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Das Leben anderer zu analysieren ist nicht schwer, aber wie baut man sein eigenes auf, selbst wenn man die menschliche Natur bestens versteht? Die Antworten versuchen die Helden der Serie „Friendzone“ zu finden.

Ein Psychologiestudent beschließt, das Phänomen der „Friendzone“ zum Thema seiner Semesterarbeit zu machen. Denn Kirill (Alexey Slavkin) selbst ist in die berüchtigte Friendzone seiner Freundin und zugleich Geliebten Sonya geraten (im ersten Staffel gespielt von Valeria Shutovskaya). Der Junge ist überzeugt, dass man Freundschaft in Liebe verwandeln kann, wenn man sich nur ein wenig anstrengt. Seine Hypothese will er mit einem Experiment an seinen Freunden beweisen.

Der Text enthält geringfügige Spoiler zur ersten Staffel der Serie „Friendzone“

Friendzone Serie
Szene aus der Serie „Friendzone“

Die ungewöhnliche Geschichte der Serie

Die Debütstaffel gewann den Preis des Realist Web Fest 2022 und stand auf der Shortlist des Digital Reporter und des Nationalen Preises für Internetinhalte. Nach diesem Erfolg wurde die Plattform START auf „Friendzone“ aufmerksam, wo das ursprünglich als Webserie veröffentlichte Projekt seine Heimat fand.

Eine weitere Besonderheit der Serie ist die Fülle junger Regisseure. Jede Episode der ersten Staffel wurde von verschiedenen Personen inszeniert, was zu leichten Unterschieden in Stil und Präsentation führt. Die Referenzen liegen nahe: Die jugendlichen Ängste und die Fülle an Neonlichtern stammen aus der damals modischen „Euphoria“, und das Durchbrechen der vierten Wand sowie das Kommentieren des Geschehens für die Zuschauer aus „Fleabag“.

Friendzone Staffel 1
Szene aus der Serie „Friendzone“

Die Macher beschränkten sich nicht auf das bloße Kopieren der „erfolgreichen Einstellungen“ ihrer Kollegen. So gelang es ihnen, die Atmosphäre Moskaus nicht als Megacity, sondern als eine durchaus gemütliche Stadt für Jugendliche zu vermitteln. Ganz zu schweigen davon, dass das Konzept „junge Psychologen gestalten ihr Privatleben“ frisch, interessant und qualitativ umgesetzt ist – es ist ein Vergnügen zu beobachten, wie die Figuren Manipulationen einsetzen, während sie deren Mechanismen genau verstehen.

Friendzone ansehen
Szene aus der Serie „Friendzone“

Wenn in einem anderen heimischen Hit dieselben Fragen romantischer Beziehungen, Trennungen und anderer jugendlicher Leiden aufgeworfen wurden, jedoch oft in übertriebener Form und mit obligatorischem Humor, so sind die Situationen in „Friendzone“ oft bodenständiger und dem Zuschauer näher. Daher fällt es etwas leichter, sich in die Figuren hineinzuversetzen oder ihre Erfahrungen auf sich selbst zu beziehen.

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Roman Kovalev
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Evolution in der zweiten Staffel

Die Geschichte der ersten Staffel wirkte recht abgeschlossen. Die Figuren waren erwachsener geworden, jeder erhielt eine logische „Belohnung“ für seine Handlungen. Doch die Autoren fanden einen interessanten Ansatz, um die Handlung weiterzuentwickeln. In der zweiten Staffel fügt die Serie einen Dialog der Generationen hinzu.

Friendzone 2024
Szene aus der Serie „Friendzone“

Die Fragen des „Entfriendzonens“ sind noch da, nehmen aber nicht mehr die meiste Erzählzeit ein und werden durch die Brille verschiedener Epochen betrachtet. So versucht Alexey Slavkins Figur nicht nur, die plötzlich von ihm getrennte Marina (Vlada Erofeeva) zurückzugewinnen, sondern auch zu verstehen, warum sich seine Eltern getrennt haben (das Thema Trennungen ist in dieser Staffel überhaupt zentral). Dafür reist er nach Gelendschik, wo seine Mutter lebt, die sich zudem mit einem Mann zusammengetan hat, der einst nur ein Freund für sie war.

Gerade die Dialoge zwischen Kirill und seiner Mutter sind das Highlight der zweiten Staffel. Sie zeigen, wie man die Generationenlücke überwinden kann, indem man einem nahen Menschen vertraut und ihm seine Gedanken und Gefühle mitteilt.

Friendzone Vlada Erofeeva
Szene aus der Serie „Friendzone“

Die Evolution betraf nicht nur die behandelten Themen, die übrigens in den Abspannen recht unterhaltsam aus psychologischer Sicht analysiert werden, sondern auch die Figur von Vlada Erofeeva. Während man ihre Rolle in der ersten Staffel als schöne Trophäenfreundin charakterisieren konnte, entfaltet sich die Figur hier stärker, ebenso wie die Parallelen zum Leben der Schauspielerin selbst (sie ist im wahren Leben Model). Daher wird in der neuen Staffel auch die weibliche Perspektive auf die Fragen des „Entfriendzonens“ dargestellt, was sie weniger einseitig macht als zuvor.

Das kann man von den anderen Figuren nicht sagen. In der ersten Staffel wurde aus verständlichen Gründen mehr Zeit für die Nebenfiguren aufgewendet – schließlich wurde an ihnen das Experiment zur Verwandlung von Freundschaft in Liebe durchgeführt. Hier hingegen lässt die Entwicklung ihrer Handlungsstränge zu wünschen übrig. Sie werden größtenteils genutzt, um die Laufzeit zu verlängern und Lücken zwischen den Hauptereignissen zu füllen, und die Handlung um die Besuche einer HIV-Selbsthilfegruppe wirkt völlig fehl am Platz. Und das ist wohl der Hauptmangel der zweiten Staffel.

Friendzone Kritik
Szene aus der Serie „Friendzone“

Die Serie „Friendzone“ ist sehr uneinheitlich ausgefallen. In Bezug auf Ton und Erzähltempo, Stil und Präsentation des Materials (z. B. gibt es in der zweiten Staffel keinerlei „Euphoria-Elemente“ der ersten Staffel), aber das Projekt ist mehr als interessant – dank des Konzepts, der noch nicht abgenutzten, interessanten jungen Schauspieler, des atmosphärischen Soundtracks aus vielfältiger moderner Musik auf Russisch. Solche Serien erscheinen bei uns nicht oft, daher ist es nicht empfehlenswert, sie zu verpassen.