
In den russischen Kinos läuft der experimentelle Slasher des Kanadiers Chris Nash, der konzeptionell verlockend wirkt, aber in der Umsetzung scheitert. Was „In a Violent Nature“ besser gemacht hätte – weiter in der Rezension.
Die Prämisse des Films ist etwas so Klischeehaftes und Archetypisches, dass sie bereits von vornherein ein parodistisches, dekonstruierendes Element in sich trägt. Eine Gruppe Studenten entspannt im Wald und stört versehentlich einen bösen Geist – den Helden einer lokalen urbanen Legende. Dieser erwacht aus seinem Schlaf und beginnt, die Studenten und alle, die ihm in den Weg kommen, zu zerlegen.
Am bemerkenswertesten im Horrorfilm von Chris Nash ist die formalistische Komponente, die den Inhalt in den Bereich schematischer Konventionen verdrängt. Indem sie im visuellen Erzählen die Stilistik der Slasher aus der VHS-Ära (Bildformat, „billige“ Gewalt) mit originellen Kameratechniken (Kameraperspektiven, die an „Videospiele“ erinnern, als ob sie an der Figur aus der Third-Person-Perspektive befestigt wären) verbinden, zollen die Macher nicht nur den Kultfilmen vergangener Jahre Tribut, sondern versuchen auch, das Genre selbst durch revolutionäre Neuerungen wiederzubeleben. Und natürlich ist die wichtigste davon die Optik: Einen guten Teil des Films beobachtet der Zuschauer das Geschehen aus den Augen des Antagonisten.

Aber so interessant das alles auf dem Papier auch klingen mag, das Endergebnis wirkt eher enttäuschend. Schnitt und Drehbuch lassen das Hauptfeature, mit dem die Beteiligten am meisten prahlen, nicht voll zur Geltung kommen. Es ist völlig unklar, wozu die langen Fußmärsche des Mörders durch den Wald dienen, wenn der Film genug Schnitte, Orts- und Zeitwechsel enthält. Noch unklarer ist, wozu die Jump-Cuts gut sind, die die Dynamik kaum beschleunigen, dafür aber die Billigkeit der Inszenierung verraten.
„In a Violent Nature“ könnte man nur dann zu Recht als experimentell bezeichnen, wenn er von Anfang bis Ende in einer einzigen Einstellung gedreht worden wäre oder zumindest diese Technik geschickt imitiert hätte, wie „1917“ von Sam Mendes. Und überhaupt trägt das Konzept keine anderthalb Stunden Laufzeit und würde viel organischer in einem Kurzfilm wirken. Außerdem fehlt dem Film dringend eine unheimliche Ambient-Musik im Hintergrund, denn das Rascheln von Laub und die Geräusche von Schritten anstelle von aufbauender Musik machen einige Szenen unerträglich meditativ und langweilig.

Nach dem Anschauen habe ich mich gefragt, inwieweit die Existenz des Slashers als Subgenre des Horrors im Jahr 2024 überhaupt gerechtfertigt ist. Und wenn Renny Harlins Film nur klischeehafte Banalität war, dann ist „In a Violent Nature“ eine Fundgrube für interessante, aber nicht zu einem genießbaren Zustand durchdachte formalistische Funde. Leider ist keine „Horror-Sensation“ daraus geworden!
Renny Harlin startet aus irgendeinem Grund die „Kult-Franchise“ der Slasher über maskierte Mörder „The Strangers“ neu, aber im Jahr 2024 interessiert das niemanden mehr.
Open materialChris Nash ist jedoch nicht der Einzige, der darauf gekommen ist, einen Horrorfilm aus den Augen des Bösewichts zu zeigen, und bereits Ende August kommt „Presence“ von Steven mit derselben Visitenkarte in die russischen Kinos. Ob es dem verdienten Hollywood-Experimentator gelingen wird, die originelle Idee zur Perfektion zu bringen, oder ob auch sein neues Werk das Schicksal des frischen kanadischen Slashers erleidet, werden wir bald erfahren.
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