
Am 10. Juli startete auf den großen Leinwänden einer der bekanntesten Animes von Mamoru Hosoda, „Das Mädchen, das die Zeit bezwang“. Eine naive Geschichte über die Kindheit, erste Probleme und schnelles Erwachsenwerden. Darüber, wie man lernt, mit de...
Makoto ist ein normales Mädchen, das gerne mit Freunden abhängt, Ball spielt, Angst vor Tests hat und die Hitze nicht mag. Aber ihr Alltag ändert sich, als die Heldin ein seltsames Artefakt findet, dessen Kraft sie nicht ahnt, bis sie von einem Zug überfahren wird. Das Unglaubliche geschieht – ein Zeitsprung. Die Minuten fliegen rückwärts, und Makoto bleibt am Leben. Jetzt weiß sie, dass das geheimnisvolle Ding kein nutzloser Tand ist, sondern ein Ticket, um alle Fehler zu korrigieren.

„Das Mädchen, das die Zeit bezwang“ entstand nach der Novelle von Yasutaka Tsutsui, die von 1965 bis 1966 veröffentlicht wurde. Übrigens war er der Autor des Romans, nach dem der Kult-Anime (2006) gedreht wurde. Die Geschichte erfuhr mehrere Verfilmungen. 1972 erschienen zwei Fernsehserien: „Der Zeitreisende“ und „Zok – der Zeitreisende“.
Warum an Halloween statt der ausgelutschten Horrorfilme nicht mal anstößige Anime-Horrorfilme schauen?
Open materialEtwas mehr als zehn Jahre später erschien der abendfüllende Film „Das kleine Mädchen, das die Zeit bezwang“ (oder „Das Zeitmädchen“, „Das Mädchen, das die Zeit verkürzte“ – es gab viele inoffizielle Titel). Der Film wurde in Japan ein Hit und war 1983 der zweiterfolgreichste Film des Landes (der erste war „Antarctic Story“). Als Reaktion auf die Verfilmung schrieb Yasutaka Tsutsui eine Parodie auf seinen eigenen Roman – „Drehbuch: Das Mädchen, das auf die Zeit schaut“. Danach folgten weitere Filmadaptionen, bis 2006 der gleichnamige Anime-Film herauskam.
„Das Mädchen, das die Zeit bezwang“ bleibt diese leichte Geschichte mit einem Hauch von Traurigkeit, zu der man lange zurückkehren kann. Trotz des ernsten Themas – Zeitreise und „Schmetterlingseffekt“ – überfordert der Anime den Zuschauer nicht. Es gibt keine Weltkatastrophen, ewigen philosophischen Fragen über die Natur von Gut und Böse oder Währung in Form von Minuten. Im Gegenteil, es entsteht eine schwebende Geschichte über kindliche Unbeschwertheit und unschuldige Spiele mit der Zeit.
Der ganze Pfiff des Animes liegt in seiner Bodenständigkeit. Der Autor lässt keine universellen Katastrophen auf das Teenager-Mädchen hereinbrechen, sondern gibt ihr die Möglichkeit, eine gute Note in der Klassenarbeit zu bekommen, sich vor einer Liebeserklärung zu drücken und ein bisschen zu helden. Wir sind es gewohnt, dass es bei Zeitreisen oft Opfer gibt, moralische wie physische, hohe Einsätze und kein Recht auf Fehler. Die Science-Fiction wird zum Hintergrund für eine Geschichte über das Erwachsenwerden, das ganz unerwartet kommt.

„Das Mädchen, das die Zeit bezwang“ versucht die Frage zu beantworten: „Wird es besser, wenn man die Zeit zurückdreht und die Fehler der Vergangenheit korrigiert?“. Makoto beginnt mit kleinen Änderungen, aber allmählich versteht sie, dass sie mit ihren Sprüngen nicht nur ihr Leben nicht erleichtert, sondern sich immer mehr verheddert und das Leben anderer, die nichts mit ihren Spielchen zu tun haben, verändern kann.
Und gleichzeitig sehen wir, wie das kleine Mädchen lernt, Verantwortung für ihre Taten zu übernehmen und all das zu entwirren, was sie angerichtet hat. Hier taucht das Thema des Erwachsenwerdens auf – die Erkenntnis, dass selbst eine unglaubliche Kraft einen nicht von den Konsequenzen befreit. Außerdem ist die Zeit in „Das Mädchen, das die Zeit bezwang“ weder Freund noch Feind, sie läuft ihren eigenen Gang und interessiert sich nicht für die guten Absichten der Menschen oder ihre Probleme. Makoto muss dies erkennen und nach den Regeln spielen, die nicht sie bestimmt.
Die Tragik der Geschichte liegt darin, dass nicht alles den Wünschen unterworfen sein kann. Makoto hat treue Freunde, mit denen sie viel Zeit verbringt. Und einer von ihnen ist der rothaarige, schweigsame Junge Chiaki. Gegen Ende erfahren wir, wer er wirklich ist und welchen Schmerz er in seiner Seele trägt. Die Verbundenheit der Helden wird durch schüchterne Blicke und verlegene Pausen gezeigt, ganz wie im echten Leben.
Es gibt hier keine ausgefallene Romantik, im Gegenteil, alltägliche Schönheit, die vor dem Hintergrund der gesamten Geschichte äußerst passend wirkt. Aber genau das schicksalhafte Urteil, das die Unmöglichkeit des Zusammenseins verkündet, wird zum äußersten Punkt der Erkenntnis, dass man nicht alles in den Händen halten kann, selbst wenn einem die Zeit untertan ist. Trotz des Schlussakkords, der das Herz bricht, bleibt den Figuren der Glaube – ein wichtiges Versprechen, das zwar spät gegeben wurde, aber Hoffnung keimen ließ.

„Das Mädchen, das die Zeit bezwang“ ist eine Geschichte über das Erwachsenwerden, Albernheiten und das Recht auf Fehler. Nicht immer steht hinter einem die Rettung der Welt, wie auch hinter Makoto. Manchmal kann man sich einfach dem Zufall hingeben, aber es ist wichtig, sich an die Konsequenzen zu erinnern, die einen einholen, wenn man zu weit geht.
Kommentare
0Noch keine Kommentare.
Melde dich an, um mitzudiskutieren.