
Im Netz ist der neue Horrorfilm von Scott Derrickson, „The Black Phone 2“, erschienen. Was das neue Werk des Schöpfers des Kultfilms „Sinister“ bietet und ob ihn eine kreative Krise ereilt hat – das analysieren wir in unserer Rezension.
Nach der Handlung des Films „The Black Phone 2“ wird der erwachsene Finney (Mason Thames) zu einem schwierigen Teenager mit PTBS. Bei der geringsten Provokation schlägt er sofort zu; er spricht nicht mit seinem Vater und sieht regelmäßig im dunklen Gebüsch vor dem Haus das unheimliche Gesicht des Grabbers (Ethan Hawke) in der Maske, der im ersten Teil durch Finneys Hand starb. Nachdem der Protagonist mit solch breiten Strichen skizziert wurde, verlagert die Handlung der Fortsetzung schnell den Fokus auf seine jüngere Schwester Gwen (Madeleine McGraw), die zunehmend von eiskalten Visionen eines Berglagers geplagt wird, in dem einst schreckliche Ereignisse stattfanden. All dies hat irgendwie mit dem Tod der Mutter von Finney und Gwen zu tun, die in ihrer Jugend dort als Betreuerin arbeitete.
In einer Vision konnte Gwen sogar mit ihr telefonieren, aber nicht mit dem schwarzen Telefon aus dem Original, sondern mit einem ganz normalen, häuslichen. Nach weiteren nächtlichen Schlafwandel-Episoden in der Umgebung beschließen die Teenager, das geheimnisvolle Lager zu besuchen, zumal dort gerade eine Stelle als Betreuer frei geworden war. Bei der Ankunft stellt sich jedoch heraus, dass das Lager leer ist: Aufgrund eines Schneesturms, der die Straße blockierte, konnten die Zöglinge nicht anreisen. In der verschneiten und abgelegenen Siedlung bleiben nur wenige Personen: Finney, Gwen, ihr Freund Ernesto (Miguel Cázares Mora), ein paar diensthabende Mitarbeiter und der bärtige Direktor. Und natürlich streift der körperlose Geist von Grabber in der Nähe umher, dessen blutiger Weg, wie sich herausstellt, einst genau hier begann.

Die Fortsetzung des sehr soliden, stimmigen und überraschend logischen „The Black Phone“ von Scott Derrickson („Sinister“) ist überraschend farblos und schreiend formelhaft geworden. Während der erste „Phone“ oft mit psychologischen Mitteln arbeitete und die Atmosphäre bis zum Zähneknirschen verdichtete, dabei aber in Wendungen und Finale recht elegant blieb, stürzt sich die Fortsetzung plötzlich kopfüber in einen primitiven Slasher, in dem der aus der Hölle zurückgekehrte Grabber (Ethan Hawke nimmt hier fast nie die Maske ab, und wenn ihn jemand anderes ersetzt hätte, wäre es niemandem aufgefallen) einfach eine Gruppe von Menschen zerlegen will, ohne sich mit komplexer Motivation oder düsterer Philosophie zu belasten.
Die allgemeine Peinlichkeit wird durch Szenen verstärkt, in denen die Figuren seltsame Entscheidungen treffen: Sie rennen im Chor durch die Gegend auf der Suche nach Grabber (es fehlte nur noch, dass sie „Hallo!“ rufen) oder beschließen, den Schnee auf dem See eigenhändig zu räumen, um, wie sie sagen, die Leichen der von Grabber getöteten Opfer unter der Eisdecke zu sehen. Ein solcher freiwilliger Arbeitseinsatz hätte zwar die Sauberkeit des Lagergeländes verbessern können, aber für das Horrorgenre war er tödlich. Der letzte Tropfen in dieser Parade der Absurditäten war der finale Kampf mit Grabber, bei dem Erwachsene und Teenager gegen den körperlosen Geist wie Clown-Mimen kämpfen, die Luft greifen und ihn über sich werfen.

An manchen Stellen zeigt „The Black Phone 2“ aufblitzende Momente des Autorenbewusstseins. Sie betreffen jedoch hauptsächlich Derricksons visionären Blick. Der Schnee färbt sich hier gelegentlich malerisch rot, Grabber fährt Schlittschuh wie Subzero aus dem originalen „The Running Man“; Skalps werden effektvoll abgezogen, Knochen brechen krachend. Die physischen Mittel funktionieren zuverlässig. Doch all diese kleinen Vorzüge verblassen vor dem Hauptmangel: „The Black Phone 2“ ist nicht in der Lage zu erschrecken. Derrickson gibt buchstäblich seine eigene Hilflosigkeit zu, indem er schließlich einfach die gruseligsten Szenen aus seinem eigenen Hit „Sinister“ zitiert. Aber er verpackt sie von gefundenen 8-mm-Filmen in mystische Visionen der Schwester des Protagonisten. Sogar der Soundtrack entspricht stellenweise exakt der tief im Gedächtnis verankerten Bildspur.
Eine solche kreative Kapitulation hat auch das ursprüngliche Drama des kollektiven Erwachsenwerdens der Teenager schwer getroffen, die gezwungen sind, sich selbst zu helfen, weil die Erwachsenen sie völlig ignorieren. Der Regisseur distanziert sich einfach von diesem Problem und bevorzugt grobe Physiologie, während die fragile seelische Verfassung der Figuren in blutigem Schneematsch ertrinkt, was der Geschichte nicht nur die Entwicklung, sondern auch ein klares Ende nimmt. Infolgedessen bleibt die Handlung stehen, und Ethan Hawkes Opfer – stundenlanges Make-up und Eiskunstlaufstunden – erscheint sinnlos. Derrickson versucht hartnäckig, eine Nummer anzurufen, die längst wegen Nichtzahlung abgeschaltet ist. Und erwartungsgemäß erhält er keine Antwort.
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