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Zur beeindruckenden Liste der Autoren-Horrorfilme in diesem Jahr hat sich „Kuckuck“ des deutschen Regisseurs Tilman Singer gesellt. Woran man sich diesen eigenwilligen, aber etwas sekundären Horrorfilm erinnern wird – in unserer Rezension.

Nach der Handlung des Films „Kuckuck“ kommt die 17-jährige Gretchen (Hunter Schafer) mit ihrer Familie in einen Alpenkurort. Ihre Eltern, Architekten, sollen mehrere Hotelkomplexe entwerfen. Gretchen (die Einheimischen versuchen sofort, ihren Namen in die hier wohlklingendere Variante Gretchen umzubenennen) gefällt das neue Zuhause nicht. Sie sehnt sich nach ihrem früheren Leben in New York. Und noch mehr vermisst sie ihre frühere Familie. Die Mutter des Mädchens ist vor nicht allzu langer Zeit tragisch gestorben, der Vater (Marton Csokas) hat bereits wieder geheiratet, und in der neuen Familie gibt es eine Tochter Alma (Mila Lie). Gretchen begegnet ihrer Stiefschwester wenn nicht feindselig, so doch ziemlich kalt, aber Alma bemerkt das kindlich naiv nicht und vergöttert ihre Schwester.

Bei der Ankunft in den märchenhaft schönen und gleichzeitig mit ihren Kiefern beängstigenden Alpen wird Gretchens Familie von einem höflichen, aber manchmal mit kaltem Blick brennenden Herrn König (der imposante Dan Stevens) empfangen. Er bringt sie im örtlichen Hotel unter und bietet Gretchen an, an der Rezeption zu arbeiten, damit sie sich von traurigen Gedanken ablenkt, warnt sie jedoch, dass sie um genau 22:00 Uhr schließen und sofort nach Hause zurückkehren muss. Am besten ohne sich umzusehen. Beim ersten Alleindienst hört das Mädchen ein schreckliches Kreischen auf der Straße und wird von einer furchterregenden Frau verfolgt.

In der Stadt oder auf dem Land: Rezension zum Film „Kuckuck“
Standbild aus dem Film „Kuckuck“

Für das Horrorgenre scheint ein bahnbrechendes Jahr angebrochen zu sein. Mit ihren Arbeiten haben sich nicht nur bedeutende Autoren des Genres hervorgetan (und es stehen noch weitere an, darunter eine eigene Interpretation von „Nosferatu“), sondern auch diejenigen Regisseure, die man als „vielversprechend“ einstuft. Zu letzteren kann man auch den deutschen Regisseur Tilman Singer zählen, der einen weiteren Vertreter des Elevated Horror auf die Leinwand gebracht hat, der wie alle versucht zu erschrecken, aber aus Trägheit auch eine Dramaturgie des Traumas in einem breiten Spektrum betreibt: von jugendlicher Rebellion bis hin zu Fragen der Leihmutterschaft.

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Roman Kovalev
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Manchmal sieht es so aus, als hätten den Film „Schwestern“ zum Beispiel Sergei Bodrov Jr., David Lynch und David Cronenberg gedreht. Und zwar abwechselnd. Gelegentlich würden auch Stanley Kubrick und Leonid Gaidai vorbeischauen und Anweisungen geben. Ein solches Gepäck von den Klassikern gibt gewisse Hoffnungen, die der Autor gekonnt erfüllt. Allerdings hauptsächlich aus künstlerischer Sicht. Die Optik des Films „Kuckuck“ nimmt von den Meistern das Beste: ein schönes, prägnantes Bild mit immer noch aktuellem New Wave auf dem Soundtrack, düstere, verlassene Hotels, verstreute psychologische Studien und unerwartet einfache und lustige Comedy-Gags.

In der Stadt oder auf dem Land: Rezension zum Film „Kuckuck“
Standbild aus dem Film „Kuckuck“

Besonders gut sind die kurzen hypnotischen Einschübe, in denen die infernalischen Schreie aus dem Wald die Zeit einfrieren. Kurz gesagt, auf der Leinwand sind wieder die im Kino derzeit angesagten 80er Jahre zu sehen, aber mit Singers eigener Vision (Smartphones koexistieren hier ganz bequem mit Kassettenrecordern und alten Anrufbeantwortern). Und natürlich ist es zeitweise erfinderisch gruselig, wie es sich für einen angesagten Horrorfilm gehört. Diese emotionalen Achterbahnfahrten sind die treibende Kraft des ersten Drittels des Films.

Eine andere Sache ist es, wenn im zweiten Drittel des Films „Kuckuck“ diese dröhnenden Horror-Elemente (zusammen mit nervösem Lachen) enden und so etwas wie ein Detektivfilm mit völlig fremdartigen und lächerlichen Schießereien beginnt. Dann beginnt dieses monströse Gebilde stark zu wanken und überlebt kaum bis zum Finale, zerrissen zwischen mehreren Gedanken gleichzeitig. Aber sie alle gleichen eher durchsichtigen Andeutungen und geheimnisvollen Zwinkern. Singer brennt nicht darauf, etwas zu erklären. Allerdings hat er das Wichtigste erreicht: Der Film hält während der gesamten Laufzeit die Spannung aufrecht, damit der Zuschauer die Kraft hat, all das zu entwirren, was dort auf einen Haufen geworfen wurde.

In der Stadt oder auf dem Land: Rezension zum Film „Kuckuck“
Standbild aus dem Film „Kuckuck“

Die einzige Frage, die nach dem Anschauen in der Luft hängt, verwandelt „Kuckuck“ auf erstaunliche Weise in eine Art Remake von „Schwestern“ aus dem Jahr 2001 und macht gleichzeitig alle Bemühungen des Autors zunichte, sich an die Genre-Grenzen zu halten. Was soll ein Teenager tun, wenn Erwachsene mit Auseinandersetzungen beschäftigt sind und noch dazu wahllos in verschiedene Richtungen schießen? Singers Antwort ist ziemlich offensichtlich: sich nicht in den Kampf einmischen, sondern leise an der Seite stehen. Die kleine Schwester vor Gefahr schützen und bei der ersten Gelegenheit fliehen. Oder besser noch, gar nicht erst in die abgelegene Wildnis fahren, wo seltsame Dinge passieren. Um diesen, sagen wir es direkt, einfältigen sozialen Kommentar zu hinterlassen, brauchte Singer seltsamerweise Monster und Zeitexperimente. Warum? Damit alles schöner aussieht. Schließlich ist im Kalender das Jahr 2024, nicht 2001.