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Am 14. November erreicht „Milliardär in den Slums“ die heimischen Kinos, eine chinesische Komödie über einen Milliardär, der beschließt, seinen Sohn unter Bedingungen der Armut zu erziehen. Warum man den Kassenschlager aus dem Reich der Mitte nicht v...

Ma Jie lebt in einem benachteiligten Stadtviertel. Die finanzielle Lage seiner Familie kann als „sehr schwierig“ bezeichnet werden. Jeden Tag legt er mehrere Kilometer von zu Hause zur Schule zurück, weil ihn niemand mitnehmen kann und es kein Transportmittel gibt. Doch Jie ahnt nicht, dass er überall von professionellen Schauspielern umgeben ist und jeder seiner Schritte von Sicherheitsleuten verfolgt wird. Sie alle sind Teil eines Erziehungsexperiments, das vom Vater des Jungen (Shen Teng) geleitet wird.

Szene aus dem Film „Milliardär in den Slums“
Szene aus dem Film „Milliardär in den Slums“

Der auf dem Werbematerial des Films prangende Slogan „„Der Sklave“ trifft „Die Truman Show““ ist kein leerer Clickbait, um Publikum anzulocken, sondern eine ziemlich treffende Bemerkung der Verleiher. „Milliardär...“ ähnelt stellenweise tatsächlich schmerzhaft beiden Filmen, jedoch mit dem Vorbehalt, dass er tonal näher am ersten ist.

Während jedoch unser „Der Sklave“ die Vertreter der goldenen Jugend mit ihrer Abgehobenheit vom Leben einfacher Menschen ironisierte und damit leicht in das Gebiet der Sittenkomödie vordrang, ist die chinesische Neuerscheinung eine reine Situationskomödie. Die Figuren des Films geraten immer wieder in äußerst absurde Situationen und kommen jedes Mal der Entdeckung näher.

Zu beobachten, wie der Vater und seine Untergebenen sich daraus befreien, ist ein reines Vergnügen! Es wird stets von unkonventionellen Lösungen begleitet, die gleichzeitig genial und absurd sind, sowie von äußerst emotionalen, bewusst unrealistischen Darstellungen.

Szene aus dem Film „Milliardär in den Slums“
Szene aus dem Film „Milliardär in den Slums“

„Milliardär in den Slums“ ist ein seltenes Beispiel einer Familienkomödie, die nicht für Kinder geschrieben wurde. Darauf deuten mehrere Faktoren hin. Im Gegensatz zu Grisha (Miloš Biković) und Truman (Jim Carrey) aus den oben genannten Filmen ist Ma Jie nicht die zentrale Figur der Geschichte. Viel mehr Zeit verbringt der Zuschauer mit seinem Vater Chonggan, dessen Rolle der Stammgast des Genres Shen Teng hervorragend spielt. Er äußert regelmäßig hochtrabende Sätze über seine schwierige Kindheit (deren Bedingungen das Experiment nachahmt) und seinen steinigen Weg zum Erfolg.

Der Film selbst ist in gewisser Weise eine Ermahnung an jene Erwachsenen, die träumen, dass ihre Kinder ihren Weg gehen, ihn vollständig wiederholen oder sogar größere Höhen erreichen als sie selbst. Dabei vermeidet der Film trotz dieser so unverhohlenen, direkt vorgetragenen Metapher der elterlichen Kontrolle offene Belehrungen.

Szene aus dem Film „Milliardär in den Slums“
Szene aus dem Film „Milliardär in den Slums“

Doch man muss „Milliardär in den Slums“ zugutehalten: Das hiesige Experiment ist in gewisser Weise auch eine Fundgrube pädagogischer Entdeckungen. Zum Beispiel erhält Ma Jie von Zeit zu Zeit von Passanten und dem Schicksal selbst (an das er zu glauben beginnt) Aufgaben, die darauf abzielen, das in der Schule erworbene Wissen in der Praxis anzuwenden.

Auch die Lektionen des Lebens bleiben nicht aus. Indem er seinen Sohn an finanzielle Bildung, Verantwortung für die Familie und Disziplin gewöhnt, stellt Chonggan seinen Sohn oft vor die Wahl – richtig zu handeln, im Interesse der Familie, oder unangemessen, aus egoistischen Motiven. List und Täuschung gegenüber dem Erben fördert er ebenfalls nicht, obwohl er selbst regelmäßig dazu greift.

Szene aus dem Film „Milliardär in den Slums“
Szene aus dem Film „Milliardär in den Slums“

Doch die Sympathie des Zuschauers wandert allmählich auf die Seite des jungen Jie. Denn eine solche Erziehung unter extremen Bedingungen hat absolut nichts mit einer schwierigen finanziellen Lage zu tun. Die Hauptfiguren imitieren nur die Zugehörigkeit zu sozial benachteiligten Schichten, während sie in Wirklichkeit auf großem Fuß leben. Sie streben danach, dem Jungen Selbstständigkeit zu vermitteln, obwohl sie selbst sich dieser nicht rühmen können.

Im dritten Akt macht die Geschichte einen Zeitsprung von zehn Jahren nach vorne, und das ist wohl der umstrittenste Aspekt des Films. Einerseits steigen die Spannung und der Grad der Absurdität exponentiell. An manchen Stellen brechen sogar Elemente der schwarzen Komödie durch. Der ergraute Chonggan scheut keine Mühen, um die Legende aufrechtzuerhalten, aber das gelingt ihm nur mit wechselndem Erfolg, denn Jie ist kein kleiner Junge mehr, dem man jede Dummheit auftischen kann.

Aber andererseits zerstört genau dieser Zeitsprung die bis dahin stimmige Dynamik des Werks. Zudem sind 135 Minuten eine ungerechtfertigt lange Laufzeit für eine Familienkomödie, so erfinderisch sie auch in der Absicht sein mag, den Zuschauer zum Lachen zu bringen.

Szene aus dem Film „Milliardär in den Slums“
Szene aus dem Film „Milliardär in den Slums“

Zusammenfassend ist „Milliardär in den Slums“ zwar nicht perfekt, aber eine äußerst unterhaltsame Genre-Neuheit, die den Zuschauer systematisch mit Witz verwöhnt und ihn nicht langweilen lässt.

Trailer: