
In den Angeboten heimischer Online-Kinos ist „Endlich Morgengrauen“ von Saverio Costanzo erschienen. Wie die italienische Drama mit einem Star-Ensemble ausgefallen ist – in unserer Rezension.
Der Film „Endlich Morgengrauen“ versetzt den Zuschauer in das Nachkriegsitalien der 1950er Jahre, das aufgrund der niedrigen Produktions- und Arbeitskosten zu einem beliebten Drehort für amerikanische Filmemacher wurde. Bei den Dreharbeiten zu einem weiteren historischen Epos, das offensichtlich auf die realen Filme „Ben Hur“ von William Wyler und „Cleopatra“ von Joseph L. Mankiewicz anspielt, findet sich durch die Fügung des Schicksals ein bescheidenes Mädchen namens Mimose (Rebecca Antonaci) wieder, deren Schwester davon träumt, Schauspielerin zu werden. In den Korridoren des Studios, in die die Protagonistin zufällig gerät, wird sie von der Hauptdarstellerin – dem Hollywoodstar Josephine Esperanto (Lily James) – bemerkt. Die neue Bekanntschaft mündet in eine schlaflose Nacht im Kreise der kulturellen (und weniger kulturellen) Bohème.

Der italienische Regisseur Saverio Costanzo wendet denselben Trick an wie Quentin Tarantino in „Once Upon a Time in Hollywood“: Er lässt reale und fiktive Personen aufeinandertreffen, schafft ein Porträt einer ganzen Epoche und gesteht dabei seine Liebe zum Kino jener Jahre. Und er tut dies im Stil von Woody Allen, indem er chronologisch die Ereignisse jener Nacht erzählt und den Zuschauer so zum stummen Begleiter der Figuren macht.
Mimoses Reise in die Welt des großen Kinos wirkt zunächst betont märchenhaft. Die Heldin von Rebecca Antonaci ist von dieser Welt und ihren Bewohnern bezaubert, und ihr Blick hat etwas von der kindlichen Entdeckerfreude an sich. In nur einer Nacht muss die Heldin mit der grausamen Realität konfrontiert werden, zuerst den ganzen Glanz und dann die Armut der lokalen kulturellen Elite erleben, in der Vortäuschung und Heuchelei herrschen und Freundschaft und Liebe, ebenso wie andere Äußerungen menschlicher Gefühle, illusorisch sind und auf Gewinnmaximierung hinauslaufen.

Der größte Schatz des Films ist sein Schauspielensemble. Mimose, gespielt von Rebecca Antonaci, ist unglaublich überzeugend in der Rolle einer Figur, die sich von dem, was sie aufrichtig geliebt hat, enttäuschen lassen muss. Mit einem sanften und fügsamen Charakter wird sie sehr schnell zur Geisel der erfahrenen und erschreckend gnadenlosen Heldin von Lily James, bei der man besser nicht in Ungnade fallen sollte. Für den Star aus „Baby Driver“ und „Krieg und Frieden“ der BBC ist dies eine äußerst untypische Rolle im Vergleich zu ihrem restlichen Filmografie. Hier ist sie machthungrig, arrogant, kalt, aber gleichzeitig auch hypnotisch anziehend.
Die beiden Begleiter Josephines – eine Art Gefolge – wurden glänzend von Joe Keery und Willem Dafoe gespielt. Allerdings gelang es ihnen nicht, die weiblichen Figuren auf der Leinwand zu überstrahlen. Ersterer spielte die Rolle eines Hollywood-Schönlings, der in Wirklichkeit ein unsicherer Schauspieler ist, der sowohl beruflich als auch romantisch im Schatten seiner Partnerin steht. Letzterer spielte den einzigen Vertreter der Bohème, der keine Abneigung hervorruft – den höflichen und verständnisvollen Kunsthändler Rufus.

Vielleicht ist „Endlich Morgengrauen“ nicht der herausragendste Film über die unschöne Kehrseite der Branche. Und schon gar nicht bahnbrechend in der Entlarvung derselben. Zu den offensichtlichen negativen Seiten des Films zählen eine schlichte Geschichte, die den Zuschauer langweilen kann, und ein ungerechtfertigt meditatives Tempo im dritten Akt. Aber gleichzeitig ist es eine schöne und wahnsinnig poetische (nicht umsonst endet der Film mit einem Gedicht!) Aussage über die magische Welt des Kinos und den Schrecken, der manchmal außerhalb des Bildausschnitts und aller roten Teppiche existiert.
Trailer:
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