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„Verrücktes Date“ von Paolo Genovese ist „Alles steht Kopf“ für Erwachsene über ein erstes Date, in dem die Hauptfiguren nicht nur die Verliebten sind, sondern auch ihre inneren Stimmen. Eine geistreiche italienische Komödie darüber, wie schwer es is...

Während die russischen Kinos geduldig die nächste Ladung Neujahrskomödien und Märchen über Zauberer, Schneemänner und Wunscherfüllung ertragen, hat sich am 1. Januar leise ein Film in den Verleih geschlichen, der beweist: Auch Erwachsene brauchen Märchen, nur ohne Lametta und Weihnachtsmann. Paolo Genovese, der Regisseur der Kultkomödie „Perfect Strangers“, nimmt erneut eine kammerspielartige Situation und verwandelt sie in eine geistreiche psychologische Achterbahnfahrt. „Verrücktes Date“ ist so ein Fall, wo man ins Kino geht, um sich in jeder unbeholfenen Pause wiederzuerkennen und krampfhaft an die eigenen ersten Dates zu erinnern.

Piero (Edoardo Leo) – ein geschiedener Lehrer über vierzig – klingelt an der Tür von Lara (Pilar Fogliati), einer dreißigjährigen Möbelrestauratorin. Sie macht sich Sorgen, welche Beleuchtung sie einschalten soll, er, ob er die richtigen Blumen ausgewählt hat. Eigentlich ein klassisches erstes Date, aber Genovese macht einen Trick: Wir sehen nicht nur die Helden, sondern auch ihre inneren Welten. In Laras Kopf leben vier Frauen mit sprechenden Charakteren – die romantische Julia, die strenge Alpha, die sinnliche Tinker Bell und die freche Zicke. Bei Piero sind es vier Männer: der Professor, Romeo, das ruhige Valium und der offene Eros. Während das Paar versucht, aufeinander Eindruck zu machen, führen ihre Subpersönlichkeiten regelrechte Debatten und streiten über jedes Wort, jede Geste und jeden Blick.

„Alles steht Kopf“ für die Ü30-Generation

Ja, der Vergleich mit dem Pixar-Meisterwerk drängt sich auf. Nur dass Pixar die Emotionen eines Kindes zeigte, erforscht Genovese ein viel heikleres Terrain – erwachsene Ängste, sexuelle Erwartungen, den Ballast vergangener Beziehungen. Hier gibt es keine niedlichen bunten Erinnerungskugeln, dafür zynische innere Stimmen, die raten, „mach schnell Schluss“ oder im Gegenteil maximalen Romantizismus fordern.

Verrücktes Date Film
Standbild aus dem Film „Verrücktes Date“

Der Regisseur visualisiert nicht nur die Gedanken der Helden – er verwandelt sie in vollwertige Charaktere mit eigenen Kostümen, Manieren und Persönlichkeiten. Visuell sieht das aus wie ein paralleler Schnitt dreier Räume: Laras gemütliche Wohnung, ihre helle Innenwelt und Pieros Vintage-Studio, das nach Leder und Tabak riecht.

Der Clou ist, dass Genovese nicht in billige Psychologie oder Moralpredigten abrutscht. Er beobachtet einfach – mit Humor, Zärtlichkeit und leichter Ironie – wie zwei Menschen versuchen, durch ihre eigenen Barrieren zu etwas Echtem durchzubrechen. Das Drehbuch (übrigens in Zusammenarbeit mit drei Drehbuchautorinnen geschrieben) balanciert zwischen männlicher und weiblicher Optik, ohne einer Seite den Vorrang zu geben.

Theater in einer Wohnung

Genovese ist ein Meister der Kammerspiele, und hier beweist er erneut, dass gutes Kino keine Millionenkulissen braucht. Die Handlung spielt praktisch in Echtzeit und verlässt fast nie Laras Wohnung. Klingt statisch? Keineswegs. Der Regisseur und der Cutter (dem ein besonderer Respekt gebührt) halten das Tempo hoch, indem sie so virtuos zwischen Realität und den inneren Welten der Helden wechseln, dass man die Kammerspielatmosphäre vergisst.

Das Schauspielensemble ist ein eigenes Kapitel. Edoardo Leo und Pilar Fogliati spielen ihre Figuren mit einer solchen Natürlichkeit, dass man jeder Ungeschicklichkeit glaubt. Und die Subpersönlichkeiten – Marco Giallini, Claudia Pandolfi, Claudio Santamaria, Emanuela Fanelli – machen den Film zu einem echten Schauspielfest. Ihre Dialoge sind eine Fundgrube geistreicher Beobachtungen über die Natur von Beziehungen und klingen so lebendig, dass man sie zitieren möchte. Besonders gut ist die Szene, in der alle Stimmen im Schlüsselmoment des Dates (dem, an den Sie jetzt denken) im Chor Queen singen – wer hat sich nicht vorgestellt, wie sein innerer Chor in einem wichtigen Moment eine Musikshow veranstaltet?

Verrücktes Date ansehen
Standbild aus dem Film „Verrücktes Date“

„Verrücktes Date“ ist eine RomCom, die man sich ohne Scham ansehen und diskutieren kann. Genovese hat einen Film darüber gedreht, dass wir alle Gefangene unserer eigenen Macken sind, aber manchmal reicht es, die inneren Stimmen einfach auszuschalten und dem Moment zu vertrauen. Es gibt keine revolutionären Entdeckungen, aber Wiedererkennbarkeit, Wärme und Lachen – genau das, was in der Saison des obligatorischen Neujahrsfilmmarathons so fehlt.

Wenn Sie die heimischen „Weihnachtsbäume“ und „Tscheburaschkas“ leid sind und Ihre Seele sich nach einer leichten, aber klugen Komödie über erwachsene Menschen mit erwachsenen Problemen sehnt – hier haben Sie die ideale Alternative. Genovese erinnert uns: Ein Date ist keine Prüfung, sondern eine Chance. Und manchmal ist der beste Weg, Eindruck zu machen, einfach man selbst zu sein, selbst wenn die inneren Stimmen im Chor etwas völlig anderes schreien.