
In den heimischen Kinos ist ein Detektivthriller über einen destruktiven Kult mit dem Star aus „Stranger Things“ angelaufen, inszeniert von der Tochter von Ridley Scott. Warum „Stadt der Angst“ trotz aller Unebenheiten dennoch Beachtung verdient – we...
Im Zentrum der Handlung steht ein Sozialpsychologe (Eric Bana), der nach der Scheidung von seiner Frau aus den USA nach Deutschland zieht, um an der Universität Berlin zu lehren. Die Ex-Frau schickt vereinbarungsgemäß ihre gemeinsame Tochter Mazzy (Sadie Sink) für ein halbes Jahr zum Vater, und diese lernt bereits am Flughafen einen jungen Mann (Jonas Dassler) kennen, der einem radikalen Öko-Kult angehört.
Nach bewährter Tradition haben die russischen Verleiher erneut den Titel übersetzt und den Film „Stadt der Angst“ genannt, offenbar in der Hoffnung, sich an die Franchise „Stadt der Geheimnisse“ mit demselben Eric Bana in der Hauptrolle anzuhängen. Na ja, wenigstens nicht „Insidious“!

Dem Film liegt der Roman Nicholas Hoggs „Tokio“ zugrunde, dessen Handlung, wie der Titel vermuten lässt, in der japanischen Hauptstadt spielt. Die Handlung ist dieselbe, mit der Ausnahme, dass dem Kult selbst viel weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird als in der amerikanisch-deutschen Adaption von 2024.
Interessanterweise hat die Sekte im neuen Film eine klar ausgeprägte ideologische Ausrichtung – grüner Radikalismus, eine wilde Mischung aus den Ideen von Greta Thunberg, vermischt mit Zen-Esoterik und apokalyptischen Prognosen von Ted Kaczynski. Solche Gemeinschaften bezeichnen zu Recht den Klimawandel, die Überbevölkerung und die Umweltverschmutzung als Probleme, aber in der Rhetorik ihrer Reden und Kampfmethoden kann man oft offene Menschenfeindlichkeit und eine ungesunde Vergötterung der Mutter Natur erkennen. Offensichtlich ist dies ein Seitenhieb auf die junge Generation, die sich besonders für Fragen der Mülltrennung und erneuerbaren Energien interessiert. Der Film ist schon allein deshalb interessant, weil er ein Urteil fällt, das der öffentlichen Meinung und dem Zeitgeist widerspricht.
In ihrem Film zeigt Jordan Scott, Tochter des großen und schrecklichen, anschaulich den Mechanismus einer totalitären Sekte und die Rekrutierung neuer Mitglieder: wie sie sich Vertrauen erschleichen, von der Familie lösen, eine Bestimmung geben und Erlösung versprechen, und wie letztendlich das Kollektiv die Persönlichkeit verschlingt. „Stadt der Angst“ funktioniert hervorragend als Leitfaden, wie man vermeidet, einem Kult zum Opfer zu fallen.
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Allerdings kann man „Stadt der Angst“ andererseits weder als spannenden Detektivfilm noch als beunruhigenden Thriller bezeichnen. Die wichtigste Handlungswendung ist kinderleicht zu erkennen, als ob die Macher sie gar nicht verbergen wollten, und die Spannung ist zu schwach aufgebaut. Außerdem hängt da ab dem ersten Akt eine riesige „tschechische Flinte“ an der Wand, die so sehr ins Auge sticht, dass man nicht einmal ein minimales Verständnis der Dramaturgie braucht, um zu wissen, wann sie losgeht.
Ein unbestreitbarer Vorzug des Films ist das Duo von Vater und Tochter, gespielt von Eric Bana bzw. Sadie Sink. Obwohl ihre Figuren im Drehbuch vergessen wurden, richtig auszuarbeiten, und sie nur mit ein paar einsilbigen Eigenschaften ausgestattet wurden, wirken die Schauspieler in diesen Rollen sehr überzeugend. Sadie Sink wurde erneut eine schwierige Heldin anvertraut: ein einsames junges Mädchen, das sich die Scheidung der Eltern vorwirft und eine leichte Beute für die Sekte und mehr wird. Eric Bana hingegen erscheint in seiner gewohnten Rolle. Wüsste ich nicht, dass dieser Film nichts mit der Dilogie „Stadt der Geheimnisse“ zu tun hat, und würde ich nicht auf die Unterschiede in Namen und biografischen Details achten, würde ich diesen Film leicht für eine Fortsetzung halten.

Zusammenfassend ist „Stadt der Angst“ ein bei weitem nicht perfekter, aber dennoch fesselnder, mutiger und sogar etwas provokativer Entwurf zum Thema moderne Sekten und des derzeit populären Umweltaktivismus.
Trailer:
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