
Im breiten Kinostart ein kleines Meisterwerk des Autors von „Hell or High Water“ David Mackenzie – „Der Dispatcher“. Warum der Film diesen Titel verdient, erfahren Sie in unserer Rezension.
Ein zufälliger Fund der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Sarah Grant (Lily James) – geheime Dokumente, die die Schädlichkeit der Produkte ihres eigenen Konzerns beweisen – verwandelt ihr Leben sofort in einen Albtraum. Von Söldnern verfolgt, heuert sie einen anonymen Fixer (Riz Ahmed) an, der ihre Probleme lösen soll. Bald scheint die Sache gut zu laufen, doch dann erkennt der Dispatcher, dass ihn nicht nur das Honorar anzieht, sondern auch die Klientin selbst – einsam, verängstigt und unglaublich stark im Geiste.
Regisseur David Mackenzie kehrte nach fast fünfjähriger Pause auf die große Leinwand zurück, zur Freude der Fans stiller Meisterwerke oder verborgener Perlen des breiten Kinos. Einst spuckten Mackenzie und Taylor Sheridan sozusagen „in die Ewigkeit“, als sie den harten, naturalistischen und absoluten Hit-Neo-Western „Hell or High Water“ drehten. Danach hätte Mackenzie gar nichts mehr drehen und sich ruhig auf seinen Lorbeeren ausruhen können.

Aber nach der Pause wird klar, dass der Regisseur gewissenhaft und nicht schnell arbeitet, sich nicht Hals über Kopf in Abenteuer stürzt, sondern die Stoffauswahl sorgfältig angeht. Ein Beweis dafür ist sein neuer Film „Der Dispatcher“, der fast sofort mit seinem Ambiente eines qualitativ hochwertigen, soliden und bis ins Detail durchdachten Kinos bezaubert. Keineswegs altmodisch, sondern sozusagen nach den Kanons der Genrestandards gemacht. In dieser Hinsicht legt „Der Dispatcher“ den kürzlichen Film mit Rami Malek locker auf die Schultern, der bei ähnlichen Ausgangsdaten unerwartet in die Pop-Psychologie abrutschte und zu einer Geschichte über die Therapie persönlicher Verlusterfahrungen wurde. „Der Dispatcher“ hingegen priorisiert ausschließlich die Spionage in ihrer laborartigen Form und den Kampf der Geister, spielt ständig mit der Spannung bis zum Abspann, trotz Einsprengseln einer romantischen Linie. Aber selbst diese arbeitet Mackenzie sorgfältig und ohne übermäßige Sentimentalität aus, erinnert an die stummen, aber so gefühlvollen Blicke der Helden aus „Drei Pappeln an der Pljuschtschicha“. Blicke. Pausen. Atem. Riz Ahmed hat hier überhaupt nur minimale Dialoge; sein Held gehört zu denen, die wenig reden und mehr tun. Ein kalter Stratege, ein Profi. Ja, nicht alles in seinem Leben verlief makellos, nicht umsonst besucht er die Treffen der Anonymen Alkoholiker, aber er hat Stärke und Berechnung. Und die flüchtige Verliebtheit in die Klientin und das damit verbundene Risiko – das ist nur Arbeit. Wie im 12-Schritte-Programm, um solche Fehler in Zukunft zu vermeiden.
Auf Online-Plattformen feierte der Film „Der Neue“ Premiere, in dem Rami Maleks Held vorgibt, ein Spion zu sein, der CIA nicht traut und selbst Rache für seine getötete Frau nimmt.
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Alle schauspielerischen Leistungen im Film sind äußerst organisch. Riz Ahmed scheint alles allein mit den Augen spielen zu können, und die seltenen Dialogzeilen verstärken dieses Bild nur. Das Trio der Antagonisten wird angeführt von dem abgeschriebenen (wir reden nicht über „Avatar“), aber dennoch großartigen Sam Worthington. Er fühlt sich in der Rolle des Bluthundes, der der Spur folgt, wohl; die Verkörperung zielstrebiger Gefahr. Lily James – eine schutzbedürftige einsame Frau, deren Leben plötzlich eine rasche Wende um 180 Grad nahm. Echte Chemie entsteht genau zwischen dem Duo Ahmed-James. Ihre Figuren spielen ein feines Katz-und-Maus-Spiel, bei dem jeder Blick, jedes Schweigen mit emotionaler Kraft erfüllt ist.
Mackenzie schützt die Aufmerksamkeit des Zuschauers, indem er sich strikt an den längst bewährten Algorithmus des Spionagethrillers hält. Allerdings weigert er sich entschieden, Szenen an verschiedenen Orten zu mischen (dafür dient meist Osteuropa), sondern konzentriert sich kompakt auf die urbanen Landschaften New Yorks und erfüllt dabei quasi auch eine touristische Funktion. Hier der berühmte Times Square, dort der Grand Central Terminal, und noch vieles mehr, das an einen glänzenden Reiseführer erinnert. Vor einem so üppigen Hintergrund wird das menschliche Drama deutlicher sichtbar, und die feine geistige Arbeit ist fast unsichtbar, was einem solchen Film nur zugutekommt.

Doch Mackenzie fehlte die Kraft, die Distanz bis zum Ende durchzuhalten. Vom Finale des Films mit einem unerwarteten Twist à la „Was für eine Wendung!“ kriechen die Augenbrauen nach oben, aber hier zeigt der Regisseur sein Gespür und bricht die Erzählung abrupt ab, ohne dem Zuschauer die Möglichkeit zu geben, das Geschehene in aller Ruhe zu analysieren. Vielleicht ist eine erneute Sichtung nötig. Nicht so sehr, um nach Logik zu suchen, sondern um diese Geschichte neu und bedachter zu erleben. Aber auch das wird den Eindruck nicht verderben. Denn alles ist meisterhaft gemacht, mit großem Können und Liebe zum Beruf.
„Der Dispatcher“ ist eine laute Ansage, dass das Genre immer noch für die große Leinwand taugt. Es hat ein Herz, das ein Regisseur zum Schlagen bringt, der keine Angst hat, erneut in die Ewigkeit zu spucken. Und wieder genau zu treffen.
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