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Am 1. Januar 2024 startet in Russland zusammen mit potenziellen Kassenschlagern wie „Kholop 2“ und „Die Bremer Stadtmusikanten“ ein kleiner, fast unscheinbarer Film aus dem Programm der Filmfestspiele von Cannes. In unserem Artikel erklären wir, waru...

Ein junger Engländer namens Arthur (Josh O’Connor) fährt im Zug, sein weißer Anzug ist eher grau, und über seine Socken und deren Geruch lacht der ganze Waggon. Wütend kehrt er in ein kleines italienisches Dorf zurück, in dem er wegen Grabräuberei an etruskischen Gräbern festgenommen wurde. An einem vertrauten, aber nicht heimatlichen Ort erwartet ihn niemand außer einem „Haus“ aus Sperrholz, seinen Komplizen und Großmutter Flora (Isabella Rossellini). Doch ein ruhiges Leben ist nicht zu erwarten – seine magische Gabe führt den Archäologen auf den Pfad des illegalen Handels.

Film „Chimera“
Standbild aus dem Film „Chimera“

1. Gelassenheit einfangen

– ein unglaublich ruhiger Film. Der Charme und die Anziehungskraft des Films sind der Kamerafrau Hélène Louvart zu verdanken, die anstelle einer Digitalkamera eine Filmkamera einsetzte. Sie verlieh dem Bild den Effekt eines alten Fotos, das man „anfassen“ und als gute Erinnerung an die Vergangenheit nutzen kann. Zur Atmosphäre trägt auch der angenehme Soundtrack bei, der zum Beispiel zwei sehr traurige, aber lustige Lieder der „Barden“ von Arthurs Bande enthält, die auf einer kaputten Gitarre und einem Triangel gespielt werden.

„Chimera“ – ein unterschätztes Wunder aus Cannes
Anastasia Sviridova
„Chimera“ – ein unterschätztes Wunder aus Cannes

Wir erzählen vom Film „Chimera“, dem neuen Werk der italienischen Regisseurin Alice Rohrwacher, das in Cannes keine Preise gewann, aber die Herzen der Zuschauer eroberte.

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2. Sehen, wie einfache Menschen in italienischen Dörfern leben

Wenn man an Italien denkt, kommen einem die helle Sonne, die Architektur und das Essen in den Sinn, aber der Film zeigt eine ganz andere Seite. Arm, geistig und körperlich zerstört, scheint es am letzten Atemzug zu existieren. In einem Land, das in den 1980er Jahren von einer Wirtschafts- und politischen Krise zerrissen wurde, sind verfallene Villen zurückgeblieben, aus denen Flora nicht ausziehen kann (oder will). Sie selbst führt Führungen durch den leeren Bahnhof und versucht, sich an die kleinsten Erinnerungen an das alte Leben zu klammern. Arthurs Freunde, die als Jugendliche, die durch unehrliche Geschäfte verurteilt werden, sind ebenfalls wichtig. Sie nehmen an grotesken Straßenfesten teil, verkleiden sich als Frauen und fahren mit einem Traktor umher, finden Freude an kleinen Dingen wie überkochten Spaghetti mit der einfachsten Soße.

Film „Chimera“
Standbild aus dem Film „Chimera“

3. Kinderbücher über Archäologie hervorkramen

In diesem meditativen Film werden die Ausgrabungsszenen zur treibenden Kraft. Sie verleihen „Chimera“ Neuheit und Raffinesse, denn trotz ihrer schmutzigen Arbeit stoßen Arthur und sein Team auf Wunder, die unter der Erde begraben liegen. Wenn man dem zusieht, wird man unwillkürlich inspiriert und taucht tiefer und tiefer in den Film ein.

4. In eine reale Welt der Wunder eintauchen

Die erstaunliche Verbindung von Mystik und Realismus ist typisch für die Filme der Regisseurin Alice Rohrwacher. Während es in ihrem vorherigen Cannes-Erfolg „Happy as Lazzaro“ Manipulationen mit der Zeit und einem Pseudo-Mittelalter gab, ist es in „Chimera“ eine feine Verbindung zwischen dem mythischen Anfang und der Gabe, mit der Arthur die Gräber findet. Und seine Geschichte erinnert an den Mythos von Orpheus, der in die Unterwelt hinabsteigt, um seine Geliebte zu finden.

Film „Chimera“
Standbild aus dem Film „Chimera“

5. Die Erinnerungen an eine vergangene Liebe genießen

Nostalgie nach der vergangenen Zeit ist eines der Hauptthemen des Films, aber für das Verständnis des Protagonisten ist sie besonders wichtig. Die Liebe zu einem Mädchen, über dessen Schicksal nichts gesagt wird und dessen Bild selbst ziemlich vage und metaphorisch ist. In seinen Erinnerungen erscheint sie als Heldin des Mythos vom Minotaurus – Ariadne, von der übrigens auch ein dünner, schöner Faden ausgeht, und er folgt dieser Spur. Diese Erinnerungen, wie die Erinnerungen an das schöne Italien der Vergangenheit, lassen ihn nicht los und belasten ihn, denn in der Jagd nach dem Vergangenen ist nichts anderes zu erwarten.

Der wichtigste Grund, warum „Chimera“ Aufmerksamkeit verdient, ist seine Einfachheit, die unglaubliche Lebensfreude, die sich in den kleinen Dingen zeigt. Der Film existiert jenseits der Sprachbarriere, und selbst ohne Italienischkenntnisse ist er nicht schwer zu verstehen, und die Probleme der Bewohner einer kleinen Siedlung ähneln unseren sehr. Vielleicht liegt in dieser Ähnlichkeit das Geheimnis des Films, und die Veränderungen des „neuen“ Italiens der achtziger Jahre geben Hoffnung auf etwas Freundlicheres, Aufrichtigeres?

Italienischer Trailer zum Film „Chimera“: