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In den Kinos läuft die Fortsetzung der pädagogischen Erzählung „Batja“, in der der junge Maxim zu seinem Großvater aufs Land geschickt wird. Wie die düsteren 90er auf der Leinwand zu einer gemütlichen Landidylle werden – in unserer Rezension.

Max (Stas Starowoitow) ist fast von seiner Frau (Nadeschda Michalkowa) geschieden und erinnert sich an seine Kindheit, als sein Vater (Wladimir Wdowitschenkow) ähnliche Probleme hatte und den jungen Maxim (Andrei Andrejew) zu seinem Großvater (im Make-up unkenntlich: Jewgeni Zyganow) aufs Land schickte. Damit er nicht stört und sich nicht unnötig aufregt. Der Großvater erwartet eher den Tod als den Enkel, heißt Maxim aber herzlich willkommen und führt ihn in das einfache Landleben ein, wobei er ihm Ratschläge für die Zukunft gibt.

Der neue „Batja“ folgt den bereits im Original bewährten Handlungssträngen: eine Reihe von kurzen, witzigen (diesmal aber nur teilweise) Sketchen, die für Millennials völlig verständlich sind. Für die jüngere Generation erfordert jede Handlung des Großvaters mehr Aufmerksamkeit. Die Autoren wollen ihnen erklären, warum Väter und Großväter so sind. Im Großen und Ganzen ist es dieselbe Geschichte, in der ein düsterer Mann mit einem guten Herzen einen ebenso düsteren Mann mit einem noch besseren Herzen erzieht.

Dabei werden nicht nur die Lebenserfahrungen weitergegeben, die in den Umbruchjahren der 80er und den unruhigen 90ern (zu denen noch die schwierigen 40er und 50er kamen) gesammelt wurden, sondern auch die damit verbundenen Traumata, über die die Helden nicht unbedingt nicht nachdenken wollen, sondern von denen sie einfach nichts ahnen, in der festen Überzeugung, dass in harten Zeiten überflüssige Sentimentalität nicht zum Überleben hilft. Ein kräftiger Klaps oder ein weiser Lebensrat hingegen garantiert die Überwindung aller Schwierigkeiten. Aus dieser Gleichung sind allerdings wieder einmal die Frauen fast ausgeschlossen. Der Vater, wie wir uns erinnern, ließ sich scheiden, und Max' Großmutter starb früh.

„Batja 2. Ded“: gelungene Fortsetzung der Volkskomödie über Erziehung in den 90ern
Standbild aus dem Film „Batja 2. Ded“

Aber dieser therapeutische Effekt hält nicht lange an. Und nun braucht der erwachsene Max dringend Hilfe von einem Familientherapeuten, um all diese traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten und selbst mit den Problemen fertig zu werden, die ihn in dem Alter ereilt haben, in dem sein Vater war, als Max selbst sieben Jahre alt war. Eine Situation, die schmerzlich an ein bekanntes Meme erinnert: „Der Mann im verrauchten Zhiguli, der auf Kassette „Sektor Gaza“ hört, ist nicht mehr der Vater, sondern du.“ Aber seine Ratschläge sind jetzt nicht mehr besonders relevant, und andere hat Max einfach nicht.

Der Dritte in dieser generationenübergreifenden Verbindung ist der Großvater des jungen Max, brillant gespielt von Jewgeni Zyganow. Seine Erziehungsmethoden sind noch strenger als die des Vaters, aber alle Kanten werden durch die neue Textur geglättet. Die Filmemacher haben die Handlung in einen großen, warmen Landsommer verlegt, und diese pastorale Schlichtheit milderte die düstere Realität der 90er (an die nur ein alter Fernseher erinnert) und wurde gleichzeitig zum Hauptmotor des Humors im Film. Der erwachsene Max in der modernen Handlung hatte keine Zeit für Witze, daher hat sich ihre Anzahl im Vergleich zum Original stark verringert, und die, die blieben, wurden bereits im Trailer skandalös preisgegeben.

„Batja 2. Ded“: gelungene Fortsetzung der Volkskomödie über Erziehung in den 90ern
Standbild aus dem Film „Batja 2. Ded“

Und überhaupt ist die erste Hälfte des Films etwas chaotisch geraten. Der emotionale Faden, der Max im Kindes- und Erwachsenenalter verbindet, ist plötzlich verschwunden. Während im Original Stas Starowoitow selbst von seinen Erinnerungen erzählte, die dann auf seine Vergangenheit übertragen wurden und ganz von der konkreten Lebenssituation abhingen, wurde im Sequel unerwartet Nikita Sergejewitsch Michalkow zum Erzähler (der dann in der Mitte des Films geheimnisvoll verschwand), und die Handlungen selbst verloren ihre Klarheit und Konsequenz. Zur Mitte hin glich sich das mehr oder weniger aus, aber hauptsächlich durch neue kurze Episoden über die Jugend des Großvaters. Sie sind vielleicht die Hauptattraktion des Films und verdienen sogar ein eigenes Spin-off.

In diesen Episoden ist Jewgeni Zyganow ein romantischer Mann mit einer Augenklappe, der seine Geliebte (die er nur dem Namen nach kennt) in der gesamten Sowjetunion sucht. In diesen kurzen Szenen zeigten die Regisseure des Films eine aufrichtige Liebe zur Bildsprache des ikonischen und genretypischen sowjetischen Kinos: von „Die Kraniche ziehen“ von Elem Klimow bis zu Rjasanows „Mädchen ohne Adresse“. Diese leicht ästhetische Geste fügt sich nahtlos in die Geschichte ein, wie ein Puzzleteil, ohne die Haupthandlungen zu stören, und unterstreicht sie in gewisser Weise sogar.

Trotz einiger Unebenheiten erreicht der Film letztlich sein Ziel: Das Herz des Zuschauers wird mit Güte erfüllt, und es entsteht das Gefühl, als hätte man gerade mit einem nahen Menschen gesprochen. Die nötige Gemütlichkeit wird durch die warme Atmosphäre und den strengen, aber im Herzen sehr weichen Großvater gewährleistet, der dem Enkel im Gegensatz zum Vater nicht das Überleben, sondern das Lieben beibrachte. Einzig und allein. Bis zum Grab. Und es scheint, dass es ihm gelungen ist.