
Auf Apple TV+ ist der Katastrophenfilm „Schulbus“ erschienen, in dem Matthew McConaughey einen selbstlosen Busfahrer spielt, der eine Schulklasse aus einem Waldbrand rettet. Warum der Film über gefährliche Abenteuer eher wie eine Benefizvorstellung d...
Der Einzelfahrer Kevin McKay (Matthew McConaughey) fährt in einer kleinen kalifornischen Stadt einen Schulbus und durchlebt eine schwere Zeit. Hinter ihm liegt eine schmerzhafte Scheidung von seiner Frau, die Kevin anscheinend immer noch liebt, die Rückkehr in die Stadt, aus der er einst auf der Suche nach einem besseren Leben geflohen war; zu Hause eine kranke Mutter, deren Behandlung ein hübsches Sümmchen kostet, und ein Sohn in der Pubertät, der seine Abneigung gegen den Vater nicht verhehlt, der sich nach Kräften bemüht, etwas Geld zu verdienen und dem Kind etwas Besseres zu bieten, als Kevin selbst in seinem Alter bekam. Die Gründe für das Verhalten des Teenagers bleiben dezent im Hintergrund, aber offenbar hat Kevin sich tatsächlich irgendwo schwer etwas zuschulden kommen lassen, denn er bekommt regelmäßig Ärger von seiner Frau, die in einer anderen Stadt lebt.
In dieser trüben Stimmung tritt Kevin seine nächste Arbeitsschicht an, ohne zu ahnen, wie sehr sie sein Leben verändern wird. Der Sprecher im Radio meldet besorgt, dass in Kalifornien ein trockener Sommer herrscht, und zählt die Tage ohne Regen, während es in der Nähe der Stadt zu einem Kurzschluss an einer örtlichen Stromleitung kommt, der einen schrecklichen Brand auslöst, der Amerika im Jahr 2018 erschütterte. Das Feuer breitet sich sehr schnell aus, und schon ertönt der Aufruf zur Evakuierung. Kevin, der zu seinem plötzlich erkrankten Sohn eilt, beschließt, dem Anruf der Disponentin zu folgen, die einen Fahrer sucht, um 22 Kinder aus der Mittelschule zu retten. Zu diesem Zeitpunkt nähert sich die Flamme bereits rasant dem Gebäude.
Der Regisseur der Trilogie über den gedächtnislosen Spion Jason Bourne, Paul Greengrass, ist nach einer fünfjährigen Pause zurückgekehrt und scheint immer noch in hervorragender Form zu sein. Das fertige Drehbuch über die Feuersbrunst von 2018 und die heldenhaft kämpfenden Kalifornier drängte geradezu auf die Leinwand, und Greengrass, der eine Leidenschaft für dokumentarische Darstellung, hektischen Schnitt und wackelige Handkamera hat, hätte der ideale Regisseur dafür sein können. An manchen Stellen haben sich diese Hoffnungen erfüllt. Der Regisseur hat das Setting sozusagen aufgebaut: rauchig, heiß, die Kamera atmet mal im Nacken, läuft mal voraus, bleibt mal zwischen den Feuern stecken. Der Rauch beißt in die Augen, Asche fällt auf die Linse. Wie man so schön sagt: „Das ganze Geld ist auf der Leinwand.“ Aber dann gibt es einige Schwierigkeiten.

Der Film, der einen Ehrenplatz unter seinen Genre-Kollegen hätte einnehmen können, ist erstaunlich einseitig ausgefallen, trotz Greengrass' Versuch, der Rettungsgeschichte der Kinder durch die Tiefe der Hauptfiguren mehr Substanz zu verleihen: auch der Schauspielerin America Ferrera, die eine selbstlose und ihrem Beruf ergebene Lehrerin spielt. Greengrass schwankt zwischen Pseudo-Dokumentarismus und standardmäßigem Hollywood-Glanz und vergisst dabei regelmäßig, zu den Figuren zurückzukehren, die ihr Erscheinen auf der Leinwand irgendwie rechtfertigen und die Handlungsstränge voranbringen müssen. Dadurch schafft es der Regisseur weder hierhin noch dorthin richtig, hinterlässt ständig ein Gefühl der Unvollständigkeit.
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Открыть материалAber selbst unter diesen Umständen liefert McConaughey die Basis: Er weint bitterlich, wie nur er weinen kann, lächelt selten (aber dieses Lächeln ist unvergesslich), erzählt seine Lebensgeschichte mit unverwechselbarem texanischem Akzent, aber meistens starrt er nur angespannt in Rauch und Qualm, mit eingeschalteter Option „Angst“. Das erinnert oft an eine Benefizvorstellung des Schauspielers, der den gesamten Raum des Films monopolisiert hat. Der von ihm geschaffene Schwerpunkt der Berühmtheit lässt den Bus von einer Seite zur anderen schaukeln, ohne dass er richtig vorankommt.
Diese Last beeinflusst auch die wundersame Rettungsszene im Film, die unerwartet gezwungen wirkt. Die Schlussepisode ging genau dem voraus, als McConaughey und Ferrera beschlossen, einander zu beichten, und hier schien sich Greengrass wohler zu fühlen. Aber wie er den Bus aus dem brennenden Wald herausbringen sollte, schien er sich nicht überlegt zu haben, und im letzten Moment tat er es mit einer solchen Effizienz, als ob er zum nächsten Dreh eilen müsste.
Die Arbeitsabläufe der Feuerwehr und Rettungskräfte beschränken sich meist auf einen einzigen Schauplatz – und in einem solchen Film ist das offen gesagt unerwartet: Auf der Leinwand ist hauptsächlich die Einsatzleitung zu sehen, mit dem Chef der Feuerwehr, der kurze Befehle erteilt. Auch mit den Actionszenen in „Schulbus“ ist es nicht weit her. Sie sind an einer Hand abzuzählen, aber auch sie sind mit einer gewissen Zurückhaltung gedreht, als ob Greengrass Angst vor Selbstwiederholungen hätte. Der Bus fährt durch den brennenden Wald, aber der Zuschauer greift sich reflexartig nicht ans Herz: Die Gefahr existiert wie eine schöne, aber künstliche Kulisse im Theater und fühlt sich nicht wie eine unmittelbare Bedrohung an. Und in einem solchen Genre-Film wünscht man sich doch mehr und saftigere Abenteuer, aber Greengrass ignoriert diese Andeutungen.

Am Ende ist „Schulbus“ ein typischer Fall, bei dem alle Komponenten scheinbar vorhanden sind: die wahre Geschichte (beschrieben im Buch Paradise: One Town's Struggle to Survive an American Wildfire), namhafte Produzenten (Jamie Lee Curtis und Jason Blum), ein Regisseur mit unverwechselbarer Handschrift und ein Star der ersten Garde. Aber das Ganze ergibt sich nicht. Greengrass will sowohl ein dokumentarisches Drama als auch ein Hollywood-Epos, ein psychologisches Porträt und einen Erinnerungsfilm. Und am Ende fährt er auf keiner dieser Routen richtig, bleibt irgendwo auf halbem Weg stecken.
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