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Am 4. Februar erfolgte der digitale Release von „5. September“, einem Kammerspiel von Tim Fehlbaum über die Arbeit der Medien während des Münchner Attentats. Wie der Film die interne Küche des Journalistenhandwerks widerspiegelt, lesen Sie in unserer...

1972. Deutschland richtet zum ersten Mal seit Kriegsende die Olympischen Spiele aus. Aus Angst, dass Polizeistreifen unangenehme Assoziationen mit der Nazi-Vergangenheit hervorrufen, setzt die Regierung lieber auf die Atmosphäre eines internationalen Festes als auf Sicherheit. Als in der nahegelegenen olympischen Schüsse fallen, beginnen die Mitarbeiter der ABC-Sportabteilung unverzüglich mit der Berichterstattung über die größte Tragödie in der Geschichte des olympischen Sports.

Szene aus dem Film „5. September“
Szene aus dem Film „5. September“

Es gibt eine beträchtliche Anzahl von Filmen, sowohl dokumentarische als auch fiktive, die über den Terroranschlag der Gruppe „Schwarzer September“ und die anschließende Vergeltungsaktion des israelischen Geheimdienstes berichten. Der Film des deutschen Regisseurs Tim Fehlbaum hebt sich jedoch von anderen ab, indem er diese schrecklichen Ereignisse durch die Linse journalistischer Erfahrung zeigt.

Weder die Geiselnahme, noch die Schießerei in der Connollystraße, noch das schreckliche Ende am Flughafen Fürstenfeldbruck werden hier gezeigt. Die Mitarbeiter von ABC Sports mussten Informationen buchstäblich aus Bruchstücken zusammensetzen. Schon die wenigen Aufnahmen, die sie heimlich aus großer Entfernung machen konnten, waren ein großer Glücksfall. Ansonsten mussten sie sich auf Gerüchte, Insiderinformationen, Meldungen der örtlichen Strafverfolgungsbehörden und Medien verlassen.

Die Verantwortungslast, die das Team des Sportkanals auf sich nahm, verpflichtete sie zur strikten Einhaltung der grundlegenden Berufsprinzipien – Aktualität, Objektivität und Zuverlässigkeit. Zumal die Live-Übertragung aus München weltweit mehr als 900 Millionen Menschen vor die Bildschirme lockte und damit den Zuschauerrekord der Mondlandung brach. Ein fataler Fehler, eine falsche Formulierung oder Ungenauigkeit – und das Vertrauen des Publikums wäre unwiederbringlich verloren. Oder nicht?

Szene aus dem Film „5. September“
Szene aus dem Film „5. September“

Anfangs fällt es den Helden sehr schwer, Ruhe zu bewahren und ihren Gefühlen nicht freien Lauf zu lassen. Das Münchner Attentat wurde zum Stolperstein für die Organisatoren und Teilnehmer der Spiele von 1972. Israelische Sportler, die 20 km vom berüchtigten KZ Dachau entfernt erschossen werden – das ist ein schwerer Schlag für den Ruf Deutschlands, das sich nach Kräften bemühte, den Eindruck eines vom Hitler-Erbe befreiten Landes zu erwecken.

Andererseits nahmen an der Olympiade neben Juden auch Vertreter von Ländern teil, die mit Palästina in seinem Konflikt mit Israel sympathisierten. Um sich nicht dem Vorwurf der Islamophobie auszusetzen, mussten die Journalisten ihre Begriffe sorgfältig wählen und jegliche Andeutungen und Verallgemeinerungen vermeiden. Dies betraf auch die Arbeit im Team. Eine in der Hitze der Emotionen oder aus Unachtsamkeit geäußerte scharfe Bemerkung eines der Helden über „verdammte Araber“ stößt sofort auf eine Reaktion eines französischen Kollegen, dessen Mutter aus Algerien stammte.

Allerdings ist auch Zynismus, bedingt durch Berufsdeformation und übermäßigen Ehrgeiz, bei den Figuren des Films vorhanden. Als ihnen klar wird, dass sie den sprichwörtlichen Jackpot geknackt haben, rücken die Jagd nach Einschaltquoten und der Wunsch, die Konkurrenz zu verdrängen, in den Vordergrund. Gerade dieses Bestreben, in allem die Ersten zu sein, wird sich später gegen sie wenden.

Szene aus dem Film „5. September“
Szene aus dem Film „5. September“

„5. September“ wirft wichtige und in unserer Zeit besonders aktuelle Fragen im Zusammenhang mit Berufsethik und Moral auf. Wie angemessen ist es, eine Geiselnahme live zu zeigen, wenn auf der anderen Seite des Bildschirms die Angehörigen der Geiseln sitzen? Spielen die ABC-Mitarbeiter nicht den Terroristen in die Hände, die nur auf maximale Publizität für ihre Schandtat aus sind? Und schließlich: Wie korrekt ist es, ungeprüfte Informationen als Exklusivmeldung zu bringen, selbst unter Berücksichtigung des Hinweises des Moderators auf die Quelle?

Oft werden Journalisten im Kino entweder als sympathische Wahrheitssucher oder aber als Geier dargestellt, die über fremden Tragödien kreisen. Bei Tim Fehlbaum ist alles recht prosaisch: Die Helden seines Films machen einfach ihre Arbeit, aber auch sie, wie alle lebenden Menschen, machen Fehler und lassen sich von ihrem eigenen Egoismus leiten.

Szene aus dem Film „5. September“
Szene aus dem Film „5. September“

Der Film erscheint auf dem Höhepunkt einer neuen Eskalation der Gewalt im Nahen Osten, obwohl er bereits vor dem Hamas-Angriff und den Flächenbombardements auf Gaza konzipiert wurde. Der deutsche Regisseur weist konsequent zurück, dass sein Werk einen Bezug zum aktuellen Konflikt zwischen Israel und Palästina habe. Angesichts all des oben Beschriebenen kann man ihn jedoch kaum als irrelevant bezeichnen!

Trailer: