
Am 5. Juni kommt der Debüt-Spielfilm von Emilie Blichfeldt „Die hässliche Schwester“ in die Kinos. Wir berichten in unserem Artikel, wie der Film geworden ist, der bereits mit „The Substance“ verglichen wurde.
Der norwegische Bodyhorror „Die hässliche Schwester“ interpretiert das klassische Aschenputtel-Märchen neu, dessen Handlung der grausamen Version der Brüder Grimm nahekommt. Nur liegt der Fokus diesmal nicht auf Aschenputtel selbst, sondern auf einer ihrer Schwestern.
Elvira (Lea Myren) ist eine junge Dame, die völlig ungeeignet für das Erwachsenenleben ist, und ihre Tage sind voller Träume und Fantasien von einem schönen Prinzen Julian, und vielleicht auch von leckeren Brötchen. Elvira selbst ähnelt einem süßen Zimtschneckenbrötchen, aber sie mag sich selbst nicht und akzeptiert ihren Körper nicht. Doch ihr wird zufällig die Ehre zuteil, zum königlichen Ball eingeladen zu werden, wo der bereits erwähnte Julian sich eine Frau aussuchen wird.

Rebekka – Elviras Mutter (Ane Dahl Torp) – heiratet erneut, um ihre finanzielle Lage zu verbessern. Doch der frischgebackene Ehemann Otto stirbt direkt am Esstisch. Auch er hatte keine Ersparnisse, also beschließt Rebekka, auf Elvira zu setzen, und lädt Dr. Ästhetik (Adam Lundgren) ein, um ihre Tochter in eine wahre Schönheit zu verwandeln.
In „Die hässliche Schwester“ gehen die Schönheit des Lebens und die widerlichen Erscheinungen des Todes Hand in Hand. Sie verflechten sich zu einem kunstvollen Muster einer gewöhnlichen, aber nicht weniger traurigen Geschichte.
Auf der Jagd nach Schönheit stimmt die Heldin mit offensichtlicher Zustimmung ihrer Mutter verstümmelnden, schmerzhaften und leidvollen Prozeduren zu, die Elviras Aussehen verbessern sollen. Sie ist bereit, alles zu tun, um dem Prinzen zu gefallen und ihn zu heiraten.

„Die hässliche Schwester“ ist zwar nah am Original der Brüder Grimm, trifft aber auch den Nerv der Gegenwart, weshalb sie mit dem vielbeachteten Film „The Substance“ verglichen wird. Die Filme kann man bei Bedarf in eine Reihe stellen, aber dennoch ist „Die Schwester“ bei aller Märchenhaftigkeit der Realität viel näher, obwohl einige Szenen gruseliger wirken. Denn auch heute versuchen Mädchen ab dem Teenageralter, sich mit stillschweigender Zustimmung ihrer Eltern zu „verbessern“, um ihre Prinzen zu treffen.
„The Substance“, das 2024 bei den Filmfestspielen von Cannes den Preis für das beste Drehbuch erhielt, kam am 19. September in die russischen Kinos. In unserem Artikel sprechen wir über die Natur der Angst dieses Films.
Open materialDie Prinzen werden übrigens sehr lebensnah dargestellt. Es sind genau die Männer, die im Paradigma „Frau ist kein Mensch“ erzogen wurden. Daher ist es ihnen erlaubt, zu sein, wie sie wollen, denn sie werden auf dem Ball-Markt ihre Braut aussuchen und über die Wahl von Sexualpartnerinnen im Sinne von „zugerittenen Stuten“ diskutieren.

Besonders zu erwähnen ist die zweite Schwester Alma, die in dieser Geschichte den gesunden Menschenverstand und eine Art Gegenpol zu den in der Gesellschaft akzeptierten Idealen und Normen darstellt. Sie sagt ihrer Schwester direkt, dass alle Tricks, die Elvira anwendet, abscheulich sind und es sich nicht lohnt, sich damit zu quälen.
Der naiven Elvira möchte man sehr mitfühlen, obwohl es auch die geben wird, die sagen, sie habe es selbst so gewollt. Auch hier lässt sich eine Parallele zur Gegenwart ziehen: Es wird angenommen, dass Frauen selbst viele Male unters Messer legen wollen, dabei ihre eigene Gesundheit und sogar ihr Leben riskieren. Wenn man dieser Frage jedoch auf den Grund geht, stößt man wieder auf den gesellschaftlichen Druck, denn Schönheitsstandards und die Mittel, die zu ihrer Erreichung beitragen, haben sich vielleicht geändert, sind aber nicht verschwunden.
Die Heldin erwartet ein erwartungsgemäß trauriges, aber offenes Ende. Der Zuschauer kann sich durchaus ihre weitere Entwicklung vorstellen. Und wieder darüber nachdenken, ob Schönheit die Opfer wert ist, die sie fordert?
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