Preview image

Amazon hat „The Bluff“ („Die Klippe“) veröffentlicht – einen Piraten-Actionfilm mit Priyanka Chopra Jonas und Karl Urban. Wir legen die Route durch den Film fest und finden heraus, wo die Schätze vergraben sind und wo die vorhersehbaren Riffe liegen.

Ein erfahrener Seemann weiß: Die Karte verspricht Schätze, schweigt aber über Gefahren. „The Bluff“ (oder, wie es auf Kinopoisk nicht unbegründet übersetzt wurde, „Die Klippe“) ist genau so eine Karte. Der letzte überzeugende Piratenfilm liegt so lange zurück, dass das Genre selbst mit Meeresgischt bedeckt ist. Studio Amazon MGM beschloss, einen Toten wiederzubeleben – mit Priyanka Chopra Jonas als „Bloody Mary“, Karl Urban als Bösewicht und den Russo-Brüdern am Produzentenruder. Wir legen die Route fest.

📍 Startpunkt: Cayman Brac, ruhiges Ufer

The Bluff Übersicht
Standbild aus dem Film „The Bluff“

Der Beginn der Route ist trügerisch ruhig. Ersell Bodden hat mit der Seeräuberei längst abgeschlossen – lebt auf einer Insel, zieht ihren kranken Sohn groß, wartet auf ihren Mann von See. Regisseur Frank Flowers gibt dieser Stille genau so viel Zeit, wie nötig, um sich mit dem Alltag der Heldin vertraut zu machen. Dann kommt Kapitän Connor – und die Stille endet für immer.

⚠️ Anmerkung des Lotsen: Die ersten fünfzehn Minuten erzeugen die falsche Annahme, das Drehbuch sei tiefer, als es ist. Halten Sie Kurs, lassen Sie sich nicht täuschen.

📍 Riffe der Vorhersehbarkeit – Navigation erschwert

Standbild aus dem Film „The Bluff“
Standbild aus dem Film „The Bluff“

Hier warnt die Karte ehrlich: Voraus liegt eine Untiefe. Das Drehbuch von „The Bluff“ bewegt sich auf Routen, die viele bereits befahren haben, und versucht nicht einmal, dies zu verbergen: Erpressung mit Angehörigen, ein Geheimnis aus der Vergangenheit, das im entscheidenden Moment gelüftet wird, ein finaler Kampf im Morgengrauen auf der Klippe, zu einem guten Soundtrack. Flowers folgt gewissenhaft den Genrekonventionen, ohne eine einzige unerwartete Kursänderung. Gold gibt es hier nicht – aber man strandet auch nicht: Das Tempo lässt es einfach nicht zu.

⚠️ Anmerkung des Lotsen: „vorhersehbar“ ist kein Todesurteil, wenn der Film nicht vorgibt, eine Offenbarung zu sein. „The Bluff“ tut das nicht.

📍 Leuchtturm

The Bluff ansehen
Standbild aus dem Film „The Bluff“

Der zuverlässigste Punkt auf der gesamten Route. Priyanka Chopra Jonas spielt Ersell so, dass man sowohl den Säbel in ihrer Hand als auch die Müdigkeit in ihren Augen glaubt. In Szenen mit ihrem Sohn ist sie lebendig, in Episoden mit Connor wirklich gefährlich. Sie trägt die gesamte Konstruktion dort, wo das Drehbuch sie im Stich lässt – und das tut es regelmäßig.

📍 Terra Incognita

The Bluff 2026
Standbild aus dem Film „The Bluff“

Karl Urban in der Rolle des Bösewichts ist ein Schatz, der auf der Karte nicht mit einem Kreuz markiert ist. Connor hätte leicht ein Pappmörder mit pathetischen Monologen über die Ehre der See werden können. Aber Urban macht daraus etwas weniger Abgedroschenes: einen verbitterten Menschen mit Prinzipien, was schlimmer ist als jede Schurkerei. Schade nur, dass das Drehbuch ihm nicht eine einzige Zeile mit einem leichten Lächeln gibt – alles streng, verdrießlich, ohne eine Spur von Selbstironie. Und Temuera Morrison als Quartiermeister ist eher eine Dekoration als eine vollwertige Figur: ungerecht, aber Tatsache.

⚠️ Anmerkung des Lotsen: Urban als Bösewicht ist ein Argument für das Ansehen an sich.

📍 Höhlensystem – dritter Akt, nichts für Zartbesaitete

Standbild aus dem Film „The Bluff“
Standbild aus dem Film „The Bluff“

Hier erfüllt die Karte endlich ihr Versprechen. Das letzte Drittel spielt in Höhlen, und Flowers arbeitet mit der Dunkelheit als vollwertigem Werkzeug, nicht als technischer Einschränkung. Der Raum verengt sich, die Luft wird knapper, die Einsätze steigen. Die Choreografie der Kämpfe ist hart und klar, ohne überflüssige Schnitte. Und Henry Jackman im Soundtrack forciert keine Emotionen, sondern hält nur den Druck aufrecht – genau das, was nötig ist.

⚠️ Anmerkung des Lotsen: Viel Blut und abgetrennte Gliedmaßen. Streng ab 18.

🏴‍☠️ X – hier ist vergraben

„The Bluff“ ist kein großer Fang, aber eine ehrliche Beute. Ein Film, der genau versteht, was er ist: ein harter Genre-Actioner ohne Anspruch auf Offenbarungen, dafür mit echtem Adrenalin in den richtigen Proportionen. Ihn als besten Piratenfilm der letzten zehn bis fünfzehn Jahre zu bezeichnen, ist nicht schwer – die Konkurrenz um diesen Titel war, zugegeben, nicht die wildeste. Aber das ist nicht mehr das Problem von „The Bluff“. Die Karte hat dorthin geführt, wohin sie versprach. Rum wurde unterwegs von niemandem ausgeschenkt, aber am Zielort angekommen, und das ist schon eine Menge.