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Im breiten Verleih läuft der Folk-Horrorfilm „Die Besessene“, ein Film, der nicht durch Mystik erschreckt, sondern durch die Lebensweise eines einzelnen österreichischen Dorfes.

Die Handlung des Films „Die Besessene“ spielt in Österreich Mitte des 18. Jahrhunderts. Die junge Frau Agnes (Anja Plaschg) bereitet sich darauf vor, den wohlhabenden örtlichen Bauern Wolf (David Scheid) zu heiraten und das Elternhaus zu verlassen, in dem sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder lebte. Die Ehe scheint nicht aus Berechnung, sondern aus aufrichtiger Liebe geschlossen zu werden (so scheint es zumindest am Anfang). Wolf ist ein fürsorglicher, pragmatischer Mann, hat bereits ein Häuschen am Dorfrand gekauft, und es scheint, als stünde den Eheleuten eine glänzende Zukunft bevor. Doch alle Träume und Hoffnungen von Agnes zerplatzen bereits in der ersten Hochzeitsnacht (und auch in den folgenden), als der Ehemann sich rundweg weigert, sie zu berühren.

Die verblüffte Agnes hat Angst davor. Und dann taucht auch noch die stets unzufriedene Schwiegermutter (Maria Hofstätter) häufiger in ihrem Haus auf, als ihr lieb ist, und schikaniert die Schwiegertochter ständig mit Vorwürfen wegen eines nicht zubereiteten Abendessens oder nicht weggeräumter Pfannen. Kurz gesagt, alles entwickelt sich wie in einem Märchen über die böse Stiefmutter und das Stiefkind, die Kulisse erinnert an die der Brüder Grimm oder Charles Perraults. Ein fruchtbarer Boden für eine fast dokumentarische Chronik über Einsamkeit und die Angst, nicht zu genügen.

Draußen vor dem Fenster ein Märchen mit unglücklichem Ende: Rezension zum Film „Die Besessene“
Standbild aus dem Film „Die Besessene“

Obwohl alle versuchen, Agnes zu überzeugen, dass sie hier dazugehört und nichts zu befürchten hat, fühlt sie sich aufgrund ihres Charakters und ihres labilen seelischen Gleichgewichts nicht so. Alle aufrichtigen Absichten des Mädchens, ein gemütliches Zuhause zu schaffen, ein Kind zu bekommen und ein normales Leben zu führen, stoßen zunächst auf kaltes Misstrauen und dann auf offene Feindseligkeit, die selbst die Filmemacher nicht zu erklären wagen. Agnes tut nichts Schlechtes, aber die Sache ist die, dass sie auch außerhalb der verknöcherten Regeln und Traditionen leben möchte: Schmetterlinge bewundern, im Gras liegen, dem Wald lauschen.

Und unter den Bedingungen schwerer körperlicher Arbeit, seltener, eher verzweifelter als fröhlicher Gelage, endlosen Klatsches und ewig grauer Wolken ist das nicht nur falsch, sondern schlichtweg tödlich, auch wenn der Raum der „Besessenen“ nur bedingt patriarchalisch ist. Der einzige Mann, der einigermaßen Leinwandzeit bekommt, ist Wolf, aber auch er steht unter dem Joch seiner despotischen Mutter. Die unglückliche Agnes bekommt am Ende weder das ersehnte Kind, noch die Unterstützung ihres Mannes, noch Solidarität von ihrer Schwiegermutter, noch Verständnis von ihrer eigenen Mutter, die sie zurückschickt, als sie um Hilfe bittet. Kein Wunder, dass das Mädchen bald langsam in eine Depression verfällt, und von dort ist es nicht mehr weit bis zum Abgrund.

Draußen vor dem Fenster ein Märchen mit unglücklichem Ende: Rezension zum Film „Die Besessene“
Standbild aus dem Film „Die Besessene“

Der frische österreichische Horrorfilm des Regieduos Veronika Franz und Severin Fiala („Ich seh, Ich seh“, „The Lodge“, „Das Dienstmädchen“) wurde von der immer stärker werdenden Firma Shudder unter ihre Fittiche genommen, die keine Scheu hat, Debütanten kreative Freiheit zu geben und Autorenprojekten hauptsächlich im Horrorgenre grünes Licht zu geben. Dazu gehören zum Beispiel der kürzliche kleine Hit „Late Night with the Devil“ und der umstrittene Post-Slasher „The Undead“.

Dieses Mal jedoch ging Shudder ein Risiko ein und grub tiefer, indem es einem Produkt anderer Art einen Vorschuss gewährte, das wenig an das Genre im herkömmlichen Sinne erinnert. „Die Besessene“ ist nicht einmal ein modischer Post-Horror, sondern eher ein existenzieller Thriller, eingehüllt in die Chthonie skandinavischer Wälder, die wie aus Filmen von Robert Eggers entsprungen zu sein scheinen. Wenn man sich besonders anstrengt, kann man hier sowohl Handlungsstränge aus „Men“ als auch aus „Poor Things“ finden. Aber während in den beiden letzteren alles irgendwie zum Licht strebte, tendiert es bei den Autoren der „Besessenen“ hauptsächlich zur Dunkelheit, zäh und hoffnungslos wie Sumpfschlamm.

Draußen vor dem Fenster ein Märchen mit unglücklichem Ende: Rezension zum Film „Die Besessene“
Standbild aus dem Film „Die Besessene“

Dass diese düstere Pastorale kein glückliches Ende haben wird, wird bereits im Prolog klar, als die junge Agnes die Leiche einer hingerichteten Frau findet, die zur Schau gestellt wird. Mit diesem schlechten Omen unterstreichen die Autoren lediglich ihre Ehrlichkeit gegenüber dem Zuschauer: Macht euch bereit, es wird noch schlimmer. Und sie haben nicht getäuscht. In der „Besessenen“ fehlen völlig Anzeichen des Irrationalen; dieser Platz wird nicht durch genretypische Horror-Elemente gefüllt, sondern durch beunruhigende Gefühle des nahenden Unheils, die hauptsächlich durch künstlerische Mittel ausgedrückt werden, dank der Optik des Kameramanns Martin Gschlacht (wofür der Film auf der Berlinale verdientermaßen den Preis für herausragende künstlerische Leistungen erhielt).

Es sind zähe Einstellungen des dunklen Waldes, der schwarzen, blutgetränkten Erde, toter Fische mit weißen Augen und klaustrophobischer Erdhütten der Dorfbewohner. Eine gewöhnliche, nicht erfundene historische Chronik, die, wie bekannt, erschreckender sein kann als jeder Dämon unter dem Bett. Franz und Fiala machen keine Zugeständnisse und bieten an, den irdischen Weg der Agnes von Anfang bis Ende zu verfolgen. Aber diese Reise ins Dunkel, erfüllt von Bitterkeit, Angst und Verzweiflung, wird lang und qualvoll sein. Es ist besser, sich vorher darauf vorzubereiten.

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