
Dev Patel, walisische Wälder und ein unheimlicher Teenager in Bryn Chaineys Horror-Debüt. „Rabbit Trap“ versprach atmosphärischen Folk-Horror, verfing sich aber in seinen eigenen Ambitionen. Schöne Bilder retten kein wirres Drehbuch.
Das Debüt des britischen Regisseurs Bryn Chainey, „Rabbit Trap“, ist so ein Fall, bei dem man den Autor gleichzeitig für seine Mühe loben und ihm sanft raten möchte, noch ein paar Jahre bei Kurzfilmen zu bleiben. Der Film über ein Musikerpaar, walisische Mythologie und einen unheimlichen Teenager verspricht atmosphärischen Folk-Horror, erinnert am Ende aber eher an eine Studentenarbeit, bei der der Regisseur ehrlich versucht hat, all seine Lieblingsthemen in anderthalb Stunden zu packen, aber irgendwo in der Mitte des Drehbuchs vergessen hat, warum das Ganze überhaupt.
Daphne und Darcy Davenport (Rosy McEwen und Dev Patel) fliehen aus London in ein abgelegenes walisisches Cottage – sie komponiert Avantgarde-Musik, er nimmt mit einem tragbaren Mikrofon Feldgeräusche auf. Alles läuft nach Plan eines kreativen Rückzugs, bis Darcy in einen magischen Kreis im Wald fällt und einen mystischen Klang aufnimmt, den das menschliche Ohr angeblich noch nie gehört hat. Daraufhin taucht ein lokaler Teenager (Jade Croot) auf, der sich nach und nach einschleicht, von alten Geistern erzählt und dann beginnt, das Paar von der Realität zu trennen.
Auf dem Papier klingt das faszinierend. Auf der Leinwand – als würde man drei verschiedene Filme gleichzeitig sehen, die sich nicht einigen können, wer der Hauptfilm ist.

Chainey hat sich offensichtlich von den Klassikern des britischen Folk-Horrors inspirieren lassen – es gibt melancholische Landschaften, eine Atmosphäre heidnischen Grauens und hervorragende Soundarbeit (Toningenieur Graham Reznick verdient besonderen Applaus). Kameramann Andreas Johannessen hat die walisischen Wälder so gefilmt, dass man dorthin reisen und sich gleichzeitig nie dorthin begeben möchte. Aber das Problem: Die schöne Verpackung rettet nichts, wenn der Inhalt ein Brei ist (oder eine Brühe, um in der Sprache des Films zu bleiben).
Der Regisseur wollte offenbar über Kindheitstraumata erzählen, darüber, wie kreative Menschen den Bezug zur Realität verlieren, über die uralte Magie der Natur und darüber, was passiert, wenn man in diese Natur eindringt. Das Problem ist, dass er keines dieser Themen wirklich ausgearbeitet hat. Die walisische Mythologie wird nur am Rande erwähnt, durch Monologe des Teenagers, die sich wie eine Wikipedia-Exposition anhören (man wird ohne Vorbereitung kaum etwas über die dortigen Mythen verstehen). Darcys psychisches Trauma ist als Hintergrund vorhanden, bleibt aber ein verschwommener Fleck im Hintergrund. Und die Horror-Komponente verlässt sich mehr auf die Atmosphäre als auf echte Schreckmomente – was an sich nicht schlecht ist, aber wenn der Zuschauer in der Mitte des Films zu Recht fragt: „Was passiert hier eigentlich?“, ist das ein Problem.

Ein besonderer Schmerzpunkt ist die Besetzung. Dev Patel wirkt hier wie im Urlaub: Er wandert mit einem Mikrofon durch den Wald, schaut besorgt und sagt gelegentlich Dialoge auf, die nicht einmal ihn interessieren. Rosy McEwen bemüht sich, das Eintauchen in kreativen Wahnsinn darzustellen, aber das Drehbuch gibt ihr so wenig Material, dass ihre Figur ein blasser Schatten dessen bleibt, was sie hätte sein können.
Dafür ist Jade Croot, die Darstellerin des mysteriösen Kindes, wirklich großartig. Die junge Schauspielerin (die übrigens 27 Jahre alt ist) spielt den Teenager mit derselben unheimlichen Energie wie Barry Keoghan in „The Killing of a Sacred Deer“ (und sieht ihm auch äußerlich ähnlich). Die Figur balanciert zwischen einem Objekt des Mitgefühls und einem Boten des Schreckens, und genau diese Doppeldeutigkeit hält das Interesse aufrecht, wo das Drehbuch ins Stocken gerät. Schade nur, dass Croots Auftritt mit dem Moment zusammenfällt, in dem die Dialoge in offensichtliche Lächerlichkeit abgleiten und der Film endgültig den Fokus verliert.

„Rabbit Trap“ ist ein Film, den man für seine Absichten lieben möchte, den man aber für die Ausführung nicht lieben kann. Chainey zeigt Potenzial: Er kann Stimmung erzeugen, mit Raum arbeiten, praktische Effekte statt billiger Computergrafik einsetzen. Aber ein abendfüllender Film erfordert nicht nur visuelles Gespür, sondern auch dramaturgische Fähigkeiten, die hier katastrophal fehlen.
Am Ende kommt ein durchschnittlicher Film mit Ambitionen auf etwas Größeres heraus. Man kann ihn sich ansehen – schon wegen der Waldlandschaften und der schauspielerischen Leistung von Jade Croot. Aber nach dem Abspann bleibt nicht Bewunderung, sondern leichte Verwirrung: Was war das eigentlich? Und warum dachte der Regisseur, dass dem Zuschauer Atmosphäre und vage Andeutungen statt einer vollwertigen Geschichte reichen?
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