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In den russischen Kinos läuft „Mein Pinguin“, ein rührendes Melodram über die Freundschaft zwischen einem Fischer und einem Pinguin mit herausragender Kameraführung. Was diesen Film noch interessant macht – in unserer Rezension.

Der Fischer João (Jean Reno) hat vor vielen Jahren seinen Sohn verloren, woraufhin er sich in sich selbst zurückzog und von seiner Umgebung abschottete. Nun führt er ein fast einsiedlerisches Leben und reduziert den Kontakt selbst zu früheren Freunden und Kollegen auf ein Minimum. Doch eines Tages findet João am Ufer einen in Ölschlamm steckenden Pinguin und beschließt, den Vogel zu pflegen und dann in seinen gewohnten Lebensraum zurückzubringen. Der Pinguin, der von einem örtlichen Mädchen den Namen Dindim erhält, schließt sich jedoch so sehr an seinen neuen Freund an, dass er immer wieder zurückkehrt.

Szene aus dem Film „Mein Pinguin“
Szene aus dem Film „Mein Pinguin“

„Mein Pinguin“ hebt sich unerwartet von der Masse blasser Geschichten über die Freundschaft zwischen Mensch und Tier ab. Und nein, nicht weil im Bild ein echter Pinguin zu sehen ist und kein CGI-Modell, was die Macher in Interviews besonders betonen. Das stimmt übrigens nur teilweise, denn der Film scheut nicht vor Computergrafik in Szenen zurück, in denen Leben und Gesundheit des Vogels gefährdet sind oder die einfach schwer umzusetzen sind. Auch die Tatsache, dass der Film auf wahren Begebenheiten beruht, ist nichts Aufsehenerregendes, da jede zweite ähnliche Geschichte ebenfalls auf tatsächlichen Ereignissen basiert.

„Mein Pinguin“ hätte eine völlig schablonenhafte und daher aus künstlerischer Sicht uninteressante Familienunterhaltung werden können, wenn nicht die Menschen gewesen wären, die ihre Hand an seine Entstehung gelegt haben. Erstens ist anzumerken, dass die dramaturgische Verbindung „Erwachsener mit Trauma + Tier“ besser funktioniert als „Kind + Tier“. Solche Geschichten haben oft mehr Tiefe und Dramatik. Daher sehen beispielsweise „Lulu und Briggs“ mit Tatum oder „Arthur, du bist ein König“ mit Wahlberg weitaus interessanter aus als die kaum voneinander zu unterscheidenden Filme über die Freundschaft zwischen Kind und Hund.

Szene aus dem Film „Mein Pinguin“
Szene aus dem Film „Mein Pinguin“

Zweitens geht es um eine Größe wie Jean Reno, den man in den letzten Jahren nicht allzu oft in einer Hauptrolle sehen konnte. Interessanterweise ist „Mein Pinguin“ der „aktuellste“ Film des Schauspielers seit Jahren, wenn man dem Aggregator Rotten Tomatoes glaubt und „Da 5 Bloods“ von Spike Lee außer Acht lässt, in dem er zwar eine prominente, aber dennoch eine Nebenrolle hatte. Und Reno ist in der Rolle des desillusionierten alten Fischers unglaublich gut. Man glaubt seinem Leinwanddrama, egal welche klischeehaften und vorhersehbaren Wendungen es nimmt.

Drittens balanciert der Film an der Grenze zwischen Familienabenteuer und Dokumentation im Stil von Tiersendungen auf Discovery und Animal Planet. Dies erklärt sich dadurch, dass im Regiestuhl der erfahrene Dokumentarfilmer und Reisende David Schurmann sitzt. Allerdings ist anzumerken, dass „Mein Pinguin“ etwas von seinem Charme verliert, wenn das Duo Reno und Pinguin getrennt wird. Dies wird jedoch durch das Beste am Film kompensiert – die Kameraführung.

Der oscarprämierte Anthony Dod Mantle ist eine lebende Legende seines Handwerks, gleichauf mit Emmanuel Lubezki („Gravity“) und Roger Deakins („1917“). In seiner Filmografie finden sich „Dogville“ und „Antichrist“ von Trier, „Rush“ von Ron Howard, „Snowden“ von Oliver Stone und eine ganze Reihe gemeinsamer Projekte mit Danny Boyle, von denen besonders die Fortsetzung von „Trainspotting“ und „Slumdog Millionär“ hervorzuheben sind, für das er den Oscar erhielt. Anthony erfreut das Publikum nicht nur mit der Perspektive aus den Augen des Pinguins, sondern auch mit anderen unerwarteten Kameratricks, die den Film während Dindims Abenteuern in Patagonien vor Langeweile bewahren.

Szene aus dem Film „Mein Pinguin“
Szene aus dem Film „Mein Pinguin“

Zusammenfassend ist „Mein Pinguin“ ein hervorragender Kandidat für einen Familienfilm. Natürlich steckt er voller Genreklischees, und der Schwerpunkt liegt auf niedlichen Szenen mit dem Vogel, aber vor allem wegen Reno vor der Kamera und Mantle hinter der Kamera hebt sich der Film von seinen Pendants über die Freundschaft zwischen Mensch und Tier ab.

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