
Im heimischen Kinostart ist „Boy Kills World“ – eine von Sam Raimi produzierte Actionkomödie mit Bill Skarsgård in der Hauptrolle. Warum man diese Attraktion ungezügelter Gewalt nicht verpassen sollte – in unserer Rezension.
Die Handlung des Films „Boy Kills World“ spielt in einem totalitären Stadtstaat, der von der Van-der-Koy-Dynastie regiert wird. Um die Bevölkerung einzuschüchtern und den Status quo zu wahren, veranstaltet die Familie jährlich die Show „The Culling“, eine Art Gladiatorenkämpfe mit zwölf zufällig ausgewählten Bürgern. Die Matriarchin Hilda (Famke Janssen), die an der Spitze der Dynastie steht, tötet vor vielen Jahren die Schwester und Mutter des Protagonisten (Bill Skarsgård) und nimmt ihm die Fähigkeit zu hören und zu sprechen. Letzterer wird durch die Fügung des Schicksals in den Dschungel verschlagen, wo ihn der Einsiedler Schamane (Yayan Ruhian) zu trainieren beginnt.
Das Debütwerk von Moritz Mohr kann sich nicht mit einer einzigartigen und vielschichtigen Handlung rühmen: Die Geschichte von Rache für die Familie ist bereits in ihrer Prämisse vorhersehbar, und das dystopische Setting ahmt nicht nur dreist „Die Tribute von Panem“ nach, sondern entbehrt auch der gebotenen Detailtreue. Und stellen Sie sich vor, es gibt nicht einmal einen . Aber der inhaltliche Aspekt ist hier bei weitem nicht das Wichtigste.
In seinem Regiedebüt „Monkey Man“ liefert Dev Patel, Star von „The Green Knight“, atemberaubende Action und führt den Zuschauer in die Kultur Indiens ein. Was dabei herausgekommen ist – in
Open material
„Boy Kills World“ lebt von einprägsamen visuellen Bildern, auch wenn diese größtenteils aus Werken der Popkultur entlehnt sind. Die Welt um den Helden herum wirkt äußerst grotesk, wenn nicht sogar „cartoonhaft“. Das gilt auch für die Waffen und Kostüme der Figuren. Die Farbenpracht, gepaart mit einem flotten, clipartigen Schnitt und einer einfallsreichen Kameraführung, verleiht dem Film eine Dynamik, die für moderne Actionfilme selten ist. Genau dafür wurde die gesamte Handlung auf bloße Andeutungen reduziert: Sie dient nur als Hintergrund für die zahnbrecherische und ungerechtfertigt brutale Action, deren Konzentration höher ist als in „Hardcore“ von Ilja Naishuller.
Punkte sammelt der Film durch seine Ernsthaftigkeit und stellenweise sogar Trashigkeit. Zum Beispiel beklagt sich eine der Schurken, gespielt von Michelle Dockery, mitten im Kampf darüber, dass es sehr schwierig war, ein Müsliunternehmen davon zu überzeugen, ein Massaker zu sponsern, und wenige Minuten zuvor konnte der Zuschauer beobachten, wie die erschreckend niedlichen Maskottchen dieser Marke kaltblütig Menschen zerhackten. Und davon gibt es in dem Film reichlich! Besonders gelungen haben die Macher die Taubheit des Protagonisten umgesetzt. Seine innere Stimme kommentiert amüsant das Geschehen, wobei sie sich mal an den Zuschauer, mal an den Geist seiner toten Schwester wendet. Damit verbunden ist wohl der beste Witz des Films: In der Handlung trifft der Junge, der aufgrund seiner Behinderung gezwungen ist, von den Lippen zu lesen, auf eine Figur, die Probleme mit der Mimik hat.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Boy Kills World“ kaum als innovativer Actionfilm bezeichnet werden kann. Es fehlen unkonventionelle formalistische Lösungen wie etwa bei John Woo oder der Umfang der „John Wick“-Tetralogie – aus dieser Perspektive ist er völlig durchschnittlich. Gleichzeitig ist der Film von Moritz Mohr wie ein Mechanismus aus bereits einzeln bewährten Teilen, die selektiv aus Teenager-Franchises, Graphic Novels, Hongkong-Actionfilmen, Arcade-Prüglern und Anime extrahiert wurden. Und dieses scheinbar chaotische Durcheinander erfüllt seine Hauptaufgabe hervorragend – es unterhält!
Im breiten Kinostart ist noch der neue Film von John Woo zu sehen – „Silent Night“, in dem es dem Regisseur viel wichtiger ist, sich zu äußern, als erneut eine knallharte Action zu inszenieren.
Open materialTrailer:
Kommentare
0Noch keine Kommentare.
Melde dich an, um mitzudiskutieren.