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In den digitalen Verleih ist der Actionfilm „The Accountant 2“ über den Buchhalter mit der Schrotflinte gekommen, der von Steuerzahlern und Gangstern gleichermaßen gefürchtet wird. Ob der Buchhalter-Killer in der Fortsetzung des Actionfilms von 2016...

Der strenge Buchhalter mit autistischer Störung Christian Wolff (Ben Affleck) kehrt zur Arbeit zurück: Jetzt zählt er mehr, schießt weniger und lernt Dating-Apps kennen. Doch nach dem Tod seines Assistenten Ray King (J.K. Simmons) muss Wolff seine Regel brechen, allein zu arbeiten. Er verbündet sich mit seinem Bruder Braxton (Jon Bernthal) und verfolgt die Spur der Mörder.

In einer Ära endloser Remakes, Prequels und lang erwarteter (oder auch nicht) Fortsetzungen konnte das Erscheinen des Films „The Accountant 2“ wohl niemanden überraschen. Höchstens daran erinnern, dass es den ersten Teil gibt, der vor – man mag es kaum sagen – ganzen 9 Jahren erschien. In dieser Zeit hat die Filmwelt Dutzende Actionfilme hervorgebracht, deren Nachhall noch heute in Form von „The Master“, „The Beekeeper“ und anderen Vertretern der B-Kategorie zu spüren ist. Und auch Ben Affleck selbst hat in diesen Jahren viel durchgemacht: Batman mit Bart, der nicht in die Maske passt, eine Romanze mit Ana de Armas, Ehe und Scheidung mit J.Lo, endlose Memes. So war die Fortsetzung von „The Accountant“ eine Art Überraschung, etwas, das am wenigsten erwartet wurde. Aber sie ist passiert. Zur Freude (oder auch nicht) der Fans des Künstlers.

„The Accountant 2“: Bruder, bist du mein Bruder oder nicht?
Szene aus dem Film „The Accountant 2“

Die Zeiten haben sich geändert, jetzt herrscht das Zeitalter des Streamings, und „The Accountant 2“ war von Anfang an dazu verdammt, direkt in die dunkle Kiste des digitalen Katalogs zu wandern, unter Umgehung der großen Leinwand. Wozu die Fortsetzung des Films nötig war, ist eine rhetorische Frage. Das Ende des ersten Teils gab keine Rätsel auf und erforderte keine weitere Entwicklung. Und auch die Figur von Affleck, der Buchhalter-Killer, blieb trotz der unkonventionellen Handlung (ein Buchhalter mit Gewehr im Anschlag) und der ausgefeilten Action nicht lange im Gedächtnis. Und es ist unwahrscheinlich, dass ihn jemand sehr vermisst hat. Der neue Film hätte die Situation vielleicht verbessern können, aber er wirkt leider allzu gesichtslos, als wäre er „nur der Form halber“ gedreht worden. Das zeigt schon das Plakat, das wie auf dem Knie gemacht wirkt: Afflecks Kopf ist an einen fremden Körper gefotoshoppt, und die Schrift sieht aus, als wäre sie hastig in Paint gekritzelt. Und da die Sache schon ziemlich lange her ist, wird man wohl nicht umhin kommen, das Original anzusehen. Sonst verliert man sich im Geflecht der familiären Bande der beiden Brüder.

„The Accountant 2“: Bruder, bist du mein Bruder oder nicht?
Plakat zum Film „The Accountant 2“

Aber, um vorzugreifen, in der Fortsetzung hat sich am Verhalten der Figuren wenig geändert. Affleck setzt mit der gleichen terminatorhaften Gelassenheit alle in ihre Schranken und betreibt Aufklärungsarbeit in verschiedenen Lebensbereichen: von der Analyse von Dating-Apps bis zur Prüfung eines unehrlichen Pizzahändlers (was zeitweise durchaus echtes Interesse weckt, aber keine angemessene Entwicklung erfährt). Er bleibt kühl gegenüber dem jüngeren Bruder, und als dieser sich über das achtjährige Schweigen empört, kontert er trocken: „Na, du hattest doch meine Nummer.“ „Und was hat er nicht recht?“, fragt man sich im Kopf. „Eigentlich schon recht“, antwortet Bernthals Figur ebenfalls im Geiste und zuckt mit den Schultern. In diesem Stil entwickelt sich die gute Hälfte des Films. Aber am Ende läuft der ganze Streit der Helden Afflecks und Bernthals auf die altbekannte Trinkspruch-Phrase hinaus: „Bruder, bist du mein Bruder oder nicht?“ Danach kommt es in der Regel zu einer guten alten Prügelei, und die bekommt der Zuschauer im Film auch.

Irgendwann bleibt die Aufklärung des Mordes an Ray King völlig auf der Strecke, und die Brüder beginnen ohne Umschweife, sich zu amüsieren, was an einen mittelmäßigen amerikanischen Buddy-Movie mit Anspruch auf „Rain Man“ erinnert. Wo der ältere Bruder ebenfalls, wie die Figur von Dustin Hoffman, einen Versuch unternimmt, mit einem Mädchen zu tanzen und es schafft, ihre Telefonnummer zu bekommen, was beim jüngeren Bruder unbändige Begeisterung auslöst. Man sieht, dass dem Regisseur des Films der ablaufende Prozess am sympathischsten ist. Und dass es sich doch um einen Actionfilm handelt, daran erinnert Gavin O'Connor erst gegen Ende widerwillig. Aber die Hoffnungen auf spektakuläre Kämpfe, wenn nicht auf dem Niveau von , so doch wenigstens von „Tyler Rake“, zerschlagen sich in Nichts: ein paar Schießereien im Staub, eine ausdruckslose Nahkampfszene und lahme Verfolgungsjagden. Wenn der Regisseur im ersten Teil wie ein Einser-Schüler arbeitete, gleicht er hier eher einem Absolventen, der die Details aufgegeben hat.

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„The Accountant 2“: Bruder, bist du mein Bruder oder nicht?
Szene aus dem Film „The Accountant 2“

Der stärkste Moment des Films war, seltsamerweise, der Humor. Kurze, prägnante Witze, die Christian über den ganzen Film verstreut, beleben die Geschichte ein wenig und rufen ein ehrliches Lächeln hervor. Sein jüngerer Bruder Braxton bleibt nicht zurück, der regelmäßig mit lustigen, derben Sprüchen herausplatzt und diese Insel der Handlung immer mehr wie eine Komödie aussehen lässt. Und wenn es nicht die Genre-Fesseln gäbe, wer weiß, vielleicht hätte O'Connor eine durchaus würdige Satire oder ein bissiges soziales Pamphlet hinbekommen. Aber es entsteht der Eindruck, dass der Regisseur im letzten Moment einfach kalte Füße bekommen hat: Was, wenn die Zuschauer es nicht zu schätzen wissen?

„The Accountant 2“ ist eine Fortsetzung, die niemand bestellt hat, aber bekommen hat. Der Film existiert aus Trägheit, ohne Feuer, ohne Leidenschaft, ohne wirklichen Grund zu sein. Er ist nicht gerade schrecklich, aber auch nicht gut: einfach ein grauer Schatten des Originals, leicht aufgelockert durch einige gute Witze. Wenn der erste „The Accountant“ ein solider Durchschnitt war, dann ist der zweite sein müder Doppelgänger, der 9 Jahre zu spät zur Party kommt und nun unbeholfen versucht, in die neue Kinolandschaft zu passen.