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In den russischen Kinos läuft der Film „По барам“ an, eine neue Komödie vom Regisseur von „Der junge Mann“. Darüber, wie sehr der erste Eindruck manchmal täuschen kann – in unserer Rezension.

Vier Männer haben es geschafft, ihre Freundschaft auf wundersame Weise über Jahrzehnte zu bewahren. Allerdings ist dies vor allem dem infantilen Semjon (Pawel Tabakow) zu verdanken. Er organisiert sämtliche Saufgelage, deren Abstände im Laufe der Jahre immer größer werden. Zum Jahrestag der Freundschaft beschließt der Junge, seine Freunde erneut in die Arme des alkoholischen Rausches zu werfen. Während der unterhaltsamen Veranstaltung namens „Barhopping“ überredet Mischa (Alexander Aljabjew), der frühzeitig verschwinden will, die anderen Jungs, Semjon bis zur Besinnungslosigkeit zu betrinken. Allerdings hat dieser einen nicht minder ehrgeizigen und ebenso unbesonnenen Plan für seinen Freund.

Szene aus dem Film „По барам“
Szene aus dem Film „По барам“

„По барам“ ist das neue Werk von Alexander Fomin, dem Regisseur des Films „Der junge Mann“ mit demselben Pawel Tabakow in der Rolle eines dreißigjährigen Taugenichts. Vor zwei Jahren wurde sein Debütfilm sowohl von Kritikern als auch vom Publikum relativ wohlwollend aufgenommen. Nicht dass er eine Offenbarung im Segment der heimischen Komödien gewesen wäre, aber im Vergleich zu allerlei „Direkt Kacha“ und „Wasja, nicht du selbst“ wirkte er recht ansprechend.

Auch Fomins zweite Regiearbeit kann man natürlich nicht als ideal bezeichnen, aber man muss ihm zugutehalten: So etwas kommt auf unseren Bildschirmen nicht oft vor. Ich will es nicht verschreien, aber es scheint, dass die Riege der talentierten Nachfolger Karimows Zuwachs bekommen hat. Allerdings ist der Inspirator hier alles andere als offensichtlich. Die im Film erwähnten „Armageddon“ von Wright und Vinterberg könnten ebenfalls als Ausgangspunkt gedient haben.

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Roman Kowaljow
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Im Film „Noch eine Runde“ hat sich Mads Mikkelsen mit Thomas Vinterberg zusammengetan, um zu erzählen, wie man das Leben mit Hilfe von Alkohol verändern kann.

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Übrigens sind Tabakow Jr. und seine Truppe deutlich stärker als Pegg und Frost aus dem finalen Kapitel der „Cornetto“-Trilogie. Die russischen Jungs haben sich einen Marathon von zwanzig Bars vorgenommen, während die Briten gerade mal zwölf geschafft haben. Natürlich könnte man darauf schieben, dass sie ständig von außerirdischen Körperentführern gestört wurden, aber wen interessieren schon diese lächerlichen Ausreden?

Szene aus dem Film „По барам“
Szene aus dem Film „По барам“

Eine weitere Analogie, die sich beim Anschauen geradezu aufdrängt, ist die Franchise „Worüber Männer reden“. Fomins Film hat mehrere Überschneidungen mit der Kultfilmreihe des „Quartetts I“. In erster Linie sind das die einfallsreichen Inszenierungen, die sich im Kopf der Figuren abspielen. Die Helden dringen immer wieder in fremde Rückblenden ein und ironisieren über den Erzähler. Und natürlich gibt es auch hier tiefgründige und zugleich schlichte Gespräche über Beziehungen, gemeinsame Vergangenheit und die Werte der Freundschaft.

Klar, dem Quartett aus „По барам“ fehlt der Charme, den die Mitglieder des „Quartetts I“ hatten. Aber der Neuling hat einen Vorteil gegenüber der unaufhaltsam alternden (oder, wie man modisch sagt, verblödenden) Franchise. Fomins Film existiert im Kontext des Jahres 2024 mit seinen aktuellen Memes und gesellschaftlichen Phänomenen. Ob dieser Aspekt ein Vorzug ist, müsst ihr allerdings selbst entscheiden.

Die Sache ist die, dass in den Film so viele Verweise auf die Handlungszeit eingebaut wurden, dass er an ein Gespräch eines Dreißigjährigen mit einem Zoomer erinnert, bei dem Ersterer versucht, auf einer Wellenlänge mit Letzterem zu sein. Anspielungen auf den Internet-Freak Podnebesny, den Blogger Litwin, die Serie „Das Wort des Jungen“ und Ivleeves „Nacktparty“ sind zwar wichtige Striche zum Porträt (oder Stillleben) dieser seltsamen aktuellen Epoche, aber eindeutig zu viel des Guten.

Für Liebhaber älterer Memes gibt es auch ein paar. Einige von ihnen können sogar einen leichten Anflug von Nostalgie hervorrufen und längst vergessene Wörter im Gedächtnis freischalten. Allerdings ist auch ein kurzzeitiger Anflug von Verlegenheit nicht auszuschließen.

Szene aus dem Film „По барам“
Szene aus dem Film „По барам“

Wirklich entfaltet sich „По барам“ erst in den Momenten, in denen es das Spiel mit der Aktualität ablegt. Dann versteht der Zuschauer, dass die Autoren des Films zumindest talentierte und gebildete Menschen sind. Da die Hauptfiguren mit 30 Jahren über einen gewissen Wissensschatz verfügen (und Tabakows Figur arbeitet sogar als Lehrer), haben sie auch entsprechenden Humor – mit Verbeugungen vor Pelewin und Kultfilmen.

Die Begabung der Macher erkennt man auch an dem ganz hervorragenden Schnitt, der die komischen Situationen, in die die Männer geraten, gekonnt unterstreicht. Aber was „По барам“ von vielen anderen unserer Komödien über Alkopartys unterscheidet, ist die Herzlichkeit und die wirklich berührende Botschaft.

Mag das Drehbuch auch nicht nach den Sternen greifen und alle Handlungsstränge vor ihrem Ende erahnbar sein, so ist es dennoch interessant, den Abenteuern der Helden zu folgen, und man möchte mit ihnen mitfühlen. In den Figuren und ihren Handlungen kann der Zuschauer unwillkürlich sich selbst wiedererkennen. Zumal die kanonische Struktur der Vierergruppe bei Männerfreundschaften ein weit verbreitetes Phänomen ist.

Szene aus dem Film „По барам“
Szene aus dem Film „По барам“

Einst verspottete BadComedian in seiner Kritik zu „Gorko!“ von Kryshnikow das Argument der Filmverteidiger, das wie folgt lautete: „Es ist lustig, weil es wie im Leben ist.“ Nun, trotz gewisser Mängel und Fehler ist dieser zum Internet-Meme gewordene Ausdruck auf „По барам“ ohne jeden sarkastischen Unterton anwendbar, und das ist viel wert!

Übrigens tritt auch Alexander Fomin selbst im Film auf. Er spielt den fünften Freund, der gleich nach der Schule geheiratet und die Bande verlassen hat. Um den anderen zu beweisen, dass die Ehe ein Wendepunkt im Leben ist, beschließt Semjon, ihn anzurufen und zum Barhopping einzuladen. Mit diesem Helden verbindet sich eine recht vorhersehbare, aber äußerst amüsante Handlungslinie.

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