
In den russischen Kinos startete ein komödiantisch-dramatischer Actionfilm, produziert von Luc Besson. Er war auch Co-Autor des Drehbuchs. Was „Weekend Agent“ ausmacht – in unserer Rezension.
Nach der Handlung des Films „Weekend Agent“ gerät der koreanische Oligarch Kwon (Sung Kang) ins Zentrum eines großen Korruptionsskandals. Umweltaktivisten (einer davon ist sein Adoptivsohn) verklagen ihn weltweit wegen Wilderei und Umweltverschmutzung, und in den USA ermittelt die Drogenbekämpfungsbehörde (DEA) gegen ihn, weil er unter dem Deckmantel von Meeresfrüchten und Konserven heimlich Heroin transportiert. John (Luke Evans), ein Spezialagent, träumt seit über fünfzehn Jahren davon, Kwon hinter Gitter zu bringen.
Und endlich bietet sich ihm eine Gelegenheit – auf seine Postadresse kommt ein anonymer Brief mit belastendem Material gegen den „Besitzer von Fabriken, Zeitungen und Dampfschiffen“. Er reist ohne Erlaubnis, gegen das Verbot seiner Vorgesetzten, nach Taipeh, um unwiderlegbare Beweise für Kwons Verbrechen zu erhalten. Vor 15 Jahren war er bereits mit derselben Mission in Taiwan, aber damals war sie nicht von Erfolg gekrönt.

Wenn Ihnen das oben Beschriebene interessant oder zumindest vielversprechend erschien, muss ich Sie leider enttäuschen: „Weekend Agent“ handelt nur am Rande vom Kampf der Spezialagenten gegen die Drogenmafia. Viel mehr Aufmerksamkeit wird der Handlung um die Familie des Haupthelden gewidmet. Kwons Frau (Lunmei Kwai) entpuppt sich als das Mädchen, in das der Held bei seiner vorherigen Mission in Taipeh verliebt war, und der Stiefsohn des Bösewichts, Raymond (Wyatt Yang), ist sein leiblicher Sohn. Und das ist nicht einmal ein großer Spoiler: Die Zuschauer erfahren dies bereits im ersten Drittel der Laufzeit.

Von Anfang an beginnt das Drehbuch zu bröckeln. Für John ist es irgendwie eine große Offenbarung, dass seine Ex-Frau seinen Erzfeind geheiratet hat. Und da ist es unklar, wem man die Schuld geben soll – denen, die diesen Unsinn geschrieben haben, oder der Kompetenz von Luke Evans‘ Figur, die als Spezialagent, der seit fünfzehn Jahren gegen Kwon ermittelt, nichts davon erfahren konnte. Und das, obwohl Joey in Taipeh keineswegs ein zurückgezogenes Leben führt.
Und solche szenarischen Ungereimtheiten und Patzer gibt es in dem Film in einer geradezu unanständigen Anzahl. Zum Beispiel erwischt Kwon Raymond beim Diebstahl seines Notizbuchs und verhört ihn mit Nachdruck. Letzterer hat genug Verstand, eine falsche Spur zu einer anderen Hotelnummer zu geben, anstatt zu der, in der die DEA-Kommandos untergebracht sind, nachdem ihnen das Notizbuch geliefert wurde. Nur hätte er in diesem Moment jedes andere Hotel nennen können, um die Spezialagenten zu schützen. Allerdings würde man die Zuschauer dann um eine Actionszene bringen.

Man könnte dem Film viel verzeihen, wenn dieser handwerkliche Unsinn durch wilde Kampfszenen und Verfolgungsjagden wettgemacht würde. Und einerseits sind das Gemetzel in der Küche zu Beginn des Films oder die Hotelszene gar nicht schlecht gemacht – blutig, dynamisch und ein wenig zynisch. Die Choreografie der Kämpfe erreicht zwar nicht die John-Wick-Reihe, erfreut aber dennoch durch Kreativität und Komplexität der Inszenierung.
Doch je näher man dem Finale kommt, desto mehr verliert die Action an Realismus und auch an Einfallsreichtum und verwandelt sich zunehmend in einen typischen „Hongkong-Actionfilm“, und zwar der Kategorie B, denn das lokale „Gun-Fu“ konnte nicht mit dem eleganten „Kugelballett“ mithalten, das in den Filmen von John Woo zu finden ist. Der wahre Höhepunkt dieser Tendenzen war der Sprung des Haupthelden durch die Seitenscheibe eines mit voller Geschwindigkeit vorbeifahrenden Autos. Das ist nicht einmal mehr die Hongkong-Schule – das ist purer Bollywood!

Was das lokale Kolorit betrifft, so steht es auch damit in „Weekend Agent“ nicht gut. Obwohl die düsteren Vorspanntitel unter einem chinesischen Remix von Paint it Black der Rolling Stones das Gegenteil vermuten lassen. In Wirklichkeit würde sich im Film nichts Grundlegendes ändern, wenn man Taipeh durch eine andere asiatische Metropole wie Tokio, Shanghai oder Seoul ersetzen würde.
Nach dem Anschauen von George Huangs Film stellt man sich nur eine Frage: Hat Luc Besson selbst tatsächlich aktiv daran mitgewirkt, wie in den Promomaterialien behauptet wird, oder hat er einfach nur Geld für die Produktion bereitgestellt, ohne sich richtig in das Drehbuch einzulesen? Und die zweite Variante klingt viel plausibler. Allerdings kann man „Weekend Agent“ seltsamerweise auch nicht als katastrophal schlecht bezeichnen. Es ist eher ein unnötiger und unspektakulärer Durchschnittsfilm als ein Misserfolg. Fairerweise muss man sagen, dass er sogar unterhalten kann: die einen mit nicht besonders raffinierten, aber amüsanten Sprüchen der Figuren, die anderen mit der unbeabsichtigten Lächerlichkeit des Geschehens auf der Leinwand.
Trailer:
„Weekend Agent“ ab 3. Oktober in allen Kinos.
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