, wie Sie zugeben werden, für ein Polizeidrama selbst nach heutigen Maßstäben unerwartet ist.

In Mkrtchyans Karriere gab es zuvor nicht einmal eine Andeutung von Horror. Er hatte zahlreiche Filme gedreht, darunter besonders hervorzuheben den charmanten „Der Vormund“ mit Georgi Vitsin und Alexander Zbruev, das monumentale „Das Land Sannikow“ mit Wladislaw Dworzhetsky und Oleg Dal, sowie den für die damalige Zeit typischen Detektivfilm „Medizin gegen Angst“ nach dem Roman der Brüder Wainer. Aus letzterem wurde allerdings alles gestrichen, was dem sowjetischen Zuschauer ideologisch fremd und unverständlich erscheinen könnte.
„Die Berührung“ ist die erste Erfahrung des Regisseurs mit dem Genre, das er buchstäblich auf leisen Sohlen betrat, vielleicht bis zum Ende nicht einmal verstehend, womit genau er den Zuschauer erschrecken sollte. Und er schöpfte seine Inspiration eher aus sowjetischen Horrorfilmen der späten 80er Jahre. Daher steht „Die Berührung“ in einer Reihe mit „Herr Dekorateur“ und „Die Familie der Wiedergänger“ – ebenfalls übrigens durchaus Kultfilme. Neben ihnen wirkt Mkrtchyans Werk organisch: dieselbe zähflüssige Atmosphäre, dieselben Versuche, über das Übernatürliche in der Sprache eines Alltagsdramas zu sprechen.
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Was also macht „Die Berührung“ so beängstigend? Nun, erstens die Atmosphäre. Das niedrige Budget erlaubte keine hochwertigen Spezialeffekte und das Drehen auf gutem Filmmaterial, aber paradoxerweise wirkte sich das eher positiv auf den Film aus: trübes Licht, Körnung, beängstigende Kamerabewegungen aus der Ich-Perspektive. Ein seltsamer und Schrecken einflößender Mann von einem verfluchten Porträt, der absolut keine Bewegungen macht, nicht einmal mit den Augen, und dennoch zu Tode erschreckt. Hier kommen einem die japanischen Filme der Nullerjahre in den Sinn mit ihrer meditativen Zähflüssigkeit und ihrer Vorliebe für natürliches Make-up.
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Zweitens zwei präzise Treffer in der Mythologie. Bei äußerlicher Befolgung des Hollywood-Standards (Ermittler, Ermittlung, Beweise) steht der Film fest auf dem Terrain ausschließlich lokaler Folklore und urbaner Legenden, die in den 90er Jahren häufig auf den Seiten der Boulevardpresse auftauchten und sofort erkennbar waren. In der Zeit ohne Internet lasen sich solche Notizen gruseliger als jeder (wenn man natürlich eine lebhafte Fantasie hat).
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Open materialUnd drittens eine Reihe wirklich gruseliger Szenen. Ehrlich gesagt gibt es im Film nur etwa zwei davon (einschließlich der zentralen Episode des Gesprächs des Ermittlers mit dem Porträt auf dem Friedhof), aber sie sind mit einer für das heimische Kino jener Zeit seltenen Erfindungsgabe ausgedacht. Und wenn Albert Mkrtchyan sich auf die Natur der Angst konzentrierte, war er gnadenlos und traf genau in die Magengrube. Diese Momente wirken auch heute noch. Was für das Genre, wie Sie zugeben werden, eine Leistung ist.
„Die Berührung“ ist größtenteils natürlich kein Versuch, etwas Großartiges zu berühren. Man sollte sich nicht zu sehr täuschen: Im Ganzen, besonders aus dem Jahr 2026 betrachtet, wirkt der Film naiv, besonders wenn es zu den spielzeughaften Spezialeffekten kommt. Aber wenn man den Film als Dokument einer Filmära betrachtet, das daran erinnert, dass für echte Angst manchmal einfach nur schlechtes Filmmaterial und ein richtiges Porträt ausreichen, ist er makellos.
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