
Am 1. Mai erweiterte der Katalog der Streaming-Plattform ein neues Originalprojekt – „Onkel Lyosha“, eine Comedy-Serie, die wie für eine andere Zeit gedreht wirkt, was ihren Charme ausmacht.
Nacht. Eine reich ausgestattete Villa. Ein geschickter Einbrecher stiehlt Goldschmuck, hinterlässt keine Spuren im Haus, verliert aber bei der Flucht seinen Inhalator. Bald erfahren wir, dass dieser Mann Alexei Alexejewitsch ist, auch bekannt als Onkel Lyosha (Timofei Tribunzew), Hausmeister des örtlichen Internats, für dessen Wohl er teure Gegenstände von zwielichtigen Reichen in Rybinsk stiehlt.
Das eingespielte System gerät nicht nur wegen des verlorenen Inhalators ins Wanken, sondern auch, weil die letzte „Beute“ von drei Heimkindern entdeckt wird. Sie verraten den Hausmeister nicht, sondern zwingen ihn, sie in die „Bande“ aufzunehmen und das Gold zu teilen. Dieser Umstand löst eine Reihe unerwarteter und komischer Situationen aus, aus denen sich Tribunzews Held irgendwie befreien muss.

Die Geschichte des „Robin Hood aus Rybinsk“ besticht von den ersten Bildern an durch Naivität und zugleich eine spürbare Aufrichtigkeit des Geschehens. In Atmosphäre, Darstellung und Gesamteindruck wirkt „Onkel Lyosha“ wie ein Relikt aus den Nullerjahren. Keine modernen Schnitttechniken, keine kasachische angesagte Musik, keine Versuche, es teuer, reich, stilvoll und mit Blick auf erfolgreiche Projekte zu machen. Stattdessen der Wunsch, eine einfache Geschichte liebenswerter Helden zu erzählen.

Die Serie hat das Potenzial, in Zitaten zu zerfallen. Schon in den ersten beiden Episoden liefern die Autoren solche Punchlines wie „Du bist nicht Oleg, sondern Judas“, „Mann ist Mann, aber Sex ist nötig“. Dadurch ist der Humor im Projekt nicht nur situativ, sondern auch in den Dialogen spürbar, die vor Pointen nur so strotzen.
Die Serie wird erwartungsgemäß zur Benefizvorstellung des engagierten Schauspielers Timofei Tribunzew, dem man nur einen Grund geben muss, etwas Komisch-Rührendes zu spielen. Und hier ist er traditionell organisch und wunderbar. Ihm dabei zuzusehen, wie er versucht, es allen recht zu machen, nur nicht sich selbst, ist ein besonderes Vergnügen.

Die Nebenbesetzung der Serie ist etwas einfacher, verdirbt aber nicht die Stimmung. Hier füllt Anna Ukolowa mit Charisma die Leinwand in der Rolle der Internatsdirektorin, die sich wie der titelgebende Charakter um andere kümmert und sich selbst vergisst, und Sergei Lawygin fügt seiner Filmografie einen neuen Beruf hinzu – den des Ermittlers. Über die Kinder lässt sich noch schwer urteilen, aber sie wirken neben den erfahreneren Kollegen organisch.
Bemerkenswert ist, dass „Onkel Lyosha“ auf dem dritten Festival für Streaming-Inhalte ORIGINAL+ in diesem Jahr gleich zwei Auszeichnungen erhielt – für „Originelle Regievision“ (Dmitri Newzorow) und „Originelle Musik“. Die Serie hat also bereits ihren Anteil an Anerkennung von Kollegen und Experten erhalten. Es bleibt nur noch, die Zuschauer zu erobern. Alle Chancen dafür hat das Projekt.
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