
Im Online-Streaming ist der neue Screenlife-Thriller von Timur Bekmambetov „Hinrichten nicht begnadigen“ erschienen, in dem Chris Pratts Figur seine eigene Verteidigung vor einem virtuellen Gericht aufbaut. Ob der Film auf einen Freispruch hoffen kan...
Der neue Film Timur Bekmambetovs „Hinrichten nicht begnadigen“ (das Komma fehlt absichtlich – der Regisseur setzt es für Sie gegen Mitte des Films) ist eine für den Regisseur in letzter Zeit durchaus typische Arbeit. Bekmambetov steckt seit langem und, wie es scheint, nicht erfolglos im Genre „Screenlife“ fest und beweist mit beneidenswerter Beharrlichkeit, dass die digitale Spur zu einem vollwertigen Stoff eines Langfilms werden kann. Allerdings gelingt ihm das nur manchmal: Die durchaus gelungenen und spannenden „Profil“ und „Vermisst“ wurden später durch zwei offensichtliche Misserfolge ersetzt – „Die Vertretung“ und „Krieg der Welten“. Dabei spielt es keine Rolle, ob Bekmambetov im Regiestuhl sitzt oder direkt dahinter, um das Produkt als Produzent zu beaufsichtigen. Stil und Handschrift des Regisseurs sind von weitem erkennbar.

Und in diesem Jahr präsentierte Bekmambetov dem Publikum einen weiteren Techno-Thriller: die Geschichte des ehemaligen Polizisten Chris Raven (Chris Pratt), der angeblich seine Frau getötet hat. Die Handlung spielt in Amerika der nicht allzu fernen Zukunft, in der rechtliche Verfahren vollständig der künstlichen Intelligenz anvertraut sind (Richter mit Deepfake von Rebecca Ferguson), die innerhalb von anderthalb Stunden ein Urteil fällt (hier ahnt Bekmambetov düster, dass es nicht mehr weit bis dahin ist).
Allerdings werden uns die Statistiken über Schuld- und Freisprüche nicht gezeigt, was durch Schweigen intrigiert. Hier fallen einem automatisch „Richter Dredd“ mit Stallone, „Minority Report“, auf den Bekmambetov besonders deutlich anspielt, und „Auf der Flucht“ mit Harrison Ford und „Equilibrium“ ein – kurzum, jeder Film über die Konfrontation des Menschen mit der Justiz. Und im Fall von „Hinrichten nicht begnadigen“ ist es auch eine Begegnung mit einem virtuellen Richter – leidenschaftslos und ohne menschliches Maß.
In dem Wissen um die Sinnlosigkeit, sich selbst untreu zu werden, und die Illusion der Hoffnung auf ein starkes Drehbuch, packt Bekmambetov den Stier sofort bei den Hörnern, was die Form betrifft. Der Film zeigt einen atemberaubenden Wirbelwind aus Actionszenen, die von Stadtkameras, Smartphones und Körperkameras der Polizei übertragen werden. In diesen Strom brechen Shorts aus sozialen Netzwerken ein, denn das digitale Leben eines jeden von uns scheint interessanter und ereignisreicher zu sein als das normale. Aber gleichzeitig birgt es auch viele Gefahren: Jedes unschuldig fallengelassene Wort kann der KI-Richter leicht als Bedrohung interpretieren und sorgfältig in einem Ordner „Schuldbeweise“ ablegen. Ihm sind Begriffe wie „Leidenschaftsausbruch“ oder „Minute der Verzweiflung“ fremd.

Zunächst desorientiert das Flimmern der Bilder, aber sobald man sich an den Erzählrhythmus gewöhnt hat, wird man aufgefordert, sich zu entspannen und den unbeholfenen, aber dennoch fesselnden Wendungen der Handlung hinzugeben. Und manchmal gibt es im Film sogar unerwartete Wendungen mit falschen Verdächtigen (neben Raven, versteht sich). Chris Pratt in der Rolle eines um sein Leben kämpfenden Polizisten, der an einen Stuhl gefesselt ist, ist keine erfrischende, aber für dieses Format durchaus standhafte Rolle, fernab seines üblichen Bildes des tumben Helden. Sein Spiel packt nicht wirklich und enttäuscht oft durch das Fehlen des gewohnten Humors.
Den Platz auf diesem fast elektrischen Stuhl hätte auch ein anderer Schauspieler (sogar dieselbe KI) erfolgreich einnehmen können, und es hätte sich ernsthaft nichts geändert. Und wenn man das als Kritik betrachten kann, dann soll sie die Hauptkritik sein. Rebecca Ferguson hingegen passt in der Rolle der kalten KI-Richterin (kalt?) wie angegossen. Trocken, emotionslos, mit einem auffälligen, aber gleichmäßigen und kalt-makellosen Äußeren, als wäre sie tatsächlich von einem neuronalen Netz generiert worden. Sie muss fast nur mit den Augen spielen, aber jede Reaktion wird in bestimmten Momenten sofort erfasst. Und das größte Paradoxon ist, dass sie lebendiger wirkt als die meisten Figuren des Films.

„Hinrichten nicht begnadigen“ erhebt keinen Anspruch auf etwas Innovatives im Genre und wird wahrscheinlich schnell in Vergessenheit geraten, aber dennoch brodelt darin periodisch das Leben, spürt man die Begeisterung des Regisseurs. Der Film ist ereignisreich, und obwohl der Hauptheld die meiste Zeit an einen Stuhl gefesselt ist, steht der Film selbst nicht still. Er möchte unbedingt ein wenig gefallen und dreht sich emsig um die eigene Achse.
Und manchmal gelingt es ihm, eine besonders sympathische Seite zu zeigen, an die man sich leicht anlehnen kann. Und wenn man die Messlatte des Misstrauens höher legt, besticht der Film durch seine unermüdliche Energie, die Optik und eine recht einfache, aber klar erzählte Geschichte. Und sogar durch eine gewisse publizistische Wut. Bekmambetov erschreckt manchmal mit Szenen, die wie von Nachrichtenbildschirmen zu stammen scheinen, und warnt ehrlich: Der KI kann man grundsätzlich nicht vertrauen. Und schon gar nicht in Fragen von Leben und Tod.
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