
Im breiten Verleih läuft der stürmische indische Actionfilm „Kampfansage“, in dem alle im Liegewagen eines beschleunigenden Zuges kämpfen und weinen. Was dabei herausgekommen ist – in unserer Rezension.
Der junge und gutaussehende Spezialeinheitssoldat Amrit (Lakshya) möchte die nicht minder junge und schöne Tulika (Tanya Maniktala) heiraten. Gegen die morganatische Ehe spricht sich Tulikas reicher und mächtiger Vater aus, der seine Tochter mit dem Sohn eines wohlhabenden Geschäftsmanns verheiraten will. Das gemeinsame Kapital der beiden Magnaten soll die Familie für viele Jahre absichern. Tulika ist natürlich nicht mit der Entscheidung ihres Vaters einverstanden, erzählt ihm aber nichts von ihrer heimlichen Liebe und träumt davon, bei der erstbesten Gelegenheit aus den Augen ihres Vaters zu verschwinden. Bald bietet sich diese Gelegenheit.
Tulika reist mit ihrer Familie mit dem Zug nach Neu-Delhi, um alle offenen Fragen bezüglich der Hochzeit endgültig zu klären. Im selben Zug reist auch Amrit. Bei der Ankunft am Zielort verabreden die beiden, zu fliehen und heimlich zu heiraten. Diesem glücklichen Umstand könnte jedoch ein weiteres Problem im Wege stehen. Unterwegs wird der Zug von einer Bande von Messerstechern überfallen, um die Passagiere auszurauben und ihnen Geldbörsen und Handys abzunehmen. Als sie jedoch erfahren, dass in einem der Waggons ein Magnat mit seiner Familie reist, nimmt die Sache eine andere Wendung. Für die Banditen ist das ein echter Jackpot.

Der Film des Bollywood-Regisseurs Nikhil Nagesh Bhat „Kampfansage“ wurde nicht nur in seiner Heimat zum Hit, sondern eroberte auch die anspruchsvollen westlichen Filmemacher und Kritiker so sehr, dass sowohl er als auch seine Produktionsfirma bereits verkündet haben, ein amerikanisches Remake von „Kampfansage“ zu drehen. Stahleski ist zu verstehen: Nicht jeden Tag wird einem mit coolen Kämpfen ohne Beteiligung weltbekannter Leinwandstars die Nase gerieben.
In den russischen Verleih ist offiziell der vierte Teil der Franchise „John Wick“ gekommen. Die Geschichte über einen Killer, der ursprünglich Banditen für den Mord an seinem Hund und den Diebstahl seines Autos rächte, wird immer weiter ausgebaut.
Open materialÜbrigens, wenn man Hollywood erwähnt, ist „Kampfansage“ ein Gemeinschaftsprodukt. Die Firma Lionsgate hat ebenfalls zur Entstehung des Films beigetragen, indem sie eine kompakte Laufzeit und ein poliertes Bild lieferte. Die Bollywood-Macher waren für den Rest verantwortlich, einschließlich des reichen lokalen Kolorits, der übermäßigen Emotionalität und der brutalen Schlägereien. Für deren Inszenierung war übrigens der koreanische Spezialist Se Yeong Oh verantwortlich, der die Choreografie der Kampfszenen in der Dystopie „Snowpiercer“ leitete.
Der Kultfilm „Memories of Murder“ erscheint im legalen Online-Verleih in Russland. Ein guter Grund, sich das koreanische Meisterwerk des Regisseurs von „Parasite“ und „Snowpiercer“ anzusehen.
Open materialAllerdings hat der Regisseur von „Kampfansage“ diesmal auf eine detaillierte Darstellung der sozialen Schichtung verzichtet, wie es beispielsweise Dev Patel kürzlich in „Monkey Man“ tat, und sich auf überfüllte Liegewagen und schlechte Waffen beschränkt, die beim ersten Schuss explodieren, weshalb die Angreifer lieber mit Messern und Äxten arbeiten.
In seinem Regiedebüt „Monkey Man“ liefert der Star aus „The Green Knight“, Dev Patel, atemberaubende Action und führt den Zuschauer in die Kultur Indiens ein. Was dabei herausgekommen ist – in unserer Rezension.
Open material
Die Inspirationsquellen von Nikhil Bhat sind sofort erkennbar. Hier sind sowohl „The Raid“ als auch der zweite Teil von „Under Siege“ mit Seagal, derselbe „Snowpiercer“ und sogar möglicherweise „Train to Busan“. Der Regisseur setzte auch auf die bewährte Karte der atemberaubenden Ultragewalt und übertrifft darin seine asiatischen Kollegen bei weitem. Nikhil Bhat schont niemanden – weder Helden noch Schurken. An der Endstation werden bei weitem nicht alle Beteiligten ankommen. Es wird Ströme von Schweiß, Blut und vor allem Tränen vergießen. Die Angreifer und ihre Opfer sind Mitglieder verschiedener großer Familien (aber manchmal scheint es, als wären sie eine). Und jeder Verlust, selbst nur eines von ihnen, wird von beiden Seiten lange und ernsthaft betrauert. Das sorgt manchmal für ein Lächeln, aber Nikhil Bhat ist dabei undurchdringlich ernst.
Überhaupt ist die Körperlichkeit einer der Hauptvermittler des Films „Kampfansage“. Die stürmischen Schlägereien finden hauptsächlich in den engen Räumen des Gemeinschaftswagens statt, wo man sich kaum richtig entfalten kann. Daher befindet sich die Kamera oft in einer klaustrophobischen Umgebung mit einem engen Geflecht aus Armen, Beinen, Messern und Köpfen der Beteiligten. Vom Bildschirm aus kann man manchmal körperlich die stickige Luft und den Schweißgeruch der verschwitzten Hemden spüren. Aber desto einfallsreicher wird die Fantasie der Kapriolen. Ein paar Szenen daraus werden definitiv in die Klassiker der Bildschirmkämpfe eingehen. Dabei entsteht nicht das Gefühl, dass der Regisseur über seine Verhältnisse springen wollte. Alles ist schwungvoll, aber mit Geschmack präsentiert.
Und manchmal, wenn er Pausen zwischen Amrits wahnsinnigen und wütenden Berserker-Ausbrüchen macht, denkt Nikhil Bhat traurig darüber nach, dass allen Passagieren dieses Zuges das Ganze längst zum Hals heraushängt. Man möchte einfach mal richtig leben, keine Züge überfallen, keine Angehörigen durch sinnlose Gewalt verlieren und nicht gegen den eigenen Willen heiraten. Der Regisseur sagt wie müde: Schaffner! Tritt auf die Bremse!
Commentaires
0Aucun commentaire pour le moment.
Connectez-vous pour participer à la discussion.