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Was haben ein Western von 1995 und ein Vampir-Melodram von 2013 gemeinsam? Auf den ersten Blick nichts. Aber wenn man „Dead Man“ und „Only Lovers Left Alive“ hintereinander sieht, ergeben sich die Parallelen von selbst.

Jim Jarmusch ist einer jener Regisseure, die man gerne wiederholt ansieht. Und zwar nicht einen Film nach dem anderen, sondern paarweise oder zu dritt. Nicht chronologisch und nicht thematisch – sondern einfach so, blind, wenn zwei verschiedene Filme plötzlich überraschend viel gemeinsam haben. „Dead Man“ kam 1995 heraus, „Only Lovers Left Alive“ 2013. Fast zwanzig Jahre und scheinbar unterschiedliche Genres: Western und Vampir-Melodram. Aber je länger man über diese beiden Filme nachdenkt, desto klarer wird: Sie führen einen „Dialog“ miteinander.

Fremde überall und immer

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Beide Filme sind Geschichten über Menschen (oder Wesen), die hier nicht hingehören.

Der Buchhalter William Blake (Johnny Depp) kommt in den Wilden Westen, gerät in eine Zwickmühle und ist von den ersten Minuten an ein Mensch, der offensichtlich nicht aus dieser Welt stammt – buchstäblich und metaphorisch.

Die Vampire Adam (Tom Hiddleston) und Eve (Tilda Swinton) existieren unter den Menschen wie Anthropologen unter einem fremden Stamm: mit Interesse, Müdigkeit und leichter Abscheu.

Fremdheit ist bei Jarmusch kein dramatischer Konflikt, sondern ein existenzieller Zustand. Seine Helden kämpfen nicht gegen die Welt – sie gehen einfach nicht in ihr auf.

Was bleibt nach dem Tod

Only Lovers Left Alive

Das Thema Tod ist bei Jarmusch nie einfach nur das Thema Tod. In „Dead Man“ ist es wörtlich zu nehmen: Der Held stirbt den ganzen Film über, und die Frage ist nicht, ob es passiert – die Frage ist, was auf der anderen Seite geschieht. In „Only Lovers Left Alive“ ist der Tod umgekehrt: Vampire sind unsterblich, aber gerade deshalb verschwindet das Thema nicht – es verfolgt sie wie ein Schatten dessen, was ihnen fehlt.

Beide Filme stellen dieselbe Frage: Was bedeutet es zu existieren, wenn die üblichen Regeln der Existenz nicht mehr gelten?

Poesie als Weg, nicht verrückt zu werden

Dead Man

In „Dead Man“ trägt der Held den Namen des realen Dichters William Blake – und der ganze Film verwandelt sich in eine jenseitige poetische Reise, bei der Blakes Verse aus dem Mund des Indianers Nobody fast wie Beschwörungen klingen. In „Only Lovers Left Alive“ ist die Poesie in einen breiteren Kulturbegriff sublimiert: Adam ist Musiker, Eve liest mit einer Geschwindigkeit, die jeder Redakteur nur beneiden kann.

Kunst ist hier nicht die Dekoration des Lebens, sondern das Einzige, woran man sich festhalten kann, wenn alles um einen herum zerfällt.

Musik, die anstelle von Worten spricht

Only Lovers Left Alive

In beiden Filmen ist der Soundtrack eine vollwertige Figur. In „Dead Man“ spielt Neil Young nervöse, quälende E-Gitarren-Soli, die sich anhören, als würde das Instrument zusammen mit dem Helden sterben – krampfhaft, in Stößen. In „Only Lovers Left Alive“ kreiert Jarmuschs Band SQÜRL einen zähen Drone-Rock mit Laute – langsame, drückende Klangschichten, die nicht nach Schmerz, sondern nach Ewigkeit und Müdigkeit von ihr riechen.

Die Musik in „Dead Man“ ist Agonie, in „Lovers“ Erstarrung. Verschiedene Stadien desselben.

Zeit, die sich falsch verhält

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Vielleicht die raffinierteste Parallele ist, wie beide Filme die Zeit verformen. In „Dead Man“ schrumpft sie: Der Held stirbt während der gesamten Laufzeit, und zum Finale hin verschwimmt die Grenze zwischen Lebendig und Tot endgültig. In „Only Lovers Left Alive“ ist es die entgegengesetzte Bewegung: Die Zeit dehnt sich bis ins Unendliche. Die Vampire erinnern sich an Shakespeare als Lebenden und beobachten mit leiser Gereiztheit, wie die Menschen wie Streichhölzer verbrennen – schnell, hell und sinnlos.

Jarmusch nimmt die Zeit wie Knete und dehnt sie in verschiedene Richtungen – aber beide Male so, dass dem Zuschauer leicht der Boden unter den Füßen schwankt.

Ist das Zufall? Wahrscheinlich nicht – Jarmusch ist einfach einer jener Autoren, die immer wieder zu denselben Fragen zurückkehren und jedes Mal eine neue Form dafür finden. „Dead Man“ und „Only Lovers Left Alive“ sind zwei verschiedene Antworten auf dasselbe: Wie man in einer Welt lebt (oder nicht lebt), der man völlig egal ist.

P. S. Und in beiden Filmen spielt John Hurt mit, aber das wisst ihr ja schon.