
„Dream Scenario“ fesselt buchstäblich ab den ersten Worten der Synopsis, die man vor dem Anschauen im Online-Kino lesen kann. Es ist in der Tat eine dieser Ideen, die Begeisterung hervorrufen. Aber sie muss ja auch verfilmt werden.
Kurze Handlung
Der Universitätsprofessor Paul Matthews (Nicolas Cage) spezialisiert sich auf die Erforschung des kollektiven Bewusstseins von Ameisen und träumt davon, ein Buch zu veröffentlichen, das er noch nicht einmal begonnen hat. Eines schönen Tages stellt Paul fest, dass er völlig fremden Menschen zu träumen beginnt – ein Phänomen, das niemand erklären kann.
Über Nacht wird Paul von Ruhm und weltweiter Liebe überrollt, er wird zu einem der bekanntesten Menschen auf dem Planeten. Doch mit diesem Ruhm muss man erst einmal umgehen können. Außerdem, wie kann man das Verhalten seines Abbilds im Gehirn eines anderen überhaupt kontrollieren?..
Ein gewöhnlicher Mensch und der Held unserer Träume
Der interessanteste Aspekt des Films war zweifellos der Effekt, den die plötzliche Popularität auf den Protagonisten hatte. Die Untersuchung seiner Reaktion auf die Reaktion der Gesellschaft. Als Sezierung einer bestimmten Figur hat „Dream Scenario“ diese Aufgabe einfach großartig gemeistert.
Und die Tatsache, dass dieser Sezierung die ersten beiden der drei Akte des Films gewidmet sind, bedeutet, dass der Regisseur und Drehbuchautor Kristoffer Borgli dies versteht.
Wenn man die vorherige Arbeit des relativ „grünen“ Regisseurs, „Sick of Myself“, bedenkt, hat er definitiv ein enormes Potenzial, das sehr interessant zu beobachten sein wird.
In seinen besten Momenten zieht der Film den Zuschauer in seinen Bann, der Parallelen zwischen Pauls Situation und der zufälligen, viralen Popularität eines gewöhnlichen Menschen im Internet ziehen kann. Und gleichzeitig erschreckt er mit der Aussicht, dass es manchmal unmöglich ist, diese Popularität zu kontrollieren. Borgli leistet eine feine Arbeit, indem er nach und nach den Schrecken der Routine unter außergewöhnlichen Umständen auf die Leinwand bringt.
Aber wo kämen wir hin ohne Gesellschaftskritik
Doch im dritten Akt scheint „Dream Scenario“ von der feinen Allegorie abzurücken und zu einer sehr plumpen Satire überzugehen. Und hier beginnt der Film ein wenig zu bröckeln.
Denn das Gute an der Allegorie ist, dass sie oft subtil ist, sodass sich der Zuschauer sehr klug fühlt, wenn er sie erfasst hat – selbst wenn nicht so, wie der Autor es beabsichtigt hat. Satire hingegen ist fast immer recht konkret. Sie zeigt auf, was sie für falsch und ungerecht hält, damit wir als Gesellschaft danach streben, es zu korrigieren.
Nur dass die Kritik an modernen Influencern und der „Cancel Culture“ im Jahr 2023 längst nicht mehr scharf wirkt. Das, was am Beispiel einer bestimmten Person interessant anzusehen ist, geht im allgemeinen Gesellschaftskommentar unter. Und wenn einem anfangs nicht unbedingt Vergleiche mit DiCaprios Figur in „Don't Look Up“ in den Sinn kamen, drängen sie sich gegen Ende von selbst auf – einfach weil die Thematik ähnlich wird.
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Und dann scheint „Dream Scenario“ sich nicht entscheiden zu können, was genau es kritisiert.
Denn die Figur des Paul selbst ist recht interessant gezeichnet – auch wenn er alles andere als perfekt ist, möchte man ihm eindeutig Mitgefühl entgegenbringen. Man hat in vielen Situationen regelrecht Mitleid mit ihm, und zwar sehr konkret. Und wenn wir mit ihm mitfühlen, wird dann das kritisiert, was ihn umgibt?
Teile der Biografie des Protagonisten ähneln der Geschichte von Jordan Peterson (einem Universitätsprofessor, der plötzlich durch seine Kritik an der modernen Agenda populär wurde und den man ebenfalls auf hässliche Weise zu öffentlichen Aggressionsausbrüchen zu verleiten versuchte). Im Film selbst wird Peterson jedoch namentlich in einem negativen Kontext erwähnt.
Vielleicht wird dann die Reaktion der Öffentlichkeit auf Entschuldigungen von Internet-Prominenten wie Logan Paul verspottet? Auch seltsam. Denn diese Entschuldigungen sind größtenteils wahnsinnig unaufrichtig, und später verspotten die Macher bereits die Internet-Prominenten selbst.
Kurz gesagt, die Macher haben sich in einer zahnlosen und uninteressanten Satire etwas verheddert und für eine Weile den roten Faden verloren, der den Film „Dream Scenario“ unterhaltsam machte.
Dabei ist das Ende selbst durchaus interessant und setzt für Paul keinen Punkt, sondern ein Auslassungszeichen. Und das durchaus erfolgreich.
Fazit
Angesichts all dessen – „Dream Scenario“ ist definitiv sehenswert. Auch wenn man seine Mängel bedenkt, ist es ein guter Film, der bei vielen eine ziemlich starke emotionale Reaktion hervorrufen kann.
Übrigens wurde fast nichts über die Nebendarsteller gesagt, und die sind hier sehr stark. Julianne Nicholson hat ihre Aufgabe definitiv großartig gemeistert, Tim Meadows hatte einen geistreichen Cameo-Auftritt, und auch das Erscheinen von Dylan Baker hat sehr erfreut. Aber besonders hervorgetan hat sich Michael Cera, seine Figur ist sehr amüsant geraten.
Wenn Sie also nicht wissen, was Sie in den Ferien sehen sollen, nehmen Sie „Dream Scenario“.
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