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Die öffentliche Premiere des Films „Die Schätze der Zwerge“ fand am 25. April statt. Fünf Tage später kam er in die Kinos, wo er nun seit zwei Wochen alle lehrt, Gutes zu tun. Unser Autor denkt seit der Premiere über diesen Film nach. Über Zwerge und...

„Die Schätze der Zwerge“ ist ein Bildungsroman im Abenteuergewand. Der Sinn solcher Geschichten liegt darin, dass der Held, der anfangs moralisch schlecht ist, durch Prüfungen und Entbehrungen zur Einsicht gelangt und ein guter Mensch wird. Im Film fällt diese Rolle Nikita Kologrivy zu. Seine Figur Roma ist dreißig Jahre alt, ein kleiner Betrüger, der ständig in dubiose Geschäfte verwickelt wird und dabei draufzahlt. Einst in einer Autowerkstatt tätig, hat Roman es satt, ehrlich zu arbeiten, vor allem, weil man damit nicht viel verdient. Sein Streben nach einem leichten Leben und schnellem Geld ist, wie in solchen Filmen üblich, zwar verwerflich, aber menschlich nachvollziehbar. Roman lebt in einer zwar bis zum unnatürlichen Glanz ausgebleichten, aber durchaus erkennbaren Welt. Mit dem einzigen Unterschied, dass in seiner Welt neben Menschen auch Zwerge leben.

Dieser Unterschied ist in jeder Hinsicht gering, aber entscheidend. Als Roman bemerkt, dass sein hochbetagter Nachbar in der Datscha-Siedlung gestorben ist, schleicht er in dessen Haus und will etwas mitnehmen. Glück, denkt er, hat endlich gelächelt: Im Haus des Rentners findet er ein unvollendetes Testament. Roman setzt natürlich seinen eigenen Namen ein und wird zum Erben eines nicht gerade armen Großvaters. Doch neben dem Haus, dem Bankkonto und dem Waldstück, das dem Verstorbenen gehörte, erbt er auch dessen Zwerge und deren goldene Blume.

Die Zwerge im Film sind magische Wesen, die Schlümpfen ähneln, deren Hauptaufgabe es ist, Schätze zu suchen und Gutes zu tun. Bei der Schatzsuche helfen sie sich mit einer Blume, die den Aufenthaltsort jedes Schatzes, Geldes und Wertgegenstands bestimmen kann. Dieses Radar funktioniert jedoch mit einem sehr seltsamen Treibstoff – menschlicher Güte. Das Problem ist, dass Roman nicht besonders gütig ist, und die Zwerge sind deshalb sehr böse auf ihn. Außerdem sieht nur der Held die Zwerge, sodass man sogar denken könnte, er sei verrückt geworden und dies sei ein seltsames Remake von „Fight Club“ – die Zeiten werden kleiner und statt Brad Pitt gibt es jetzt Zwerge.

Die Version mit dem Wahnsinn, so verlockend sie auch ist, wird recht schnell widerlegt: Die Zwerge werden auch von der Tochter des Protagonisten, Warja (hervorragende junge Schauspielerin Alisa Rudenko), gesehen. Sie ist ein gutes und mitfühlendes Mädchen, das scheinbar viel über ihren Vater versteht, ihn aber trotzdem liebt. Zwerge werden nur von ihren Besitzern gesehen – ob man einen Zwerg besitzen kann? – und dem Mädchen erschienen sie, weil sie die Erbin ihres Vaters ist. So verstehen wir, dass die Zwerge auch feine Kenner des russischen Erbrechts sind und die gesetzliche Erbfolge respektieren.

Die Schätze der Zwerge
Standbild aus dem Film „Die Schätze der Zwerge“

Im Gegensatz zu Roman freundet sich Warja sofort mit den Zwergen an und erfährt ihre Namen – Schlaukopf, Bäcker, Kraftprotz und Gaffer. Vater und Tochter machen sich zusammen mit diesen kreativ benannten Begleitern auf die Suche nach Geld und anderen materiellen Werten. Muss man erwähnen, dass sie am Ende nicht nur materiell, sondern auch geistig bereichert werden?

Die Suche nach den Schätzen Napoleons – genau die will der Protagonist finden – ist ebenso absurd wie amüsant. Wie viele gute Taten muss man vollbringen, um viel Geld zu bekommen? Blut spenden? Eine alte Dame über die Straße bringen? Zur Rückkehr eines Vaters in die Familie beitragen? Der Held tut all dies – und dabei viele Dummheiten – und der Zuschauer (zumindest der über fünf Jahre) kann nicht umhin, sich zu fragen: Wie trennt man eine gute Tat von einer schlechten? Haben die Zwerge eine Liste? Achten die Zwerge auf die Motivation der Handlungen des Helden oder nur auf deren Folgen? Auf welcher Seite stehen diese kleinen Moralapostel im ethischen Streit zwischen Utilitaristen und Kantianern, wo die Ersten darauf bestehen, dass der moralische Wert von Handlungen durch ihr Ergebnis bestimmt wird, während die Zweiten vorschlagen, auf die Beweggründe des Menschen zu schauen?

Der Film lässt reichlich Zeit, über diese Fragen nachzudenken: Was soll man auch sonst tun, während die Helden offensichtliche Dummheiten begehen, in langatmigen Musiknummern singen, oder während Kologrivys Figur mal wieder logische Fehler in der moralischen (und jeder anderen) Argumentation macht. Die Handlung wird regelmäßig durch unerklärliche Dinge unterbrochen, wie zum Beispiel eine Tagesfahrt am Wald entlang mit dem Lied „Skasotschnaja Taiga“ der Band „Agata Kristi“.

Doch das sind alles eher oberflächliche Kritikpunkte. Auch in den allseits beliebten amerikanischen Abenteuerfilmen gab es viele Dummheiten. Sagen wir, „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ mit Brendan Fraser ist ein wunderbarer Film, aber im Großen und Ganzen kein Antonioni. Das muss er auch nicht sein. Die Hauptfreude, die ein Abenteuerfilm bereiten kann, liegt in seiner bewussten Albernheit, im naiven Glauben, dass hinter jeder Ecke, wenn nicht der Heilige Gral oder die Bundeslade, so doch zumindest ein Wunder wartet.

Die Schätze der Zwerge Nikita Kologrivy
Standbild aus dem Film „Die Schätze der Zwerge“

Doch „Die Schätze der Zwerge“ scheitert wohl genau an dieser Aufrechterhaltung des Abenteuergeists. Die Zwerge sind zwar im Stil äußerst fragwürdiger Grafikbeispiele aus Filmen der Nullerjahre gezeichnet, aber es reicht nicht, nur eine ebenso schlechte Animation zu machen; darin lag nicht das Erfolgsgeheimnis. Das Gefühl des Wunders, einer Welt ständiger Entdeckungen, wird in „Die Schätze der Zwerge“ durch billigen Moralismus ersetzt: Handle gut und du wirst reich, oder handle schlecht und du stirbst (buchstäblich).

Die magische Natur des Reichtums, den die Zwergenblume als Radar liefert, ähnelt der Natur verfluchter Schätze aus Mythen. Grabräuber oder Drachentöter, die sich deren Gold aneigneten, sterben in klassischen Mythen meist – alte Schätze bringen den Tod, auf fremder Geschichte kann man kein Glück aufbauen. Kologrivys Held teilt fast das Schicksal von Beowulf und Thorin Eichenschild (und anderer Drachenkämpfer), besinnt sich aber rechtzeitig und gibt das Geld für eine gute Tat aus. Dafür versprechen ihm die Zwerge noch mehr Geld.

Die Logik des exponentiellen Wachstums des Guten macht dies zu einer ziemlich langweiligen Angelegenheit. Es reicht zu verstehen, dass man, um den Zwergen zu gefallen, nicht nur Millionär, sondern ein philanthropischer Millionär sein muss, und alle Lebensprobleme lösen sich von selbst. Ein so primitives Verständnis von Moral, aus dem das Element des Zweifels vollständig entfernt wird – warum sollte Kologrivy zweifeln, wie er handeln soll, wenn sich nur das Gute lohnt? – macht die Botschaft des Films nicht unbedingt falsch, aber sehr langweilig.

„Die Schätze der Zwerge“ ist ein Film, der manchmal aufrichtig ist, von insgesamt recht talentierten Menschen gemacht, aber etwas absurd wirkt, einen leichten Eindruck von Absurdität hinterlässt und in seinen moralisierenden Episoden äußerst unnatürlich ist. In den besten Momenten singen die Helden „Auf dem lila Mond“ begleitet von der Ukulele (ein rührender Auftritt von Michail Orlow; allein die Existenz dieser Szene ist unglaublich und irgendwie sympathisch). In den schlechtesten Momenten moralisieren seltsame Zwerge. Wie jeder Versuch, die Vergangenheit zurückzuholen, indem man 2025 in Russland einen amerikanischen Abenteuerfilm aus den Nullerjahren dreht, wirken „Die Schätze der Zwerge“ selbst wie ein Geist der Vergangenheit, ein zufällig gefundener Schatz, bei dem man nicht weiß, ob man sich freuen oder ihn schnell wieder vergraben soll.