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Ab dem 28. November im Kino: „Oddity“, ein weiterer Schattenhit im Horrorgenre des irischen Regisseurs Damian McCarthy, der zuvor mit seinem Debütfilm „Caveat“ überraschte.

In einem abgelegenen Teil eines irischen Dorfes wird die junge Frau Dani ermordet. Ihr Ehemann Ted (Gwilym Lee) ist der Chefarzt der örtlichen psychiatrischen Klinik. Der erste Verdächtige des Verbrechens ist ein Patient dieser Klinik, aber auch er wird nach einiger Zeit mit zertrümmertem Kopf aufgefunden. Ein Jahr später kommt Danis Zwillingsschwester Darcy (Carolyn Bracken spielt beide Mädchen) ins Dorf. Sie ist von Geburt an blind, besitzt aber übersinnliche Fähigkeiten.

In einer Truhe bringt sie eine gruselig aussehende Holzpuppe mit (sie hat eine ganze Sammlung „verfluchter“ Gegenstände, die in ihrem kleinen Laden ausgestellt sind), die ihr zufolge helfen kann, die Todesursache ihrer Schwester zu ermitteln. Ted, der inzwischen eine neue Liebschaft hat (die komische Caroline Menton), ist offensichtlich unzufrieden mit Darcys Besuch und versucht auf jede Weise, sie aus dem Haus zu vertreiben. Darcy erklärt ihm daraufhin, dass sie den Namen des Mörders schon lange kennt. Ted ist verwirrt und verängstigt, und im Haus beginnen unheimliche Dinge zu geschehen.

„Oddity“: irischer Horror, in dem ein böser Geist ein Verbrechen aufdeckt
Standbild aus dem Film „Oddity“

Zunächst einmal ist der Titel „Oddity“ im Deutschen nicht mit der Pentalogie von James Wan über die Missgeschicke eines unglücklichen Familienvaters verbunden. Es ist einfach bequemer für die Verleiher, um Aufmerksamkeit auf einen Film zu lenken, dessen Titel tatsächlich wenig bemerkenswert ist. Im Original heißt er „Oddity“, und wenn man einige Handlungswendungen und die Hauptfigur (eine unheimliche hölzerne Statue) bedenkt, könnte man ihn mit „Vogelscheuche“ oder „Schreckgestalt“ übersetzen. Dies ist der zweite abendfüllende Film des irischen Regisseurs Damian McCarthy, der zuvor den minimalistischen und klaustrophobischen Horrorfilm „Caveat“ drehte.

McCarthys Debüt gefiel Kritikern und Zuschauern so gut, dass der Regisseur sofort eine neue Arbeit in Angriff nahm, die er allerdings erst vier Jahre später veröffentlichte. Angesichts der einfachen (wie auch die Titel) Handlungen seiner Filme, die von spektakulären Jump-Scares wimmeln, könnte der Autor durchaus eine Trilogie anstreben. Zumal es in McCarthys Drehbuch verbindende Elemente zwischen beiden Filmen gibt. Ganz ähnlich wie beim oben erwähnten James Wan, mit dessen Stil (aber nicht im Titel) der Autor definitiv Ähnlichkeiten aufweist.

„Oddity“: irischer Horror, in dem ein böser Geist ein Verbrechen aufdeckt
Standbild aus dem Film „Oddity“

Während auf den Leinwänden derzeit der Art- oder Elevated-Horror (also „erhabener“ Horror) in der Gunst des Publikums schwimmt, bei dem es den Autoren wichtiger ist, langsam die Atmosphäre aufzuheizen und mit dem Zuschauer durch Metaphern für problematische soziale Phänomene zu kommunizieren, erfindet McCarthy mit der Leidenschaft eines begeisterten Künstlers das Rad nicht neu, sondern belebt altmodische Gruselfilme wieder. Er bevorzugt physische Effekte, die einem den kalten Schweiß auf die Stirn treiben, unheimliche Geigen und scheut sich nicht, einem ewig aus der Ecke springenden Makabren neues Leben einzuhauchen.

Manchmal wirkt sich diese Begeisterung für die Form stark auf die Handlung aus, die McCarthy bereits zum zweiten Mal mit einem plumpen Detektivkrimi über einen banalen Mord aus Rache oder, wie im Fall von „Oddity“, mit einem gewöhnlichen Ehebruch vermischt. Aber für das gerinnende Blut und den beschleunigten Puls, wenn McCarthy das Pflaster abrupt abreißt, ohne Zögern unter die Haut kriecht und versucht, an die tiefsten, fast vergessenen Urängste heranzukommen, kann man ihm viel verzeihen. Einschließlich der Ausbeutung gleichzeitig unheimlich komischer und gruseliger Geister, die wie aus „Tales from the Crypt“ oder „Creepshow“ zu stammen scheinen, zusammen mit verlassenen Geisterhäusern, in denen ständig der Wind heult.

„Oddity“: irischer Horror, in dem ein böser Geist ein Verbrechen aufdeckt
Standbild aus dem Film „Oddity“

„Oddity“ ist ein Knoten aus Anspannung, düsterem Humor, Schrecken und einer einfachen Detektivintrige. So oder so wird es hier ein paar Mal gruselig sein, selbst für diejenigen, die sich nicht mehr daran erinnern, warum sie als Kind den Fuß nicht unter der Decke hervorstreckten und mit eingeschaltetem Licht einschliefen. Denn McCarthys Hauptziel ist der Verstand des Zuschauers, dessen Schlaf bekanntlich selbst Monster hervorbringt. Der Regisseur muss nur die Richtung weisen.