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Der Apple TV+-Katalog wurde diesen Frühling um die Serie „Dope Thief“ erweitert, in der unglückliche Freunde vor einem Kartell auf der Flucht sind. Was das Projekt noch interessant macht, erfahren Sie in unserem Test.

Wenn die Coen-Brüder eines Tages beschließen würden, eine Serie darüber zu drehen, wie Verlierer in der Rolle von Drogenbekämpfern Opfer ihres eigenen Einfallsreichtums werden, dann wäre das so etwas wie das Projekt „Dope Thief“ von Apple TV+. Nur dass hier statt der typischen Absurdität eine zähe Philadelphia-Hoffnungslosigkeit herrscht, in der jeder Fehler teuer bezahlt wird.

Die Handlung dreht sich um Ray (Brian Tyree Henry) und Manny (Wagner Moura), zwei Kumpels, deren kriminelle Kreativität beeindruckt. Ihr Schema ist einfach: sich als DEA-Agenten verkleiden, bei kleinen Dealern einbrechen, Ware und Geld mitnehmen und dann im nebligen Morgen von Philadelphia verschwinden. Alles läuft nach Plan, bis der frisch aus dem Gefängnis entlassene Rick dazustößt und vorschlägt, groß zu spielen. Das Ergebnis: ein blutiger Überfall, eine echte Undercover-Beamtin unter den Opfern, ein mexikanisches Kartell und eine Jagd, bei der die Helden von Jägern zu Gejagten werden.

Dope Thief 2025
Szene aus der Serie „Dope Thief“

Auf dem Papier sieht „Dope Thief“ wie ein Traum für jeden Fan von Kriminaldramen aus: Die Pilotfolge inszenierte Sir Ridley Scott persönlich („American Gangster“), das Drehbuch schrieb Peter Craig (Autor von „The Town“), und vor der Kamera steht Brian Tyree Henry, an dessen natürlichem Charisma kein Zweifel besteht, ebenso wenig wie an seiner Vielseitigkeit in den unterschiedlichsten Genres.

Und die erste Episode packt einen tatsächlich: Die „Razzien“ sind mit nervöser Energie in bester Genre-Tradition gefilmt, die Action ist hart, die Atmosphäre wird rechtzeitig durch passende Witze aufgelockert (die Freunde necken sich gerne gegenseitig wegen ihres Verhaltens während der Einsätze und was sie sagen).

Dope Thief Serie
Szene aus der Serie „Dope Thief“

Doch wie so oft bei teuren Streaming-Projekten beginnt die Serie danach zu stocken. Die achtteilige Staffel zieht sich dahin wie Kaugummi, der seinen Geschmack verloren hat: Nach einem starken Start verfallen die Helden plötzlich in philosophische Betrachtungen, erinnern sich an ihre Kindheit, regeln ihr Privatleben und erinnern sich nur gelegentlich daran, dass sie eigentlich von einem Kartell gejagt werden. Irgendwann hat man das Gefühl, dass die Drehbuchautoren selbst im Netz aus Rückblenden und Nebenhandlungen den Faden verloren haben. Die Handlung, die problemlos in drei bis vier Episoden oder einen flotten Spielfilm gepasst hätte, wird hier auf fast acht Stunden Leinwandzeit aufgebläht – und das tut der Dynamik nicht immer gut.

Zu den Stärken gehört die schauspielerische Leistung. Brian Tyree Henry zieht die Serie buchstäblich aus dem Sumpf der Eintönigkeit. Sein Ray ist kein Superheld, kein Gangster vom Poster, sondern ein müder, ironischer, manchmal verzweifelter Typ mit komplizierten Beziehungen zu seinem Vater und seiner Stiefmutter, dem man jede Minute glaubt. Moura ist ebenfalls gut in der Nebenrolle, auch wenn das Potenzial seiner Figur eindeutig nicht ausgeschöpft wird. Ansonsten ist alles auf einem guten Niveau: Die Bilder sind stilvoll, der Soundtrack ist schwungvoll, die Atmosphäre des modernen Noir ist fast mit Händen zu greifen.

Dope Thief ansehen
Szene aus der Serie „Dope Thief“

Der Eindruck nach dem Finale ist wie nach einem langen Spaziergang durch eine verregnete Stadt: Man ist zwar nass und müde, aber an ein paar helle Momente erinnert man sich mit einem Lächeln. „Dope Thief“ von Apple TV+ ist weder die neue „The Wire“ noch „The Town“, sondern eher ein solider Genre-Vertreter, bei dem talentierte Schauspieler und Regisseure versuchen, das Maximum aus einer an sich nicht schlechten Prämisse herauszuholen, die aber nicht unbedingt für eine Mehrteiler-Serie taugt.

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