
Im Netz ist die schelmische Tragikomödie über Amerikaner auf dem Mond von Apple TV+ erschienen – „Zeig mir den Mond“. Wie der Film geworden ist – lesen Sie in unserer Rezension.
1968. Höhepunkt des Wettlaufs ins All zwischen den USA und der UdSSR. Ein gerissener Bürokrat aus Nixons Administration, genannt Mo (Woody Harrelson), heuert die abenteuerlustige PR-Frau Kelly (Scarlett Johansson) an, um das Apollo-11-Programm zu promoten. Sie reist nach Florida ins Kennedy Space Center, wo sie Cole Davis (Channing Tatum) kennenlernt. Obwohl sie anfangs nicht harmonieren, arbeiten sie zusammen und entwickeln Sympathie füreinander. Doch Kelly muss vor Cole geheim halten, dass Mo sie beauftragt hat, eine alternative Version der Mondlandung zu drehen.

„Zeig mir den Mond“ ist bei weitem nicht das erste Werk, das mit der populären Verschwörungstheorie spielt. Und nicht einmal das erste im Comedy-Genre. So erschien bereits 2015 „The Moon Scam“ mit Ron Perlman und Rupert Grint. Aber während jener Film ein wilder und blutiger Farce war, ist Regisseur Greg Berlanti eine herzliche RomCom mit Elementen beißender politischer Satire im Stil von „Don't Look Up“ und einem Thriller über Betrüger im Stil der Dilogie „Now You See Me“. Und der Film schafft es hervorragend, auf der Grenze der Genres zu balancieren, ohne sich ganz in eines zu stürzen.

Einfach gesagt: Wenn Sie von dem Film bissige Pamphlete gegen Medien, Politiker und Werbeleute erwarten, die bereit sind, mit allem Geld zu verdienen, dann werden Sie eine ganze Reihe von Spitzen, symbolträchtigen Szenen und Anspielungen entdecken. Irgendwann kann man sich sogar dabei ertappen, zu denken, man sehe eine neue Satire von Adam McKay. Darüber hinaus thematisiert „Zeig mir den Mond“, wenn auch am Rande, die Problematik von Simulakren im Informationsraum und das Phänomen der Post-Truth (wo „wie gezeigt“ über „was gezeigt wird“ steht). Besonders beredt in diesem Kontext ist die Szene, in der die Helden nicht verstehen können, woher die live gezeigten Aufnahmen stammen – vom Mond oder aus seiner nachgebauten Studio-Kopie.
Und auch ohne die bissige Verspottung ist es ein urkomisches und äußerst einfallsreiches Spektakel, das reichlich subtilen Dialog-Humor und ebenso gelungenen visuellen Humor bietet. Und die Höhepunktszene mit der gefälschten Landung ist schlichtweg ein Meisterwerk!

„Zeig mir den Mond“ funktioniert auch hervorragend als Komödie über Abenteurer. Jeder Trick, den Johanssons Figur anwendet, um diesen oder jenen Beamten zu täuschen, ruft echte Bewunderung hervor. Wenn es um einen unnachgiebigen Politiker geht, der meint, Interkontinentalraketen seien wichtiger als die Raumfahrt, kommen Zeichnungen einer potenziellen sowjetischen Basis mit einem riesigen, auf die USA gerichteten Todesstern-Laser zum Einsatz. Wenn es darum geht, das Vertrauen der Frau eines Senators aus Louisiana zu gewinnen, legt Kelly sich sofort einen charakteristischen Akzent und ein paar treffende Sprüche über die Einzigartigkeit des Bundesstaates zu. Johansson ist unglaublich gut in der Rolle einer weiblichen Version von Frank Abagnale!
Aber vielleicht zeigt sich der Film von seiner aufrichtigsten und intimsten Seite, wenn er den Fokus auf die Liebesgeschichte der Helden legt. Während Kellys Drama darin besteht, dass sie schon als Kind meisterhaft lügen gelernt hat und nicht mehr aufhören kann, ist Coles Drama der Schuldkomplex für das Scheitern der ersten Apollo-Mission und der unerfüllte Traum, NASA-Astronaut zu werden, aufgrund einer diagnostizierten Arrhythmie. Und wenn in diesem Paar aus scheinbar starken und unerschütterlichen Charakteren jemand Schwäche zeigt, verwandelt sich „Zeig mir den Mond“ wunderbar in ein rührendes Melodram. Dazu tragen sowohl die recht überzeugenden schauspielerischen Leistungen als auch der absolut wundervolle Soundtrack von Komponist Daniel Pemberton bei.

Leider floppte der Film an den Kinokassen und spielte weniger als die Hälfte seiner Produktionskosten ein. Dennoch gibt es Grund zur Annahme, dass die Macher in naher Zukunft eine lukrative Preisverleihungssaison erwartet. Es ist unwahrscheinlich, dass Greg Berlatis Film die Preise im Sturm erobern wird, aber die Chancen auf zumindest ein paar Nominierungen sind recht hoch.
Trailer:
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