Preview image

Ein neuer Film von Oz Perkins hat die russischen Kinos erreicht. Was uns einer der besten Horror-Macher der Gegenwart diesmal bereitet hat, lesen Sie in unserer Rezension.

Die Zwillinge Hal und Bill (beide gespielt von Christian Convery) kannten ihren Vater kaum. Alles, was sie von ihm geerbt haben, sind verstaubte Souvenirs aus verschiedenen Ländern im Schrank. Eines Tages finden sie unter dem ganzen Kram ein aufziehbares Äffchen (fast wie in „Toy Story 3“, aber mit einer Trommel statt Scheiben – Disney hat deren Verwendung verboten) und werden Zeugen einer Reihe schrecklicher Todesfälle. In dem Glauben, dass in dem Spielzeug ein böser Geist steckt, der unschuldige Menschen tötet, beschließen die Brüder, es loszuwerden.

Fünfundzwanzig Jahre später erfährt der erwachsene Hal von der Rückkehr des Dämons. Seitdem hat sich viel in ihrem Leben geändert (beide gespielt von Theo James). Der eine hat inzwischen ein Kind (Colin O'Brien) und ist geschieden, der andere ist völlig von der Bildfläche verschwunden. Nun müssen sie sich erneut dieser Entität stellen.

Szene aus dem Film „Der Affe“
Szene aus dem Film „Der Affe“

Im letzten Jahr sorgte „Longlegs“ von Oz Perkins für eine echte Sensation in der Branche. Der düstere Thriller mit Nicolas Cage als Fan der Band T-Rex (und nebenbei satanistischer Serienmörder) festigte endgültig den Status des Regisseurs als großen Meister der Ära des Elevated-Horrors. Doch der Schöpfer selbst schien des Rufs, der sich um seine Person gebildet hatte, so überdrüssig, dass er beschloss, einen Schlag dagegen zu führen. Dieser Rammbock gegen die vorherrschende Meinung wurde „Der Affe“.

Basierend auf einer Kurzgeschichte von Stephen King hat Perkins sie radikal umgearbeitet und mit schwarzem Humor vollgestopft. Der Regisseur tauschte seine typische Prätentiösität und Ernsthaftigkeit gegen fremde Kitschigkeit und Albernheit ein – und hatte überraschend Erfolg. Trotz des Subgenre-Wechsels vom psychologischen Slow-Burner zur Horrorkomödie blieben die zentralen Säulen seines unverwechselbaren Stils unberührt. Allerdings wich er in mancher Hinsicht von der gewohnten Formel ab. Zum Beispiel gab es in seinen Filmen noch nie männliche Protagonisten. Hier ist das jedoch durch die Vorlage bedingt.

Über Monster und mehr: Lieblingsverfilmungen von Stephen-King-Büchern nach Meinung der Redaktion von „Nach dem Abspann“
Nikita Margajew
Über Monster und mehr: Lieblingsverfilmungen von Stephen-King-Büchern nach Meinung der Redaktion von „Nach dem Abspann“

Pennywise, Annie Wilkes, der Mondmann, Kater Church und alle, alle, alle... Wir erinnern an die unserer Meinung nach würdigsten Verfilmungen der Werke des „Königs des Horrors“.

Open material

Das Wichtigste: Die vom Bildschirm ausgehende – zwischen den Zeilen oder in den Mund der Figuren gelegte – Autorenreflexion ist geblieben! Lesen Sie in Ihrer Freizeit über die Familie Oz, wie seine Mutter und sein Vater starben, und Sie werden verstehen, dass „Der Affe“ ein zutiefst persönliches Werk ist. Gleichzeitig besticht und schockiert der Film durch seine unbekümmerte Haltung gegenüber dem Tod. Die Botschaft des Regisseurs ist unmissverständlich: Der Sensenmann kommt für jeden, aber Zeit, Ort und Umstände der Begegnung sind für alle unterschiedlich, und es ist sinnlos, sich panisch vor dem Ende zu fürchten.

Szene aus dem Film „Der Affe“
Szene aus dem Film „Der Affe“

Nicht umsonst steht auf der Schachtel des Aufziehspielzeugs die Aufschrift „like life“. Und im Leben, wie bekannt, bekommt jeder sein Fett weg – sowohl Gerechte als auch Sünder. Man muss Perkins zugutehalten: Er versteht etwas von filmischen Toden! Alle sind nicht weniger einfallsreich inszeniert als in „Terrifier“, aber ohne das offene sadistische Auskosten wie bei Damien Leone. Und an Schlagfertigkeit mangelt es Osgood wahrlich nicht! Besonders gelungen ist die Episode, in der ein unerfahrener Priester bei der Beerdigung eines Mädchens, dessen Kopf vom Rest des Körpers getrennt ist, keine passenden Worte findet und unabsichtlich eine sarkastische Formulierung nach der anderen herauslässt.

Clown Art und das Portal zur Hölle: Rezension zum Film „Terrifier 3“
Nikita Margajew
Clown Art und das Portal zur Hölle: Rezension zum Film „Terrifier 3“

Am 10. Oktober kommt zeitgleich mit der ganzen Welt ein neues Kapitel der Slasher-Franchise „Terrifier“ in die heimischen Kinos. Darüber, womit der Film schockiert, womit er positiv überrascht und womit er enttäuscht...

Open material

Es sei darauf hingewiesen, dass diese blutige Farce niemanden vor Schrecken lähmen kann. Der Ablauf der Morde ist immer derselbe: zuerst ein unheilvolles Tremolo auf der Trommel, dann, nach wenigen Sekunden, ein schrecklicher (meist augenblicklicher und lächerlicher) Tod, der einen der Charaktere ereilt. Je näher man dem Abspann kommt, desto geringer werden die Abstände zwischen den Morden, sodass die Horror-Elemente schließlich in einem Meer von leichter Posse aufgehen. Aber dies ist einer der seltenen Fälle, in denen man dem Film das genrebedingte Ungleichgewicht verzeihen kann, wegen der Emotionen, die er zu schenken vermag. Zudem krönt diesen Affenmoloch ein äußerst lustiges Duett von Theo James mit sich selbst, und auf einen Sprung kommen Elijah Wood und AdamScott vorbei.

Szene aus dem Film „Der Affe“
Szene aus dem Film „Der Affe“

Mit seinem neuen Werk hat Oz Perkins bewiesen, dass er nicht den gewohnten Monkey Suit1 des ernsten Regisseurs anziehen muss, um seinen Titel als bedeutende Figur im Genre zu bestätigen. Also darf man sich manchmal erlauben, go ape2 zu gehen! Ob dies eine einmalige Aktion war oder ob es sich um eine Richtungsänderung im Schaffen des Regisseurs handelt, werden wir im Herbst erfahren, wenn sein nächster Film in die Kinos kommt.

Trailer: