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Im breiten Kinostart: „Heretic“. Ein neuer Horrorfilm des angesagten Studios A24, in dem Hugh Grant zu viele Bücher gelesen und seine eigene Religion erfunden hat, die für andere gefährlich ist.

Zwei junge Mormonen-Mädchen – Schwester Barnes (Sophie Thatcher) und Schwester Paxton (Chloe East) – gehen von Haus zu Haus in einer kleinen Stadt und versuchen, Anhänger zu finden. Gegen Abend, etwas müde, machen die Mädchen Halt am Endpunkt ihrer Route – einem Haus am Stadtrand, wo sie den belesenen und höflichen Mr. Reed (Hugh Grant) treffen. Draußen zieht ein Sturm auf, und der lächelnde Brite bietet den Missionarinnen freundlich an, das Unwetter in seinem Wohnzimmer abzuwarten.

Die Mädchen lehnen zunächst ab, willigen aber ein, als sie erfahren, dass Mrs. Reed zu Hause ist und einen Blaubeerkuchen backt. Der zunächst sehr gastfreundliche Mr. Reed offenbart nach und nach seine wahren Absichten, und die Mädchen erkennen, dass sie nicht zufällig in seinem Haus gelandet sind. Doch eine Flucht ist nicht mehr möglich. Es gibt keinen Ausweg: Mr. Reed hat alle Türen verschlossen und schlägt den Schwestern ein Spiel vor, um ihren Glauben zu prüfen.

Ich glaube dir natürlich: Rezension zum Film „Heretic“
Szene aus dem Film „Heretic“

Den neuen Film des Studios drehten die bereits recht bekannten, aber noch nicht in die erste Riege aufgestiegenen jungen Regisseure Scott Beck und Bryan Woods. Nach der Veröffentlichung einiger anspruchsloser Slasher hatten die beiden plötzlich Glück. In ihre Hände fiel das zunächst vielversprechende Projekt „65“, in dem niemand Geringeres als Adam Driver die Hauptrolle spielte. Die Filmemacher steckten all ihr Können und ihre Kraft in das Projekt, aber der Film floppte an den Kinokassen und wurde vom Publikum nicht angenommen. Für Beck und Woods hätte dieses Fiasko eine Einbahnstraße sein können (wenn da nicht das Drehbuch zu „A Quiet Place“ gewesen wäre), aber es geschah ein weiteres Wunder.

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Das Flaggschiff aller Autoren- und skurrilen Horrorfilme, Studio A24, interessierte sich für ihr Drehbuch zu „Heretic“, bot Hilfe an und erlaubte den Filmemachern sogar, den Schauspieler für die Hauptschurkenrolle selbst zu wählen. Und genau da betrat Hugh Grant die Bühne, der seine Karriere gerade mit negativen Charakteren neu belud. Und man muss sagen, Beck und Woods haben voll ins Schwarze getroffen. Grant, der sein engelhaftes Lächeln in ein finsteres Grinsen verwandeln kann, ist in „Heretic“ genau der Begleiter, mit dem es im gesamten Film garantiert nicht langweilig wird.

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Szene aus dem Film „Heretic“

Grants umspieltes, gehaltvolles, plastisches Spiel, das dem Künstler zudem offensichtlich unverhohlene Freude bereitet, fügt sich gut in das zu dritt gespielte Stück im ersten Akt des Films ein. Dabei ist es nicht nur Grant, der in Fahrt kommt – ihm opponieren organisch die zunächst schüchternen, aber mit der Zeit fester werdenden Sophie Thatcher und Chloe East, die zusammen mit der geschickt aufgebauten Spannung ein durchaus fesselndes Ensemble bilden. Auch die Autoren selbst fühlen sich hier sichtlich wohl, streben nicht nach Kürze, sondern schütten buchstäblich die in gegenseitigen Diskussionen geborenen Theorien zur Entstehung der Religion auf die Leinwand, ohne Scheu vor Vergleichen mit Monopoly und anderen wenig bewegten Spielen. Besonders amüsant wirken die Vergleiche von Zitaten Voltaires mit Zitaten von Spider-Man in den gegenseitigen Wortgefechten, die den Generationenbruch fett markieren.

Sobald die Handlung jedoch die Mitte überschreitet und die Zeit für den Abstieg in den dunklen Keller (sprich die Unterwelt) gekommen ist, verfliegt die gesamte oben genannte Stimmung irgendwo. In der genretypischen Geradlinigkeit und den physischen Effekten scheinen sich die Macher von „Heretic“ schlechter auszukennen als in den Krisen der Popkultur. Und hier wird ihnen offenbar langweilig. Als ob Hugh Grant diesen Stimmungswandel spürt, schrumpft er buchstäblich zusammen, versucht sich in John Kramer zu verwandeln, dabei bemüht, das Gesicht von Hannibal Lecter zu wahren. Aber das gelingt ihm offenkundig schlecht, daher platziert die Kamera immer wieder sein verunsichertes Gesicht in der Dunkelheit, und die Hauptlast liegt bereits auf Thatcher und East. Diese wiederum kommen auch damit recht geschickt zurecht.

Ich glaube dir natürlich: Rezension zum Film „Heretic“
Szene aus dem Film „Heretic“

Trotzdem lässt sich „Heretic“ buchstäblich in einem Zug sehen. Es ist schwer, vom Bildschirm loszukommen. Zu fürchten gibt es hier nicht viel, den Autoren war es wichtiger, mit einer auffälligen Verpackung eines modischen Brettspiels zu prahlen, als den Zuschauer mit dessen Inhalt vertraut zu machen. Und wohl auch, um noch einmal daran zu erinnern, dass Wissen zwar Macht ist. Aber das Lesen kluger Bücher sollte man manchmal mit Spaziergängen an der frischen Luft auflockern. Das ist für alle sicherer.