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Der Streamingdienst Hulu hat die Comedyserie „Chad Powers“ veröffentlicht, und die Zuschauer scheinen sich immer noch nicht einig zu sein – ist es eine Parodie, eine Satire, ein zufällig gedrehtes Meisterwerk oder ein schrecklicher Fehler? Die Serie...

Echos von „Ted Lasso“, aber auf eigene Art

Auf den ersten Blick scheint „Chad Powers“ die Vibes des bekannten „Ted Lasso“ zu haben. Zwar ist der Hauptcharakter hier kein Trainer, aber dem Trainerstab wird viel Aufmerksamkeit geschenkt. Der Schauplatz ist Football (endlich American Football, nicht europäisch). Und die Grundidee des Projekts ist, dass man mit „sanfter“ Macht einen überheblichen Spieler umerziehen kann. Also kann man „Chad Powers“ durchaus als etwas wilden Cousin von „Ted Lasso“ betrachten, der mit American Football und einem seltsamen Humor aufgewachsen ist.

Außerdem gibt es hier eine ausreichend gutmütige Atmosphäre und aufbauende Momente, wegen derer man einst die Serie mit Jason Sudeikis liebte. Allerdings ist die Dosierung unterschiedlich. Metaphorisch gesprochen: Wo „Ted Lasso“ die Seelen der Zuschauer durch Gespräche heilte, legt „Chad Powers“ unordentliche Verbände an und klebt sie mit Klebeband fest – grob, aber auch wirksam. Unterm Strich ist „Ted Lasso“ eine kuschelige Decke mit einer Tasse Kakao und einem freundlichen Wort am Ende jeder Folge, während „Chad Powers“ eher ein dreckiges Trikot nach dem Spiel und eine mit dem Ellenbogen geöffnete Energy-Dose ist.

Chad Powers

Humor unter der Gürtellinie, aber über dem Durchschnitt

Ehrlich gesagt wirken viele Witze in „Chad Powers“ offensichtlich dumm, manchmal sogar nervig dumm. Aber auf magische Weise funktionieren sie oder stoßen uns zumindest nicht vom Zuschauen ab. Vielleicht liegt es an der schauspielerischen Chemie oder an der Aufrichtigkeit, mit der alles präsentiert wird. Die Schauspieler spielen mit vollem Ernst, ohne Augenzwinkern oder Rechtfertigungsversuche. Und dadurch gewinnt der ganze Absurdität eine eigene Wahrheit.

Ja, Sie werden das Gesicht verziehen, die Augen verdrehen und sich vielleicht ein paar Mal laut fragen: „Warum schaue ich mir das überhaupt an?“. Aber Sie werden nicht aufhören können zuzuschauen, genauso wie Sie am Ende nicht anders können, als über die Witze zu lachen, egal wie sie sind.

Glen Powell – nervt, aber man kann nicht wegschauen

Der Hauptgrund, warum man die Serie überhaupt einschalten sollte, ist Glen Powell. Einer der gefragtesten Schauspieler Hollywoods derzeit. Er hat bereits seine schauspielerische Bandbreite im Film „Hit Man“ von Richard Linklater gezeigt. Nun wechselt er erneut das Genre, aber in „Chad Powers“ scheint er absichtlich die Grenzen zwischen gutem und schlechtem Spiel zu verwischen.

Powell grimassiert, legt eine nervige Stimme auf, nervt und übertreibt offensichtlich. Sein Charakter balanciert in jeder Szene zwischen einem normalen Menschen und einem völligen Idioten – und darin liegt die Essenz. Sein Spiel stößt gleichzeitig ab und fasziniert, und irgendwann gibt man einfach auf, und die Verärgerung verwandelt sich in ein seltsames Vergnügen. „Chad Powers“ ist ein seltener Fall, in dem „zu viel“ am Ende genau genug ist, um weiterzuschauen.

Chad Powers

Männlichkeit unter dem Mikroskop

Unter all dieser Maske von Dummheit und erhöhtem Testosteron spricht die Serie tatsächlich über ernste Dinge. „Chad Powers“ wird unerwartet zu einer Satire auf toxische Männlichkeit – genau die, die seit Jahrhunderten die Welt des American Footballs und nicht nur diese dominiert.

Hier wird einer Trainerin buchstäblich das Wort verboten – nicht weil sie schlecht ist, sondern weil die Männer im Team sich von vornherein für klüger halten. Eine Sponsorin muss sich Respekt mit Geld erkaufen. Die Ironie ist, dass die Männer dabei nicht weniger (und manchmal sogar mehr) verletzlich sind: Hinter ihrem Selbstbewusstsein verbergen sich Ängste, Komplexe und innere Leere. Sie sind keine Bösewichte, sondern einfach gefangen in einer Welt, in der Stärke und Selbstbewusstsein mehr geschätzt werden als Empathie. Und je weiter die Serie fortschreitet, desto offensichtlicher wird, dass all diese derben Witze und übertriebene Humor Teil eines Gesprächs darüber sind, wie lächerlich Männlichkeit aussieht, wenn man ihre Rüstung ablegt.

Der kürzliche Horrorfilm „Them“ unter der Produktion von Jordan Peele versuchte, dieselben Themen anzusprechen, aber bei ihm siegte die Form über den Inhalt, und der Film ertrank in Stilisierung. „Chad Powers“ versucht nicht, besser zu sein, als es ist, und wirkt dadurch viel ehrlicher – wenn auch mit einem Haufen alberner Gags.

Wenn die Schablone plötzlich lebendig wird

Das Genre der Sportdramen und -komödien ist eines der abgedroschensten im Kino. Die Drehbücher scheinen oft nach Schema F geschrieben: Außenseiterteam, enthusiastischer Trainer, Schwierigkeiten, Inspiration und am Ende der Sieg. Aber „Chad Powers“ schafft es, diese Schablone ein wenig zu beleben.

So wie einst die Teenagerkomödie „She’s the Man“ versuchte, mit Geschlechterrollen im Sport zu spielen, versucht auch die neue Serie von Hulu, etwas Interessantes zum Thema Machtverteilung im Sport zu finden. Natürlich funktioniert nicht alles perfekt: An manchen Stellen bröckelt das Drehbuch, der Schnitt hüpft, und die Gags kommen nur manchmal an. Aber irgendwann erkennt man, dass auch das Teil des eigenartigen Charmes von „Chad Powers“ ist.

Chad Powers

Unterm Strich ist „Chad Powers“ eine Serie, die man eigentlich ausschalten möchte, aber es irgendwie nicht schafft. Und das Geheimnis ist einfach – denn hinter all der Schiefheit und Lächerlichkeit der Serie verbirgt sich echte Aufrichtigkeit. Genau die macht sie lebendig und so schlecht, dass sie schon wieder gut ist.