
Am 25. Januar startet in den russischen Kinos Sofia Coppolas neuer Film „Priscilla: Elvis und ich“, ein bewegendes Drama, das auf dem autobiografischen Buch von Priscilla Presley basiert und mit dem „Coppa Volpi“ für die beste weibliche Hauptrolle au...
Sofia Coppola drehte 2022 in nur 3 Monaten den Film „Priscilla: Elvis und ich“, einen Film über Elvis Presleys Frau, ohne Songs von Elvis Presley. Die Firma Elvis Presley Enterprises erteilte keine Genehmigung zur Nutzung der Kompositionen des Rock-'n'-Roll-Stars der 70er Jahre. Aber der Film profitierte nur davon: Es musste ein musikalisches Bild aus anderen Werken geschaffen werden, die die Ära gut widerspiegeln und vollständig eintauchen lassen.

Melancholie als Motor der Handlung
Die noch sehr junge Priscilla und der bereits berühmte Elvis lernen sich auf einer Party in Deutschland kennen, zwischen ihnen entsteht eine Liebesbeziehung, die nicht über die Grenzen des Erlaubten hinausgeht. Elvis reist nach Beendigung seines Dienstes in die Heimat zurück und scheint seine Freundin zu vergessen. Die erste Liebe macht Priscilla verrückt, und genau in diesem Moment beginnt eine unerklärliche, fast schon rührende Melancholie aufzutreten, die den Werken von Sofia Coppola eigen ist.
Wie die Heldin von Coppolas neuem Film sein wird, kann man schon vor dem Anschauen erraten: Im Zentrum der Handlung steht ein junges Mädchen, das eine schwierige Phase durchmacht, die sich wie eine Mischung aus Sehnsucht an der Grenze zum Wahnsinn und Liebesqual anfühlt. „Priscilla“ hat die Stimmung von „The Virgin Suicides“ mehr geerbt als jeder andere Film. Es sind die Schwierigkeiten des weiblichen Teenageralters, die tödliche Langeweile in vier Wänden und das Warten auf das Treffen mit dem Objekt der Zuneigung.

Spitze als primäre Materie
Der Raum im Film erklärt oft die Position des Helden, seinen Charakter und seine Sicht auf die Welt. Zum Beispiel ist Priscilla Seide, weiche Teppiche, Tüll, Spitze, Porzellan. Ihr Zimmer im Elternhaus ist in zarten Rosa- und Pfirsichtönen gehalten. Elvis ist Samt, Leder, schwere Stoffe, ein dunkelbraunes Zimmer, in dem es scheinbar keine Luft und kein Licht gibt. Die Gegenüberstellung der Texturen der Helden offenbart ihre Unterschiede: Sie haben nicht nur unterschiedliche Charaktere, Lebensziele – Elvis und Priscilla sind aus unterschiedlichen Materialien gemacht. Natürlich sind weder Seide noch Samt im wörtlichen Sinne primäre Materie, aber ihre Darstellung erklärt die Unähnlichkeit auf einer natürlichen Ebene.
Darüber hinaus ist der Film nicht nur eine Verfilmung von Priscilla Presleys Autobiografie, sondern ein verliebter Blick in die Vergangenheit. Die Autorin schafft einen vollwertigen Abdruck der Epoche: von modischen Toupierten bis zu musikalischen Geschmäckern. Frankie Avalon, Brenda Lee, Alice Coltrane, die Zeitung „Stars and Stripes“, alte Neujahrskarten, Schallplatten in farbiger Papierhülle. Manchmal hat man den Eindruck, dass der Dialog gleich endet und ein Video von Lana Del Rey aus dem Album „Born to Die“ oder „Honeymoon“ beginnt, denn in der modernen Massenkultur ist die Popularisierung der Ästhetik der 1960er-70er Jahre mit ihrem Namen verbunden.
Zeit für eine (im wahrsten Sinne des Wortes) rosafarbene Retrospektive
Die große Liebe zum Detail macht Priscilla dem Zuschauer näher. Wir sehen, welche Kosmetik sie verwendet, welche Parfums sie mag und welche Musik sie hört. Viele ihrer Accessoires können wir auch heute noch erwerben. Der Abdruck der Epoche entfremdet uns auch nicht von der Heldin und ihren Problemen, denn neben dem Erleben der ersten romantischen Gefühle gibt es ein weiteres Problem – die Einsamkeit. Sie äußert sich nicht nur im müßigen Umherirren im Haus während der Abwesenheit des Mannes, sondern auch in der Nuklearisierung der Familien, der Entfremdung von der sozialen Welt, die wir alle im digitalen Zeitalter erleben.

Über die Probleme im Familienleben der Presleys und dass die Ehe fast von Anfang an zum Scheitern verurteilt war, zu sprechen, ist sinnlos. Viel interessanter ist es, den Wandel der Epochen mit Priscillas Augen zu beobachten. Der Raum und die Attribute des Alltags der Helden spiegeln nicht nur ihre Stimmung wider, sie verändern sich, wenn sich die Mode ändert. Zum Beispiel sind die 1960er Jahre die ganz junge Priscilla: langweilig-graue Schulkorridore in romantischem Dunst, staubig-rosa Wohnzimmer in Elvis' Haus, braun-dunkles Schlafzimmer der Frischvermählten, Placidyl vor dem Schlafengehen, lange spitze Lidstriche, üppige Kleider.
Aber die 1970er Jahre sind zart-himbeerfarbene Dschungel nach einem Stück Zucker, alarmierend-rotes elektrisches Licht, langes kastanienbraunes Haar von Priscilla und modische Schlaghosen. Dies ist nicht nur ein Wechsel der Umgebung, sondern auch ein Stimmungswandel der Heldin: Sie will nicht mehr ruhig zu Hause auf ihren Mann mit seinen ständigen Seitensprüngen warten, sie will nicht mehr eingesperrt mit einem kleinen weißen Pudel sitzen und sehnsüchtig das luxuriöse, aber einsame Leben romantisieren. Die Ära der gehorsamen Hausfrauen, die auf Antidepressiva sitzen, geht vorbei und etwas Neues taucht auf.

Massenkultur im Ekstase
In „Priscilla“ zeigt Sofia Coppola nicht nur eine schöne, aber schmerzhafte Liebeserfahrung eines jungen Mädchens, sie gibt eine detaillierte Anleitung, wie man dieses Gefühl loswird. Darüber hinaus könnte die Veröffentlichung dieses Films der Grund für eine weitere Mode-Welle in der Spirale sein: In der Massenkultur erinnerte man sich wieder an „Frühstück bei Tiffany“, Konzerte der bereits erwähnten Lana Del Rey. Mädchen binden Schleifen aus rosa Satinband und suchen krampfhaft, wo sie lackierte Schuhe in Kirschrot kaufen können, während sie versuchen, eine Frisur wie Britt Ekland zu machen.
Interessant ist, dass Sofia Coppola 1971 geboren wurde und sie selbst sich wahrscheinlich weder an die psychedelischen 70er noch (geschweige denn) an die archaischen 60er erinnert. Aber das hindert sie nicht daran, diese Epoche zu lieben und diese Liebe an den Zuschauer weiterzugeben. „Priscilla“ schenkte uns einen romantischen Blick in die Vergangenheit und legte die eigentümliche Schönheit dieses melancholischen, aber faszinierenden Bildes offen.
Trailer:
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