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Auf AppleTV+ ist Spike Lees neuer Film „Von oben nach unten“ erschienen, in dem Denzel Washington einen angesagten Musikproduzenten spielt, dessen Sohn entführt wird. Warum man dem neuen Film des amerikanischen Regisseurs dennoch eine Chance geben so...

Straßenganoven entführen den Sohn des New Yorker Musikproduzenten David King (Denzel Washington) und fordern nicht weniger als 17 Millionen Dollar. Der Star-Vater hetzt umher, um das Geld aufzutreiben (obwohl ein einziger Anruf bei der Bank oder der Verkauf einiger Kleinigkeiten reichen würde), doch es stellt sich heraus, dass die Entführer sich geirrt und den Falschen geschnappt haben. Das Entführungsopfer ist der Sohn von Davids Freund, der nebenbei als sein Fahrer arbeitet (Jeffrey Wright). Und da macht der Produzent plötzlich einen Rückzieher: Warum sollte ich zahlen, wenn nicht mein eigener Sprössling in Gefangenschaft ist? Zumal King einen wichtigen Deal am Laufen hat, bei dem jeder Cent zählt, und im Falle eines Scheiterns würde er alles verlieren.

Spike Lee blickt diesmal aufmerksam auf das Leben der New Yorker Bourgeoisie aus der Musikindustrie, anstatt wie gewohnt die Straßen zu erkunden. Luxuriöse Penthäuser, goldene iPhones, goldene Kopfhörer, die „goldenen Ohren“ des Protagonisten, gespielt von dem trotz seines ehrwürdigen Alters noch recht rüstigen Denzel Washington. Premium-Autos, eine samtige Stimme, die aus dem Off Hip-Hop rezitiert, und sehnsüchtige Blicke in die Zukunft, in der sich für den Protagonisten nichts ändern wird. Alles wird genauso bleiben. Kurz gesagt – teuer, reich.

„Von oben nach unten“: Charisma und goldene Manschettenknöpfe von Denzel Washington retten Spike Lees Film
Standbild aus dem Film „Von oben nach unten“

Vor dem Hintergrund dieses makellosen Glanzes wird das, was sich als moralisches Dilemma einer schwierigen Entscheidung entpuppt, bei Spike Lee tatsächlich zu einer Kriminalkomödie im Stil der Coen-Brüder oder Guy Ritchies. Dieser Vergleich spricht wohl eher für Letzteren. Dennoch kann man nicht eindeutig sagen, dass der Film völlig misslungen ist. Er hat zumindest genug Energie und Schwung, um ein Film zu sein, der einen Abend nicht verdirbt. Mehr scheint Spike Lee wohl nicht zu beanspruchen.

Die erste Geige in diesem Durcheinander von mit Blattgold verzierten Szenen spielt zweifellos Denzel Washington, der den Modus der meisterhaften Verwandlung eingeschaltet hat. Sein Gesicht ist ein eigener Blockbuster: alles klar, transparent, ohne Übersetzung lesbar. Manchmal wird einem bei seinem Blick lustig zumute, manchmal überläuft es einen kalt. Und ja, eine Episode nach der anderen liefert er so frisch ab, als ob „Training Day“ letzten Donnerstag erschienen wäre und nicht vor vierundzwanzig Jahren.

„Von oben nach unten“: Charisma und goldene Manschettenknöpfe von Denzel Washington retten Spike Lees Film
Standbild aus dem Film „Von oben nach unten“

Mängel hat der Film natürlich auch reichlich. Angefangen bei den Merkwürdigkeiten im Drehbuch, über die nicht weniger seltsame Action im Finale bis hin zu schmerzhaft pathetischen Dialogen, die wie aus einem Schulaufsatz wirken. Spike Lee macht nicht viel Federlesens mit der zentralen Handlung, klammert ethische Dilemmata schnell aus, und die Szene der schweren Gedanken des Protagonisten vor einer schwierigen Entscheidung in seinem luxuriösen Büro dauert gerade einmal 5–6 Minuten. Danach lässt der Regisseur die Sau raus: Die Polizei wird zu nutzlosen Statisten, und King findet dank seines einzigartigen Gehörs selbst den Verbrecher, und es beginnt eine unglaubwürdige Verfolgungsjagd, die in einem Kampf auf dem Dach eines rasenden Zuges gipfelt.

So etwas in der Realität vorzustellen ist natürlich schwierig, aber Spike Lee verlässt sich ganz auf seinen Hauptstar, und dieser rechtfertigt das Vertrauen voll und ganz, indem er zum Dreh- und Angelpunkt der sich allmählich aufbauenden Filmkonstruktion wird. Nach Spike Lees Logik ist dies der Fall, wenn der Held und seine diamantenen Manschettenknöpfe eine Geschichte erzählen können, die besser ist als jedes Drehbuch. Mit diesen bewusst eingefügten, fast künstlichen „Unvollkommenheiten“ scheint der Regisseur dem Zuschauer etwas Wichtiges vermitteln zu wollen.

„Von oben nach unten“: Charisma und goldene Manschettenknöpfe von Denzel Washington retten Spike Lees Film
Standbild aus dem Film „Von oben nach unten“

Vielleicht lud er uns ein, uns vom Glanz der Hollywood-Fließbandproduktion abzulenken und seine künstlerische Größe zu würdigen, die vertraute Filmsprache zu verzerren, sich über das bunte Blendwerk der Genres lustig zu machen. Über den Schnitt zu spotten. Auf die Absurdität und Künstlichkeit des Geschehens auf der Leinwand hinzuweisen. Als wolle er sagen: Sucht hier nichts, lasst einfach das Bild und die Emotionen durch euch hindurchgehen, ohne sie mit Ironie oder Vorurteilen zu filtern.

Solche kreativen Gesten sagen viel über den Autor selbst und seine Absicht aus. Und die Schlussfolgerung hier ist einfach: Spike Lee bleibt sich weitgehend treu und erinnert daran, dass wahre Filmkunst, selbst in ihrer bewussten „Unvollkommenheit“, dennoch unbezahlbar ist. „Von oben nach unten“ erhebt nicht den Anspruch, ein Meisterwerk zu sein, aber es spiegelt ehrlich seine Zeit wider: mit ihrem Glanz, ihren Rissen, sozialen Abgründen und ewigen Fragen nach dem Preis der Menschlichkeit, wenn scheinbar alles käuflich ist.