
In den breiten Kinostart ist der Film „Wie werde ich Millionär“ von Samir Oliveros gekommen. Darüber, wie Michael Larson, gespielt von Paul Walter Hauser, seinen Moment des Ruhms bekam und sogar fast ungeschoren davonkam – in unserer Rezension.
Der gewöhnliche Typ Michael Larson (Paul Walter Hauser) schummelt sich durch das Casting zur Show „Versuch dein Glück“. Als der Betrug auffliegt, sehen die Produzenten in ihm den idealen Kandidaten: einen einfachen Fan mit Feuer in den Augen. Und lassen ihn als Kandidaten der Show antreten. Doch Michael zeigt ein phänomenales Glück und nähert sich dem Rekordgewinn. Die Fernsehleute geraten in Panik. Sie hatten nie damit gerechnet, dass tatsächlich jemand den Jackpot knacken könnte, und verdächtigen Michael des Betrugs.
Nach zehn Jahren kreativen Schweigens kehrt der kolumbianische Regisseur Samir Oliveros mit einem Film zurück, den man als filmische Ode an das Fernsehen der 1980er Jahre bezeichnen kann. Aber nicht jene bissige Ode, wie sie hätte sein können, sondern eine überraschend warmherzige und nostalgische. Fast bekenntnishaft. „Wie werde ich Millionär“ fügt sich nahtlos in die Reihe von Filmen mit ähnlicher Thematik ein, die in letzter Zeit immer häufiger auf den Bildschirmen erscheinen. Man könnte sie sogar zu einem eigenen Genre erklären. „Röhrenrealismus“ zum Beispiel. Oder „Fernseh-Noir“. So etwas in der Art.
Oliveros‘ Film erscheint im Anschluss an den mystischen „Mitternacht mit dem Teufel“, der untersucht, wie das Böse durch den Fernseher leicht in jedes Haus eindringen kann, den paranoiden „Date mit einem Monster“ oder das laute und geschwätzige „Saturday Night Show“. Doch der Regisseur schlägt eine andere Richtung ein: Sein Fernsehen verschlingt nicht seine Schöpfer, verwandelt Menschen nicht in Monster, sondern ... zeigt plötzlich Menschlichkeit.

Auf dem Papier wirkt Oliveros‘ Projekt recht ambitioniert, wenn man bedenkt, dass die Hauptrolle mit dem Serienstar Paul Walter Hauser besetzt ist, der sich jedem Regisseur anzupassen vermag, dabei aber auch Platz für seinen eigenen entwaffnenden Charme lässt. In den Nebenrollen sind David Strathairn („Good Night, and Good Luck“) und der Publikumsliebling Walton Goggins zu sehen (der hier leider viel zu wenig Leinwandzeit hat).
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Open materialHauser in „Wie werde ich Millionär“ ist die Quintessenz des „kleinen Mannes“, der sich für seine Familie auf ein Abenteuer einlässt. Er ist nicht unbedingt ein Meister der Verwandlung. Seine Figuren unterscheiden sich in verschiedenen Projekten nicht immer grundlegend voneinander. Aber hier trifft er genau den richtigen Ton. Zugleich berührend und bewundernswert. Michael Larson ist kein genialer Betrüger im Stil von DiCaprios Figur aus „Catch Me If You Can“ oder eine lebenserfahrene Figur wie Dev Patels in „Slumdog Millionär“, sondern eher ein hartnäckiger Träumer, dessen naive Unmittelbarkeit letztlich das zynische System besiegt.
Die Intrige des Films wird recht schnell aufgedeckt: Michaels Tricks sind für die Showleitung nicht schwer zu durchschauen, und der Zuschauer muss im weiteren Verlauf raten: Wird der Protagonist es schaffen, mit dem Geld aus dem Studio zu gehen, oder zumindest ungeschoren davonzukommen? In der Mitte schaltet sich eine einfache Detektivgeschichte ein, um die allgemeine Spannung aufrechtzuerhalten, und gegen Ende wird ein kaum spürbares Drama inszeniert.
Der Film macht keine scharfen Wendungen und versucht, die begonnene Logik ehrlich zu Ende zu führen. Die Kamera verweilt mit sichtlichem Vergnügen auf Michaels glücklichem Lächeln, das er offenbar nicht ohne Genuss zeigt, da er zu Recht als der Hauptstar dieser Show im wahrsten Sinne des Wortes gilt. Aber das Fehlen von Tricks oder Kniffen an sich dämpft die Erwartungen ein wenig. Und das ist kein subtiles künstlerisches Mittel, sondern ein ärgerlicher Fehler. Oliveros scheint so sehr in die Stilisierung der Epoche vertieft gewesen zu sein, dass er vergaß, dem Zuschauer das Wichtigste zu geben: einen Grund mitzufiebern.

Ansonsten hat das Filmteam von „Wie werde ich Millionär“ ganze Arbeit geleistet. Die heute seltenen 90 Minuten Leinwandzeit ohne überflüssige Szenen, mit sorgfältig nachgebildeter Ästhetik der 80er: vom körnigen Film bis zu den geschmacklosen Kulissen und den dirigierten Applaus aus dem Off. Und seltsamerweise verbirgt sich hinter dieser Fassade eine erstaunlich gute Geschichte. Oliveros entschied, dass es in seinem Film keine Verlierer geben würde. Zumindest im Moment.
Michael, der seinen Moment des Ruhms bekommen hat, wird dort bleiben, wo er war (obwohl seine wahre Geschichte viel trauriger ist), die Fernsehleute werden die Einschaltquoten steigern und ihre Niederlage in einen Vorteil verwandeln. Aber natürlich werden sie die Regeln ändern. Alle sind zufrieden. Sogar das mysteriöse Maskottchen der Show in Form eines Drachens, das gelegentlich im Bild erscheint, wird nicht zum Vorboten des Albtraums (wie man erwarten könnte), sondern bleibt einfach ein ungewöhnliches, fast psychedelisches Element dieser Fernsehwelt.
Das Finale des Films ist sein größtes Paradoxon. Im wirklichen Leben zermalmt das Fernsehen Menschen wie Michael gnadenlos. Aber hier geschieht ein Wunder: Das System erkennt nicht nur seine Niederlage an, sondern lässt ihn auch gewinnen. Dies ist einer der seltenen Fälle, in denen das Kino keine kritische Satire schafft, sondern eine fast utopische Vision, in der der kleine Mann eine Chance hat. Vielleicht liegt darin Oliveros‘ Hauptnostalgie für jene Zeiten, als in der Fernsehmaschine noch Platz für Menschlichkeit war. Oder vielleicht ist es ein Traum davon, wie das Fernsehen hätte sein können. Wie dem auch sei, wir haben ein seltenes Beispiel von Kino vor uns, das nicht entlarvt, sondern fast zärtlich erinnert. Mit all seinen Mängeln, aber auch mit einer Wärme, die heute fast fantastisch erscheint.
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