
Der Film „Eden“ – Überleben auf Galapagos durch die Augen von Ron Howard, mit Jude Law und Ana de Armas. Statt Utopie eine Bewährungsprobe, dazu Leidenschaften, Intrigen und echte menschliche Schwächen vor der Kulisse wilder Natur.
Haben Sie jemals aus der Zivilisation fliehen wollen, um wieder zu sich zu kommen? Den Laptop wegwerfen, soziale Netzwerke löschen, dorthin fahren, wo es keine Follower und Likes gibt? Die Helden des Films „Eden“ sind noch weiter gegangen: die Galapagos-Inseln, völliger Bruch mit der Welt, Hoffnung auf ein eigenes Paradies. Aber wie Regisseur Ron Howard zeigt: Wenn man vor den einen Dämonen flieht, riskiert man, anderen zu begegnen – den eigenen.
1939. Ein deutsches Paar (Jude Law und Vanessa Kirby) verlässt Europa und lässt sich auf einer wilden Insel nieder. Bald stoßen andere Enthusiasten dazu, die aus Zeitungen von ihnen erfahren haben – ein starkes Paar (Daniel Brühl und Sydney Sweeney) mit Kind und eine luxuriöse, skandalöse Baroness (Ana de Armas in ihrer ungewöhnlichsten Rolle), die die ruhige Kommune in einen wahren Nährboden für Leidenschaften und Intrigen verwandelt. Das Paradies wird schnell zur Arena psychologischer (und nicht nur) Kämpfe, bei denen es ums nackte Überleben geht.

Die Stärken von „Eden“ sind sofort offensichtlich: visuelle Pracht (die lokalen Farben sind mit solcher Liebe gemalt, dass man ein Ticket zum ersten Flug nach Galapagos kaufen möchte), der Soundtrack von Hans Zimmer, der bedrohlich andeutet – Unheil ist im Anzug.
Atmosphärisch erinnert vieles an „Herr der Fliegen“, aber aufgeführt von Erwachsenen mit beneidenswerter Selbstironie. Howard bietet eine Mischung aus Survival, paranoidem Thriller und etwas leicht Arthousigem, wo die Beziehungen zwischen den Menschen weit mehr zählen als das Wetter oder die Wasservorräte. Jude Law als zahnloser Neurotiker wirkt abstoßend, Ana de Armas ist ein reiner Sturm der Emotionen (so richtig widerlich haben Sie sie noch nie gesehen), Sydney Sweeney ist hier eine Insel der Vernunft (zumindest anfangs).

Eigentlich ist alles gut und an seinem Platz. Aber wo der Film hakt, ist das Drehbuch. Zunächst steigt die Spannung, aber schon gegen Ende der ersten Stunde setzt Langeweile ein. Die Figuren verlieren plötzlich Motivation und Logik in ihren Handlungen: Ihnen zuzusehen ist stellenweise amüsant, mitzufühlen unmöglich. Manchmal möchte man in den Bildschirm schreien: „Leute, weniger leeres Gerede, mehr Action!“
Es gibt reichlich Sex – eine absolut herausragende Episode mit dem Satz von Vanessa Kirbys Figur mit Pokerface: „Shall we fuck?“ Außerdem gibt es reichlich Blut und sogar Szenen mit Schweinen und Geburten bei wilden Hunden – nein, Sie haben richtig gehört. Howard geht all-in, aber nicht immer hält er Stil und schlichte Angemessenheit durch.

Beim Anschauen stellt sich die Frage: Warum wird bei einem so großen Regisseur ein energischer Start durch ein lahmes Finale abgelöst, und angespannte Dialoge durch cringige Szenen? Die Frage bleibt offen – vielleicht liegt es am Versuch, Unvereinbares zu vereinen: mal einen Thriller, mal eine Satire, mal eine philosophische Parabel, mal eine Geschichte übers Überleben in der Wildnis zu zeigen.
Der Eindruck von „Eden“ ist zwiespältig – es ist kein Film für einen Abend. Er enthält interessante Überlegungen, zum Beispiel darüber, ob es möglich ist, den Kommunismus unter Umgehung anderer Entwicklungsstufen der Gesellschaft aufzubauen. Manchmal begibt er sich geschickt auf das Terrain der Reflexion, wie sehr niedere Instinkte stärker sind als philosophische Theorien. Die Intensität der Leidenschaften, hervorragende schauspielerische Leistungen und wunderschöne Landschaften – all das ist vorhanden. Aber man ertappt sich bei dem Gedanken: Ja, die Insel ist schön, ja, die Handlung ist bis zu einem gewissen Grad fesselnd, aber irgendwann möchte man, dass der Film schneller zu Ende geht.
Trotz des Filmtitels wird der Glaube an die Menschheit und die Möglichkeit, eine ideale Welt zu schaffen, nach dem Anschauen nicht größer. Vielleicht ist das Howards höchste (und zynische) Absicht. Wenn ja, dann ist der Film voll und ganz gelungen.
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