
Im Katalog von „Amediateka“ ist die neue irische Serie „Art Detectives“ erschienen, in der Stephen Moyer Kunstverbrechen aufklärt. Wir berichten über erste Eindrücke von diesem farbenfrohen und maßvoll altmodischen Projekt.
Heutzutage müssen Krimihelden im Film immer öfter schrullige Persönlichkeiten sein, und ihre inneren Dämonen brauchen einen eigenen Drehbuchautor. Umso interessanter ist es, dass „Art Detectives“ wie aus einer alten Truhe mit der Aufschrift „Made in Britain“ auftauchen. Hier gibt es weder düstere Gassen, noch schichtweisen Noir, noch löchrige Socken wie bei Jackson Lamb – nur Museumsstille, das Rascheln von Archivpapier und den feinen Duft von gutem englischen Tee (oder irischen, wenn man so will, da die Serie irisch ist).
Im Zentrum der Geschichte steht Detective Inspector Mick Palmer (Stephen Moyer aus „True Blood“), ein Mann, der den Unterschied zwischen einem Vermeer und einer guten Fälschung kennt und Verhöre führen kann, ohne dem Gegenüber die Seele aus dem Leib zu prügeln. Seine Partnerin ist Constable Shazia Malik (Nina Singh), pragmatisch, zurückhaltend und offensichtlich kein Fan von Museumsführungen (bis sie Palmer kennenlernt). Zusammen bilden sie die Abteilung für Ermittlungen von Straftaten im Bereich des kulturellen Erbes (ja, so etwas gibt es). Ihr Alltag besteht aus der Suche nach Mördern aufgrund berühmter Gemälde, der Jagd nach gefälschten Artefakten und anderen Fällen, die mit Kunst zu tun haben.

Das Wichtigste, was an „Art Detectives“ fesselt, ist ihre demonstrative Altmodischkeit. Die Serie versucht nicht, modern zu sein: Es gibt weder beeindruckende Kamerafahrten noch einen Soundtrack, der einen dazu bringt, die Playlist zu googeln. Alles ist im besten Stil britischer Sonntagabende gehalten: gemächliches Tempo, intime Dialoge, gemütliche Innenräume, in denen selbst die Verdächtigen aussehen, als kämen sie gerade aus einer Ralph-Lauren-Werbung. Die Kostüme sind eine eigene Kunstform: Samtjacken, Tweedwesten, Schals und Krawatten, die Palmer mit einer Gelassenheit trägt, als würde er nicht zu einem Verhör, sondern zu einer Vorlesung in Oxford gehen.
Die Handlungsstränge erfreuen durch das Fehlen von Übertreibungen: Es gibt weder blutige Enthüllungen noch billige Sensationen. Jeder Fall ist ein intellektuelles Spiel, bei dem das Verbrechen immer mit der Geschichte verbunden ist und die Lösung weniger Deduktion als vielmehr Liebe zum Detail erfordert (z. B. in der ersten Folge eine übermalte Schiffsnase und eine textliche Beschreibung des Gemäldes). In diesem Sinne erinnert die Serie an die guten alten „Fälle der Woche“, bei denen jede Episode eine abgeschlossene Kurzgeschichte ist und kein langwieriges Drama über acht Stunden.

Besonders erfreulich ist das Duo der Hauptfiguren. Palmer ist kein schon etwas lästiger soziopathischer Einzelgänger, sondern ein charmanter Nerd, der sich aufrichtig über jedes neue Exponat freut. Seine Begeisterung ist ansteckend: Wenn Sie jemals mit Freunden über Kunst diskutiert haben, werden Sie diesen Mann sofort verstehen. Malik ist sein idealer Gegenpol: Sie verliert nicht den Kopf über Antiquitäten, kann aber das Wesentliche erkennen und scheut sich nicht, direkte Fragen zu stellen, für die sich Palmer später entschuldigt. Ihre Beziehung basiert nicht auf banaler „Chemie“, sondern auf Respekt und leichter Ironie, was ihr Team lebendig, überzeugend und recht originell macht.
Für diejenigen, die Serien mit wilden Verfolgungsjagden und tiefgründigen psychologischen Untertönen gewohnt sind, mögen „Art Detectives“ zu ruhig erscheinen. Es gibt weder Szenen, nach denen man sofort seinen Therapeuten anrufen möchte, noch unerwartete Wendungen, die alles auf den Kopf stellen. Die Serie warnt ehrlich: „Bei uns ist es gemütlich, aber ohne Adrenalin.“ Manchmal wünscht man sich etwas mehr Tiefe in den Charakteren der Nebenfiguren, und einige Handlungsstränge lassen sich vorhersagen (wenn man z. B. „Columbo“ oder „Miss Marple“ gesehen hat). Aber vielleicht liegt genau darin ihr Charme: „Art Detectives“ versucht nicht zu überraschen, sie macht einfach ihre Arbeit – und macht sie gut.

Wenn Sie von Serien müde sind, in denen jede Folge ein Aortenriss ist, wird „Art Detectives“ für Sie ein Hauch frischer Luft sein. Es ist eine Serie für diejenigen, die gemächliche Spaziergänge durch Museen lieben, Ironie schätzen und keine Angst davor haben, als „Nerd“ zu gelten. Sie anzuschauen ist wie guten englischen Tee zu trinken: nicht zur Belebung, sondern zum Genuss. Wir empfehlen sie allen, die das gute alte Großbritannien vermissen, wo Verbrechen mit Intelligenz und Stilbewusstsein aufgeklärt werden.
Trailer:
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