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Die neue Arbeit von Nora Fingscheidt hatte alle Chancen, die Perle der Preissaison zu werden, aber aus irgendeinem unbekannten Grund wurde sie von den großen Preisverleihungen ignoriert. Warum das Sozialdrama über Alkoholismus „The Outrun“ dennoch An...

Rona (Saoirse Ronan) kämpft seit langer Zeit gegen ihre Alkoholabhängigkeit. Die Gruppentherapie hat Früchte getragen, und das Mädchen hat seit über fünf Monaten auf Alkohol verzichtet. Es ist nicht leicht für sie: Manchmal überkommen sie Erinnerungen daran, wie gut es ihr im Rausch war. Um sich selbst zu finden und den Versuchungen zu entkommen, beschließt Rona, in ihre Heimat zurückzukehren – auf den Orkney-Archipel im Norden Schottlands.

Szene aus dem Film „The Outrun“
Szene aus dem Film „The Outrun“

Trotz der Schlichtheit und manchmal sogar Handlungslosigkeit des Geschehens auf der Leinwand ist „The Outrun“ aus dramaturgischer Sicht äußerst komplex aufgebaut. Nora Fingscheidt bietet dem Zuschauer keine melodramatische Geschichte der Rettung vor einer schrecklichen Krankheit, chronologisch präzise und folgerichtig. Ihr Film gleicht einer nachlässig zusammengenähten Patchworkdecke aus Zeitsprüngen, Rückblenden und Halluzinationen.

Die Komposition stellt einen chaotischen Bewusstseinsstrom dar. Immer wieder mischen sich Tagebucheinträge und wissenschaftliche Notizen über die Flora und Fauna der Orkney-Inseln in die Erzählung. Und obwohl diese Episoden oft schöne Metaphern und Anspielungen enthalten, werden sie nicht zum Bindeglied zwischen dem Gezeigten davor und danach.

Zum Glück haben die Macher den Zuschauern das Anschauen dennoch erleichtert, indem sie einen Marker hinzugefügt haben, der erkennen lässt, um welche Lebensphase von Rona es sich gerade handelt. Dies ist an der Farbe ihrer Haare zu erkennen. Darüber hinaus ist der Imagewechsel jedes Mal auch durch innere Veränderungen der Protagonistin bedingt.

Szene aus dem Film „The Outrun“
Szene aus dem Film „The Outrun“

„The Outrun“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Autofiktionsromans der Schriftstellerin Amy Liptrot. Es besteht die Möglichkeit, dass wir das Drehbuch, das in Zusammenarbeit mit Fingscheidt entstand, dennoch in der entsprechenden Kategorie bei den Oscars sehen werden, während die herausragende Performance von Saoirse Ronan von den Filmakademikern höchstwahrscheinlich unbeachtet bleiben wird. Zumindest deutet alles darauf hin, und das ist verdammt unfair, denn die Schauspielerin hatte seit langem keine vergleichbar starken Rollen mehr.

Im Jahr 2024 spielte sie gleich in zwei dramatischen Filmen mit, die Anspruch auf den Preissegen erheben. Und so paradox es auch klingen mag: Trotz des warmen Empfangs durch das Festivalpublikum werden sowohl der besprochene „The Outrun“ als auch der Film von Steve McQueen offenbar außen vor bleiben.

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Nikita Margaev
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Szene aus dem Film „The Outrun“
Szene aus dem Film „The Outrun“

Einen alkoholkranken Charakter zu spielen, ist um ein Vielfaches schwieriger als einen Drogenabhängigen. Der Grund dafür ist, dass die Gesellschaft dem Trinken gegenüber viel nachsichtiger und toleranter ist, da starke Getränke legal erworben werden können. Viele sehen im Alkoholismus als Phänomen kein gleichwertig ernstes Problem, und diejenigen, die regelmäßig konsumieren, glauben, jederzeit aufhören zu können.

Derselben Meinung war auch Saoirse Ronans Figur, bis das Trinken ihr Leben ruinierte. Als unfreiwillige, menschenscheue Introvertierte versucht Rona, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren und die Beziehung zu ihren Eltern zu reparieren. Die meiste Zeit verbringt sie jedoch in Gesellschaft von Vögeln und Robben, während sie an den malerischen Küsten der Orkney-Inseln spazieren geht.

Szene aus dem Film „The Outrun“
Szene aus dem Film „The Outrun“

Der von Filmemachern geliebte keltische Mythos des Meervolkes, genannt Seiden oder Roane, hat auch in „The Outrun“ seinen Platz gefunden. Viele Zuschauer haben die Flossenfüßer-Werwölfe bereits durch Tomm Moores meisterhafte Animation kennengelernt. Allerdings tauchen diese folkloristischen Kreaturen in Nora Fingscheidts Film nicht auf, sondern werden nur erwähnt. Vielleicht hätte das Einbringen einer Prise magischen Realismus in die Handlung am Ende noch vorteilhafter gewirkt.

„The Outrun“ ist ebenso rau wie die Landschaften der von der Nordsee umspülten Inseln. Aber gleichzeitig ist der Film erfüllt von der Vorahnung einer baldigen Befreiung. Sie kommt vor dem Abspann mit dem Ruf des in Roten Buch stehenden Wachtelkönigs, den Ronas Figur im Laufe der Handlung suchte. Wunderschön!

Trailer: