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„Shortcomings“, ein kleiner Film aus dem Wettbewerb des Indie-Festivals Sundance, ist im digitalen Verleih erschienen. Warum man diesen Film beachten sollte, erfahren Sie in unserer Kritik.

Ben (Justin H. Min) träumt von einer Karriere als Drehbuchautor und, wenn es gut läuft, als Regisseur. Vorerst begnügt er sich mit der Rolle des Managers eines Arthouse-Kinos und trifft sich mit der etwas erfolgreicheren Miko (Ally Maki), die an der Organisation lokaler Filmfestivals beteiligt ist. In seinem Leben gibt es auch die etwas weniger menschenfeindlich eingestellte Freundin Alice (Sherry Cola), mit der er an die gleichen Orte geht, Kaffee trinkt und das Leben beschimpft. Nach so ereignisreichen Tagen schaut Ben abends klassische Filme – von „Guten Morgen!“ von Ozu bis „Tribute von Panem“ von Baumbach (man kann die DVD auf dem Sofa sehen!). Es scheint, als könnte seine melancholische Infantilität ewig währen, doch Miko, müde von ihren ewigen Streitereien, reist unerwartet nach New York, um eine Filmschule zu besuchen, Alice versucht immer aktiver, ihr Leben zu ändern, und das unbeliebte Kino kommt der Schließung immer näher.

Ohne Miko irrt Ben durch San Francisco auf der Suche nach offenen Ohren, findet aber nur neue Probleme. Telefonate mit seiner Freundin enden in einer Katastrophe, und seine Versuche, allen auf der Welt zu erklären, dass sie falsch leben und überhaupt nichts verstehen, führen zu noch größerer Einsamkeit.

„Shortcomings“ ist einer jener zahlreichen Filme im Kino, deren Beschreibung man mit sofort erkennbaren Referenzen beginnen kann. Es ist ein leiser Film – „Die Reifeprüfung“ für Millennials und „Tribute von Panem“ für Jungs. Beim Anschauen fällt einem der wichtige Film „Der schlimmste Mensch der Welt“ ein (den einige Leute, und der Autor dieser Kritik ist nicht allein, für den besten Film des letzten Jahres halten), aus jüngerer Zeit der mäßig bemerkenswerte „Amanda“, der im Sommer im Kino lief, und aus der großen Filmgeschichte „Der Herzensbrecher“ von Elaine May. Mit letzterem Film hat das Debüt des Randall Park (einem Schauspieler, der unter anderem für eine Nebenrolle bei Marvel bekannt ist) besonders viel gemeinsam: ein Hauptheld mit zweifelhaften moralischen Qualitäten, eine schwebende Spannung und natürlich die Versuche, nicht so sehr den amerikanischen Traum zu verwirklichen, sondern zu verstehen, worin er eigentlich besteht.

Shortcomings Justin H. Min
Standbild aus dem Film „Shortcomings“

Vor diesem Hintergrund ist Ben natürlich schwer als allzu originelle Figur zu bezeichnen, aber die Macher versuchen, ihm eine gewisse Individualität zu verleihen, die über die Liebe zu Klassikern und Strickpullovern hinausgeht. Ein wichtiges Motiv des Films ist zum Beispiel, dass Ben seine asiatische Herkunft völlig egal ist und er über die Tendenzen des modernen Hollywoods zur Erhöhung der Repräsentation lacht. Als er bei einem Filmfestival eine geschmacklose Neuverfilmung von „Pretty Woman“ mit asiatischen Schauspielern sieht, freut er sich nicht über die Repräsentation, sondern lacht über den schlechten Film.

Aus solchen kleinen Beobachtungen setzt sich dieser bescheidene, lustige Film zusammen. Die Autoren wollen gleichzeitig über vieles sprechen, und das gelingt ihnen mit unterschiedlichem Erfolg (obwohl das im Grunde auch die besten klassischen Filme tun – zum Beispiel der wunderbare Film „Geraubte Küsse“ von Truffaut, den Ben sich ruhig mal ansehen sollte). Ein wichtiges Thema – das Streben des modernen Hollywoods nach totaler Repräsentation auf Kosten der Qualität der Projekte – wird gut und mit Geschmack behandelt: Von völliger Ablehnung dieser Praxis gelangt Ben zunächst zu geduldiger Toleranz und dann zu einem rührenden Verständnis. Einige vielleicht interessantere Themen werden dagegen nur gestreift, wenn auch nicht ohne Erfolg.

Bens toxische Beziehungen zu Miko und zwei anderen Frauen (eine davon, nebenbei bemerkt, wird hervorragend von Debby Ryan gespielt – das ist ein Glücksgriff) werden einerseits gut und treffend dargestellt, andererseits gibt es davon scheinbar zu wenig. Obwohl sich der Film gegenüber Miko einen ziemlich entschlossenen Sarkasmus erlaubt: Dieses in jeder Hinsicht fortschrittliche Mädchen vertieft sich so sehr in das Verständnis ihrer selbst und die Selbstliebe, dass sie am Ende niemand anderen mehr wahrnimmt. Der Held beschuldigt sie der Doppelzüngigkeit, und es ist schwer zu sagen, dass er Unrecht hat.

Dabei ist Ben natürlich selbst ein doppelzüngiger Abuser und auf erschreckende Weise nicht perfekt. Er lacht über romantische Beziehungen als Konzept, weil niemand bereit ist, zum zehnten Mal „Sie küssten und sie schlugen ihn“ mit ihm zu sehen; er beklagt sich ständig über das Leben, ohne zu versuchen, es zu ändern; er kritisiert völlig zu Recht alle um sich herum, weigert sich aber, seinen eigenen Blick auf sich selbst zu richten. Wie viele Millennials beobachtet Ben das Leben hervorragend, lebt es aber erbärmlich, und seine sarkastischen Kommentare zum Alltag erweisen sich als interessanter als dieser selbst. Randbemerkungen zur Geschichte überlagern irgendwann den Haupttext.

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Standbild aus dem Film „Shortcomings“

Man kann eine solche Situation im Rahmen des Storytellings kritisieren – und diese Selbstbezogenheit macht den Film tatsächlich nicht interessanter –, aber im Grunde ist es eine wichtige Beobachtung der Gegenwart. Der Held der „Reifeprüfung“ langweilte sich mit dem Leben, mit seiner Umgebung, mit der Absurdität der Träume, aber er hatte keine andere Wahl, als so zu leben. Der Held unserer Zeit hingegen, müde vom Lebensstil seiner Klasse, kann sich zwar von dessen Reproduktion ausschließen, scheint aber keine Möglichkeit zu haben, sein Leben wirklich neu zu erfinden. Diese existenzielle Unbestimmtheit reimt sich auch auf die ganz alltägliche Entwurzelung von Migranten, selbst in der dritten Generation, von ihren Wurzeln.

Diesen Gedanken führen „Shortcomings“ ehrlich gesagt nicht zu Ende und bleiben auf halbem Wege stehen. Aber am Ende lehrt uns dieser halbherzige Film doch das Wichtigste – dass wir es zumindest verdienen, nicht nach unseren schlechtesten Taten und schlechtesten Momenten beurteilt zu werden, sondern danach, wer wir sein wollen. Auch wenn es uns nur manchmal gelingt. So möchte man wohl auch mit diesem Film verfahren: Er hat, verzeihen Sie das Wortspiel, einige Mängel, und vielen Momenten in der Handlung fehlt es an Tiefe, aber man kann in diesem Film dennoch nicht nur eine asiatische Version der „Reifeprüfung“ sehen, sondern etwas Größeres. Auch wenn es stellenweise nicht allzu sehr ist.