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Auf Paramount+ startete die neue Serie „Gangsterland“, in der Guy Ritchie wieder sein Lieblingspferd bestiegen hat und zu einer weiteren Reise durch die gefährlichen Straßen Londons aufbricht.

Der Held der Serie „Gangsterland“, Harry Da Souza (Tom Hardy), arbeitet seit langem für die kriminelle Familie Harrigan. Ständig im Zentrum von Straßenkämpfen, ist er bereits an alle Überraschungen gewöhnt. Doch eines Tages bittet der Clan-Chef Conrad Harrigan (Pierce Brosnan) Harry, eine Situation zu lösen, die sich um Conrads Enkel Eddie (Anson Boon) entwickelt hat, der aufgrund einer Schlägerei in einem Londoner Pub in Gefahr schwebt, bei der Eddie in einer Prügelei einen Gegner verletzt hat. Am selben Abend verschwindet spurlos der Sohn eines anderen lokalen Gangsters, Richie Stevenson (Geoff Bell), dessen Familie schon lange auf das Geschäft der Harrigans scharf ist. Dies könnte der Auslöser für einen neuen Krieg zwischen den Clans sein. Und all das muss Harry regeln.

Guy Ritchie sitzt, zur allgemeinen Freude, nicht still. Der Regisseur produziert weiterhin Filme mit beneidenswerter Regelmäßigkeit und erobert methodisch auch das Serienformat. Dieser unermüdliche Schöpfer dreht seit drei Jahrzehnten im Grunde dasselbe, schafft es aber jedes Mal, der vertrauten Form neues Leben einzuhauchen und ein Stück seiner Seele zu geben. Und Ritchies Seele scheint groß zu sein, da sie für so viele Projekte reicht. Kritiker nörgeln (nicht ohne Grund), aber wenn sein Name im Abspann auftaucht, kann man der nächsten Versuchung kaum widerstehen. Der Regisseur ist längst zu einer lebenden Marke geworden, die zwar manchmal an Massenware grenzt, aber wen kümmert das schon?

„Gangsterland“: Liga der abgefeimten Gentlemen
Szene aus der Serie „Gangsterland“

Aber über Ritchies neuestes Werk – die Serie „Gangsterland“ – kann man das nicht so recht sagen. Schon die Besetzung verdient eine eigene Betrachtung. Im Vordergrund steht Ritchies neuer Favorit, Tom Hardy, der in dieser Rolle Jason Statham und Jason Flemyng abgelöst hat. Man kann nicht sagen, dass der Regisseur eine besondere Bindung zu ihm hätte, wie Gaidai zu Demjanenko oder Burton zu Depp. Aber es ist nicht zu leugnen: Hardy ist der ideale Kandidat für die kriminelle Symphonie, die der Regisseur besingt. In derselben Reihe steht der in den letzten Jahren allgegenwärtige Pierce Brosnan, der seinen Bond-Charme mit einer leichten Psychopathie würzt. Und natürlich die großartige Helen Mirren in der Rolle der Boss-Frau – eine wahre Lady Macbeth, die immer das letzte Wort hat.

Das Hauptmerkmal von „Gangsterland“ ist die akribische Darstellung des routinierten Gangsteralltags. Hardys Held ist kein eleganter Mr. Wolf aus „Pulp Fiction“, sondern eher ein erschöpfter Angestellter, der sich statt mit Papierkram mit Leichen und Bestechungsgeldern herumschlagen muss. Er verbringt Unmengen an Zeit und Energie damit, die endlosen Probleme seiner Bande zu lösen. Und die sind sehr unterschiedlich. Den Sohn des Mafiabosses aus dem Gefängnis holen? Rufen Sie Harry an. Einen Verräter in der Bande finden? Rufen Sie Harry an. Eine Leiche beseitigen und Ordnung schaffen? Schon wieder er. Täglich dreht er sich wie ein Hamster im Rad.

„Gangsterland“: Liga der abgefeimten Gentlemen
Szene aus der Serie „Gangsterland“

Die einzige Zuflucht – das eigene Zuhause – erweist sich als nicht besser als die Arbeit. Die Frau bereitet die Scheidung vor, und schon bricht die Polizei die Tür ein, um Harry mal wieder einen unangenehmen Abend auf dem Revier zu bereiten (von wo er allerdings nach ein paar Stunden wieder rauskommt, nachdem er den Anwalt großzügig bestochen hat). In dieser Hinsicht unterscheidet sich sein Leben kaum vom Alltag eines Büroangestellten oder Bauleiters. Nur dass es statt Firmenfeiern Schießereien gibt und statt einer Prämie das Risiko, einen Schlagring ins Gesicht zu bekommen.

In „Gangsterland“ erfreut Ritchies unverkennbare Handschrift weiterhin das Auge: viele schrullige Charaktere und sich überschneidende Handlungsstränge, jeder mit seinem eigenen Paket an Problemen. Hinzu kommen die alltägliche, romantiklose Kehrseite des kriminellen Londons, ein saftiger Cockney-Akzent, reichlich Schimpfwörter und der typische Humor. Allerdings sind die Witze diesmal viel düsterer und bei unaufmerksamer Betrachtung leicht zu übersehen. Es entsteht der Eindruck, dass der Regisseur aufgegeben hat und die raue Gangsterrealität nicht mit lustigen Anekdoten aufhellen wollte. Wie diese Welt ist, so ist auch der Humor.

„Gangsterland“: Liga der abgefeimten Gentlemen
Szene aus der Serie „Gangsterland“

Sogar der Soundtrack in „Gangsterland“ unterstreicht Ritchies düstere Stimmung. Die vom Regisseur geliebten Soul-Kompositionen wurden durch den harten Rhythmus der Band The Prodigy ersetzt, und der Autor des Hauptsoundtracks ist der Frontmann von Muse, Matt Bellamy. Nebenbei blitzen im Bild auch Anklänge an die frühen Werke von Michael Mann auf (besonders deutlich schimmert sein berühmter „Thief“ durch), und das ist kein Zufall. Showrunner der Serie ist Ronan Bennett, der zuvor mit Mann an dem Film „Public Enemies“ gearbeitet hat und die Gesetze der Straße aus erster Hand kennt.

Kurzum, die Arbeit für die Mafia ist sehr hart – betont der britische Regisseur. Man muss 24/7 erreichbar sein, und Versicherungen oder Gewerkschaften gibt es hier nicht. Wie im Witz: Man bekommt eine Pistole – dreh dich, wie du willst.