
Das finale Kapitel der Abenteuer des zynischen Symbionten und seines Wirtsfreundes ist in den Kinos angelaufen. Wie „Venom: The Last Dance“ geworden ist, erfahren Sie in unserer Rezension.
Eddie Brock (Tom Hardy) und Venom kehren nach dem Multiversum-Kollaps, den Peter Parker im Film verursacht hat, in ihr Heimatuniversum zurück. Bei ihrer Ankunft erfahren sie, dass es ihnen dort schlecht ergeht: Ihnen wird der Mord an Detective Mulligan (Stephen Graham) vorgeworfen. Eddie kommt ein abgefahrener Plan: Er will nach New York reisen, um einen Richter zu erpressen und so seinen Namen reinzuwaschen.
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Open materialDoch das Duo schafft es nicht ohne Probleme nach „Big Apple“. Während des Transports à la Tom Cruise in der fünften „Mission: Impossible“ wird es von einem Monster angegriffen, das vom Schöpfer der Symbionten Knull (Andy Serkis) gesandt wurde. Doch damit nicht genug: Rex Strickland (Chiwetel Ejiofor), Kommandeur des streng geheimen Programms „Imperium“, jagt sie.

Über den dritten „Venom“-Film kann man dasselbe sagen wie über die beiden Vorgänger. Man kann wieder die Chemie zwischen Tom Hardy und seinem CGI-Partner loben, sich wieder über das dumme Drehbuch lustig machen, aber letztlich zu dem Schluss kommen, dass der Film erträglich, aber mittelmäßig ist.
„Venom“ ändert sich von Film zu Film kaum. Und es spielt keine Rolle, wer im Regiestuhl sitzt, das Ergebnis bleibt dasselbe. Der Kontext der Veröffentlichung der einzelnen Teile unterscheidet sich jedoch erheblich.

Die Aufregung um den ersten Film war auf das große Zuschauerinteresse am gesamten Genre zurückzuführen. Schuld daran waren „Avengers: Infinity War“. Die Fortsetzung war zwar schwächer, kam aber am Vorabend von „No Way Home“ heraus, einem Fan-Service-Crossover, in dem viele den Symbionten, den Erzfeind von Spider-Man, erwarteten. Und – oh Wunder! – es geschah: Eddie Brock wurde tatsächlich in das MCU versetzt.
Aber wie man so schön sagt: Das Lied war nicht lange zu hören, der Tanz nicht lange getanzt. Die Reise zu Kevin Feige beschränkte sich auf zwei Post-Credit-Szenen, dann kehrten die Figuren wohlbehalten unter die Fittiche von Amy Pascal in das Sony-Filmfranchise zurück. Dort gesellten sich die hoffnungslos schlechten „Madame Web“ und „Morbius“ zu ihnen.
Zudem erreichte die Superhelden-Müdigkeit im letzten Jahr ihren Höhepunkt. Ein anschauliches Beispiel dafür sind die Kassenschlappen der wichtigsten Genre-Neuheiten. Dieser Trend verstärkt sich von Jahr zu Jahr, obwohl es Ausnahmen gibt, wie .

Der neue „Venom“ hatte einfach Pech, im Jahr 2024 herauszukommen. Es ist immer noch nicht der schlechteste Superheldenfilm. Zumindest ist er um einiges besser als der erwähnte „Madame Web“: Langweilig kann man ihn sicher nicht nennen. Aber andererseits gibt es auch nichts, was man an „The Last Dance“ wirklich loben könnte.
Die Geschichte ist eine Ansammlung von billigen Klischees. Am besten sieht man das am Beispiel des Bösewichts. Sony wird offenbar aus Knull einen eigenen Thanos machen wollen, aber bisher haben sie ein gesichtsloses Etwas wie Malekith aus dem zweiten „Thor“ bekommen. Die Figur von Andy Serkis ist ein unscheinbares „großes Übel“ ohne klare Ideologie oder Motivation. Allerdings kommt sie hier auch viel zu kurz.

Auch der Antagonist aus der Menschenwelt – Rick Strickland – kann nicht als auch nur annähernd interessant bezeichnet werden: ein gewöhnlicher Militarist, der nach Vorschrift handelt und eine Invasion von Außerirdischen fürchtet. Im Vergleich zu ihm ist selbst Colonel Quaritch aus der Inbegriff von Drehbuchkunst. Interessanterweise wird er von Chiwetel Ejiofor gespielt, Baron Mordo aus den „Doctor Strange“-Filmen. Und dieser Umstand wird im Film nicht einmal im ironischen Sinne aufgegriffen.
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Allerdings war die Venom-Trilogie nie für gut geschriebene Bösewichte bekannt. Aber auch bei den Hauptfiguren ist die Situation im dritten Teil leider deprimierend. Hier liegt es nicht an den Klischees. In den vorherigen Teilen beruhte die Chemie zwischen ihnen auf der, wenn man so will, co-abhängigen Natur ihrer Beziehung. Venom und Eddie stritten sich ständig, kamen zusammen und trennten sich. Im dritten Film haben sie bereits ein eingespieltes Team gebildet.
Da stellt sich die Frage: Was ist daran schlecht? Es stellte sich heraus, dass ohne diesen Konflikt mit der obligatorischen Versöhnung am Ende die Leinwandchemie nicht so gut funktioniert. Wenn Eddie (ohne Beteiligung des Symbionten) gezwungen ist, einen Menschen zu töten, fängt er zwar an, auf seinen Kameraden zu schimpfen, aber diese Linie reißt sofort ab.

Um zum Thema Drehbuchprimitivismus und narrativer Plattitüden zurückzukehren: Die Helden in „The Last Dance“ sind auch Träger eines „MacGuffins“ namens Codex. Dieser erschien bei Venom, als er im ersten Film Brocks Leben rettete. Warum erfahren wir erst jetzt davon? Eine rhetorische Frage.
Mit diesem Codex kann man Knull aus seiner Gefangenschaft auf Klyntar befreien. Praktisch, nicht wahr? Noch besser wäre es, wenn er selbst den Zuschauern diesen ganzen expositorischen Schnickschnack um die Ohren hauen würde, dachte sich die Drehbuchautorin Kelly Marcel und fügte es ohne Scheu ganz am Anfang ein – mag ein Fauxpas sein, aber wenigstens pathetisch!

Aber wenn man das Gehirn ausschaltet und die Augen vor den riesigen Handlungslöchern verschließt, besticht der neue „Venom“ gerade durch seine Effekthascherei. Die erste Actionszene zum Song Hold the line erfreut mit Dynamik und Inszenierung. Und solche Momente gibt es reichlich. Der Tanz des Symbionten mit Mrs. Chen (Peggy Lu) zum unsterblichen Hit von ABBA ist schlichtweg ein Meisterwerk, das einfach dazu bestimmt ist, als Meme die Runde zu machen.
Einzig das für die Reihe traditionelle CGI-Gewusel am Ende trübt aus dieser Perspektive etwas die Freude, aber das wird durch die Größenordnung des Geschehens auf der Leinwand wettgemacht. Ich halte es nicht für nötig, auf Spoiler zurückzugreifen, ich sage nur, dass für Liebhaber von Bild-für-Bild-Analysen reichlich Referenzen eingebaut wurden.

Doch so gut diese einzelnen Fragmente auch sein mögen, das Gesamtbild enttäuscht eher. Es wäre angebracht, hier eine Parallele zum wichtigsten Kinomix des Jahres 2024 zu ziehen – „Deadpool & Wolverine“. Im Grunde ist es dieselbe Ware vom seelenlosen Fließband der Geldverdienerei, dieselbe Mischung aus Fan-Service und Stand-up, aber es ist zumindest talentiert zusammengebastelt.
„Venom: The Last Dance“ hingegen ist ein Unternehmensprodukt ohne jede Eigenständigkeit. Es hinterlässt keine starken Emotionen und droht bereits eine Stunde nach dem Anschauen aus dem Gedächtnis zu verschwinden. Nicht einmal das Ende, das eine offensichtliche Technik einsetzt, um den Zuschauer zu rühren, kann die Situation retten.
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