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In den breiten Kinos läuft der letzte große Film des Jahres vom Hollywood-Veteranen Michael Mann – „Ferrari“, ein Film, in dem der Regisseur das italienische Leben spielt und keine Angst hat, sentimental zu sein.

Der Film erzählt von einem kurzen Abschnitt im Leben des berühmten italienischen Konstrukteurs Enzo Ferrari (Adam Driver), der in einer kurzen Zeitspanne des Jahres 1957 spielt. Dieses Jahr wurde sowohl für Ferrari selbst als auch für seine Familie und sein geliebtes Kind – die Autofabrik – zu einer Herausforderung. Der 60-jährige Enzo pendelt zwischen seiner Geliebten Lina (Shailene Woodley), mit der ihn alles verbindet (einschließlich eines kleinen Sohnes), außer der Pflicht, und seiner Frau Laura (Penélope Cruz), mit der ihn außer der Pflicht nichts mehr verbindet (sie ist zudem seine Geschäftspartnerin).

Zur gleichen Zeit steht Ferraris Fabrik vor dem Bankrott, und die einzige Rettung ist eine Fusion mit einem großen Automobilunternehmen, aber Enzo will die Kontrolle über die Autoproduktion nicht vollständig verlieren und beschließt daher, zu Werbezwecken am gefährlichen Rennen Mille Miglia teilzunehmen. In kurzer Zeit muss Enzo ein Team zusammenstellen und sein Privatleben regeln.

Ein Mensch ohne Auto bleibt ein Mensch: Rezension zum Film „Ferrari“
Szene aus dem Film „Ferrari“

Der Regisseur des legendären „Heat“, „Collateral“ und „Ali“ spielt diesmal die italienische Karte aus, indem er eine besonders leidenschaftliche Episode aus dem Leben von Enzo Ferrari verfilmt, mit obligatorischem Wein bei wichtigen (und weniger wichtigen) Gesprächen und sonnenüberfluteten, körnigen Berglandschaften, zwischen denen die Rennstrecke liegt.

„Ferrari“ zeigt stellenweise unverkennbar Manns Handschrift, an anderen Stellen desorientiert es den Zuschauer völlig durch das Fehlen charakteristischer Merkmale des Autors. Zum Beispiel hat er hier fast vollständig auf Digitalkameras und den TV-Bild-Modus verzichtet und greift nur gelegentlich bei Nahaufnahmen von Gesichtern darauf zurück, um seine Anwesenheit zu markieren, damit niemand daran zweifelt, zu wessen Film er gekommen ist. Und die lauten Schüsse hat er durch das ohrenbetäubende Brüllen der Motoren ersetzt.

Aber worin der Regisseur sich treu bleibt, ist das Bild der Hauptfigur. Vor uns steht wieder ein von seiner Arbeit besessener Mann in makellosem Anzug, mit grauen Haaren, der nie die Sonnenbrille abnimmt, seinen Untergebenen knappe Anweisungen gibt und die Illusion eines Privatlebens aufrechterhält, auf das er streng genommen gut verzichten könnte.

Ein Mensch ohne Auto bleibt ein Mensch: Rezension zum Film „Ferrari“
Szene aus dem Film „Ferrari“

Allerdings verheimlicht Mann diesmal nicht die mit dem Alter gekommene sensible Weichheit und beschließt, die Optik zu verschieben, indem er die Linie des Privatlebens und der familiären Probleme Ferraris erweitert und das Lebenswerk, die Autos und Rennen, in den Hintergrund treten lässt. Daher ist Enzo hier nicht mehr der kalte Profi wie Neil in „Heat“ oder Vincent in „Collateral“. Er reflektiert häufiger, denkt über sein Leben, den langen Weg nach, lässt sogar eine spärliche Träne fallen, wenn er in die Oper geht, wo ihn die ihm nahestehenden Frauen beobachten – eine in der Loge, die andere im Fernsehen (eine metaphorische, aber völlig fremdartige Szene). Dennoch ist der Pragmatismus von Manns Helden endlich, so deutet der Regisseur an, und manchmal muss man über die Ewigkeit nachdenken.

Das konzentrierte Gesicht von Adam Driver, an dessen Wangenknochen man scheinbar Messer wetzen könnte, wird gelegentlich weicher, wenn er den verstorbenen Erben besucht oder mit dem Sohn von einer anderen Frau spricht, aber häufiger sehen wir einen leidenschaftlichen, innerlich brennenden Ingenieur, der bestrebt ist, dem Plan zu folgen und keine Minute davon abzuweichen. Selbst im Gespräch mit seinem Sohn entwickelt Ferrari gleichzeitig ein Schema zur Verbesserung der Kraftstoffzufuhr im Motor. Dieses Bild ist bei Mann meist sehr überzeugend. Wie andere Helden seiner Filme umgibt Enzo Liebe und Tod, aber beiden widmet er mechanisch genau so viel Aufmerksamkeit wie nötig, um nur Nutzen daraus zu ziehen.

Im Gegensatz zu „Le Mans 66“ ist dies kein Film über Autos oder Rennen, obwohl sie genügend Leinwandzeit haben und eine Episode Gänsehaut verursacht. Und nicht einmal über das berüchtigte Liebesdreieck. Es ist ein Film darüber, wie ein Mensch zum Leidwesen seiner Angehörigen seine wahre Berufung findet, und der Rest ist für ihn Routine und überflüssige Sentimentalität. Sie trüben den Verstand, aber in den Zeichnungen braucht es nur eine ruhige Hand.